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03.02.2016

13:15 Uhr

Bargeldgrenze von 5000 Euro

Die Schein-Debatte

VonMartin Dowideit

Droht das Ende der bürgerlichen Freiheit, wenn große Beträge nicht mehr bar bezahlt werden dürfen? Wer so argumentiert, schießt mit Kanonen auf Spatzen. Meine zwei Cent zum Zoff ums Bargeld.

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Das Bargeld muss weg!

Handelsblatt in 99 Sekunden: Das Bargeld muss weg!

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Die Bundesregierung könnte sich mit dem Gedanken anfreunden, das Zahlen mit Bargeld zu begrenzen. Bei 5000 Euro soll Schluss sein, wer mehr in bar auf die Verkaufstheke legen will, stünde dann unter Verdacht, Geld waschen zu wollen. Von Verbraucherschützern und in Zeitungskommentaren ist die Reaktion zu lesen: Die totale Kontrolle rückt damit näher. Ein Eingriff in die Bürgerrechte erfolge, der Datenschutz werde ausgehebelt, ein Hort der Freiheit zerstört.

Geht es eine Nummer kleiner, bitte?

5000 Euro: Bundesregierung plant Obergrenze fürs Barzahlen

5000 Euro

Bundesregierung plant Obergrenze fürs Barzahlen

Die Bundesregierung ist bereit, Bargeld-Transaktionen in unbegrenzter Höhe ein Ende zu setzen. Das Bundesfinanzministerium schlägt ein Limit für das Barzahlen von 5.000 Euro vor. Verbraucherschützer kritisieren das.

In Deutschland dauert es bei vielen Filialbanken drei Werktage, bis 5.000 Euro in bar zur Abholung bereitgestellt werden können. Wer sich aus dem Automaten bedienen will, stößt bei einer solchen Summe an die Limitgrenze. Das erschwert große Transaktionen allein schon in der Praxis. Und, Hand aufs Herz, wer hat überhaupt schon mal mehr als 5.000 Euro in bar bezahlt?

Okay, einige Kollegen wissen zu berichten, dass sie durchaus mal einen Gebrauchtwagen – einer sogar für 12.000 Euro – in bar bezahlt hätten. Natürlich könnte man in diesem Fall tatsächlich pro Bargeld argumentieren: Denn wenn ich das Geld für den Wagen vorab überweise und der Händler geht just in diesem Moment pleite, dann wäre meine Kohle weg beziehungsweise in der Insolvenzmasse. Oder der Barzahlrabatt des Autohändlers ist einfach zu verführerisch.

Doch in der Praxis sieht auch das durchaus anders aus: Besteht ein Autohändler auf Vorabüberweisung einer große Summe, bekommt der Kunde einen Versicherungsschein, der im Falle einer Insolvenz die Rückzahlung garantiert. Hier ist also keine Skepsis angebracht.

Diese Länder fahren Kampagnen gegen Bargeld

Dänemark

In ein Regierungsprogramm zur Konjunkturankurbelung hat die dänische Regierung den Plan geschrieben, für kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants den bisherigen gesetzlichen Annahmezwang für Bargeld aufzuheben. Begründet wird das mit den Kosten, die das Zählen und Bearbeiten des Bargelds mit sich bringt. In den nordischen Ländern hat das elektronische Bezahlen das Zahlen mit Bargeld bereits weitgehend verdrängt.

Frankreich

Ab September 2015 wird für Bürger, die in Frankreich leben, die Bargeldzahlungsgrenze auf 1.000 Euro (bis dahin 3.000 Euro) begrenzt. Für ausländische Bürger liegt die Grenze – um den Tourismus nicht zu stark zu beeinträchtigen ‒ bei 10.000 Euro (bisher 15.000 Euro). Quelle: Buch „Bargeldverbot“, S. 27

Belgien

Seit Januar 2014 hat sich die zulässige Bargeldsumme für Waren und Dienstleistungen von 5.000 Euro auf 3.000 Euro verringert.

Spanien

Barzahlungen von über 2.500 Euro sind nach einem Gesetz vom 30. Oktober 2012 verboten, wenn eine der Parteien professionell oder gewerblich tätig ist. Es dient angeblich dem Kampf gegen Steuerbetrug.

Italien

Barzahlungen von mehr als 1.000 Euro sind in Italien seit Anfang 2012 verboten (Direktive zur Nachvollziehbarkeit von Finanzierungen, vor der Barzahlung mit hohen Beträgen wird gewarnt).

Griechenland

Ab Jahresanfang 2011 sind Geschäfte mit einer Barzahlung von 1.500 Euro und mehr illegal, wenn zumindest ein Partner gewerblich aktiv ist.

Schweden

Kampagne zur Bargeldabschaffung „Bargeldfrei jetzt!“ (Kontantfritt Nu), getragen von der Gewerkschaft für Finanzdienstleister „Finansförbundet“ und „Svensk Handel“ mit Sprüchen wie „Bargeld braucht nur noch deine Oma ‒ und der Bankräuber“ oder „Bargeld ist das Blut in den Adern der Kriminalität“.

Ein weiteres Argument der grenzenlosen Bargeldliebhaber ist, dass durch eine Beschränkung des Umgangs mit Geldscheinen der finanziellen Repression Tür und Tor geöffnet werde. Das ist ein staatstragender Begriff. Was er beschreibt: Die Bargeldfans fürchten, dass im Falle negativer Zinsen für Privatleute ihre Kontoguthaben an Wert verlieren. Eine Ausweichmöglichkeit wäre es, Bargeld zu horten – die Bank könnte dann keine Strafzinsen abbuchen. Nur ist in der aktuellen Diskussion von Bargeld-Haltegrenzen überhaupt nicht die Rede.

Kommentare (130)

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Herr Thomas Behrends

03.02.2016, 13:37 Uhr

Haben Minister und Beamte in Berlin nichts Anderes zu tun als uns freie Bürger zu schikanieren? Offensichtlich nicht!

Herr Wilhelm Bergadler

03.02.2016, 13:37 Uhr

Die Einschränkung der Barzahlung ist eine sehr durchsichtige Aktion, den Bürger noch transparenter zu machen für Finanzämter. Wieviel Einschränkungen sollen wir denn noch hinnehmen?
"Freie " Meinungsäusserung nur noch im Rahmen der Gesetze - Überwachung des Geldausgebens - etc.
Terroristen den Geldhahn abndrehen? Das muss doch selbst der Dümmste Bürger merken!

Account gelöscht!

03.02.2016, 13:41 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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