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10.09.2013

16:23 Uhr

Baufinanzierung

Bausparkassen drängen Kunden aus Verträgen

Die niedrigen Zinsen macht viele Bausparkassen offenbar erfinderisch. Laut Verbraucherschützern versuchen sie, ihre Kunden aus alten Verträgen zu drängen. Welche Sparer betroffen sind.

In der Ansparphase können Kunden bei alten Bausparverträge ansprechende Zinsen erzielen. dpa

In der Ansparphase können Kunden bei alten Bausparverträge ansprechende Zinsen erzielen.

LeipzigZahlreiche Bausparkassen versuchen nach Angaben von Verbraucherschützern derzeit, ihre Kunden aus alten Verträgen zu drängen. Die Unternehmen wollten nicht hinnehmen, dass die hoch verzinsten Verträge von Verbrauchern nur noch als Geldanlage genutzt würden, erklärte die Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen, Andrea Heyer, am Dienstag. In vielen Fällen sei dies nicht zulässig. Allerdings müsse jeweils der Einzelfall genau geprüft werden.

Bausparverträge bestehen aus zwei Phasen: Zunächst zahlen Kunden über mehrere Jahre hinweg Geld auf ihr Konto ein. Die Zinsen dafür sind zwar im allgemeinen vergleichsweise niedrig, angesichts der aktuellen Minizinsen liegen sie aber oft über dem derzeitigen Durchschnitt. Die Bausparkassen bedienten sich nun eines Tricks, erklärte die Verbraucherzentrale Sachsen: Sie machen sich demnach zunutze, dass sie die Verträge kündigen können, wenn die beim Vertragsabschluss vereinbarte Sparsumme erreicht ist.

Zunächst zahlen Kunden über mehrere Jahre hinweg Geld auf ihr Konto ein. Die Zinsen dafür sind zwar im allgemeinen vergleichsweise niedrig, angesichts der aktuellen Minizinsen liegen sie aber oft über dem derzeitigen Durchschnitt.

Damit dies früher der Fall ist, würden vereinbarte Boni schon vor ihrer Fälligkeit dem Sparguthaben zugerechnet, erklärte Finanzexpertin Heyer. "Ob die Bausparkasse aber mit dem vertraglich vereinbarten Bonus so umgehen kann, ist fraglich - zumindest wenn sich dies nicht eindeutig aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ergibt und anderen Aussagen der Bausparkasse widerspricht", erklärte die Verbraucherschützerin.

Teure Fallen in der Baufinanzierung

Lange Bearbeitungszeiten

Wenn eine Bank Top-Konditionen anbietet, stürzen sich die Kunden geradezu auf das Angebot. Vor allem Kreditvermittler leiten in einem solchen Falle die Kunden scharenweise an Banken mit Niedrigzins-Offerten weiter. Manche Banken können diesen Ansturm nicht bewältigen. In Einzelfällen können die Bearbeitungszeiten dann vier bis acht Wochen dauern. Branchenkenner berichten, dass sich einige Banken dann angesichts der hohen Antragszahl Kunden mit guten Risiken herauspicken und einen Rest pauschal ablehnen. Kunden, die schon kurz vor Baubeginn stehen oder Kaufpreiszahlung schon ansteht, sind dann gezwungen, auf die Schnelle eine andere Finanzierung zu finden oder einen höheren Zinssatz zu akzeptieren. Bei verspäteter Zahlung werden für den Käufer oder Bauherren Vertragsstrafen fällig.

Bausparverträge

Viele Banken bieten bei der Finanzierung neben dem Kredit einen Bausparvertrag an, vor allem Sparkassen und Volksbanken neigen dazu. Entweder es wird der Bausparvertrag gleich als Tilgungsersatz eingearbeitet, zur späteren Zinssicherung separat abgeschlossen oder für eine spätere Renovierung vorgesehen. Während die Vorsorge für eine Renovierungsvorsorge bis zu einem Volumen von 20.000 Euro noch akzeptabel ist, haben die anderen Varianten Nachteile. Die Finanzberatung FMH berechnete den Grenzzins, ab wann die Finanzierung mit Bausparverträgen lohnt. Erst wenn der Bankzins beim Anschlussdarlehen bei mehr als 7,5 Prozent, im Einzelfall sogar bei mehr als 11,5 Prozent liege, würde sich das Bausparmodell lohnen. Einen derartigen Zinsanstieg erwarten aber nur Pessimisten.

Kreditverhandlungen I

Fast jeder Bauherr denkt, dass sein Bankberater über seine Finanzierung entscheiden könnte. Doch heutzutage werden Kredite nicht mehr in der Filiale abgewickelt, sondern zentral bearbeitet. Wenn sich der Banker mit seiner Zusage zu weit aus dem Fenster gelehnt hat, hat der Kunde keine Verhandlungsbasis, weil sich der Berater auf die Entscheidung der Kreditabteilung rausredet und er selber keine Befugnis hat, den Kredit doch zu vergeben. Kulanz und gute Kundenbeziehungen nützen in solchen Fällen in der Regel nichts.

Kreditverhandlungen II

Ebenfalls unangenehm kann es werden, wenn der Zahlungstermin ansteht und die Kreditvergabe plötzlich mit Zinsaufschlägen versehen wird, von denen bei der Antragstellung nicht die Rede war. Aus Zeitgründen wird dann oft auf ein Angebot bei einer anderen Bank verzichtet. Unfair ist es auch, wenn die Kreditzusage an die Besparung eines Bausparvertrages gekoppelt wird. So maximiert der Banker Ertrag und Provision. Kunden sollten solche Offerten ablehnen und zu einem anderen Institut wechseln.

Kreditvermittler

Viele Baugeld-Vermittler setzen ihre Kunden unter Druck und verlangen beispielsweise die Annahme eines Angebots binnen einer kurzen Frist. Andernfalls würde die Offerte wieder zurückgenommen. Ein reiner Vertriebstrick, wie etwa Max Herbst von der Finanzberatung FMH meint. Denn das Angebot des Vermittlers ist sowohl für die Bank wie auch für die Kunden immer unverbindlich. Erst wenn die Bank ihre Offerte schickt, gibt es ein konkretes Angebot. Da die Annahme des Vermittlerangebotes nicht rechtsverbindlich ist, ist auch eine Unterschrift nicht tragisch. Man sollte sich durch derartiges Vermittlerverhalten nicht abschrecken lassen und getrost weitere Angebote einholen.

Zinsverhandlungen

Viele Hausbanken präsentieren ihren Kunden zunächst ein Angebot zu einem durchschnittlichen Zins. Der Banker ist auch gar nicht traurig, wenn sich der Bauherr bei Vermittlern und Direktbanken ein besseres Angebot einholen wird. Auf Anraten seines Beraters solle er aber vor einem Abschluss dort das Angebot ihm nochmals vorlegen, denn es sei nicht ausgeschlossen, dass er nochmals nachbessern könne. Ein solches Vorgehen zeugt nicht gerade von einer guten Geschäftsbeziehung. So handeln vor allem Banken, die ihren Kunden auch in Zukunft tendenziell immer zuerst zweitklassige Produkte anbieten. In einem solchen Fall sollten die Kunden das Institut lieber wechseln und bei einer anderen Bank nachverhandeln. Prinzipiell gilt: Kunden sollten immer das bestmögliche Angebot erwarten dürfen.

Betroffen sind von den Kündigungen der Verbraucherzentrale zufolge vor allem Sparer, die ihre Einzahlen gezielt gedrosselt oder ganz gestoppt haben, um von den vergleichsweise hohen Zinsen auf ihr bisheriges Guthaben länger zu profitieren. Dies sei aber möglich, denn es gebe keine Verpflichtung, die vereinbarten Sparraten auch einzuzahlen, erklärte Heyer. Teilweise werde Kunden auch die Kündigung angedroht, wenn sie ihre Beiträge nicht innerhalb weniger Wochen nachzahlten. Auch für diese Fälle riet die Finanzexpertin den betroffenen Kunden, die AGB genau zu prüfen.

Von

afp

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

10.09.2013, 17:19 Uhr

Hallo Herr Lektor.

Check for Doppler:

"Zunächst zahlen Kunden über mehrere Jahre hinweg Geld auf ihr Konto ein. Die Zinsen dafür sind zwar im allgemeinen vergleichsweise niedrig, angesichts der aktuellen Minizinsen liegen sie aber oft über dem derzeitigen Durchschnitt."

Account gelöscht!

10.09.2013, 22:20 Uhr

Wer sich mit einem Gutteil seines "freien" Kapitals an Fremde bindet und das für lange Zeit ist selber Schuld. So ists mit Vermögenslebensversicherungen, Bausparverträgen und für einige Deutsche auch beim Riestern.
Woher die wohl ihre Mitarbeiter, Dienstwagen und Marmortempel bezahlen?

Der Clevere kauft Allinaz oder Talanx Aktien für die Versorgung in der Zukunft. Ist sogar doppelt clever.

KeineAngstBinAhnungslos

11.09.2013, 07:49 Uhr

@Bosch....
und wenn ich Milch kaufe, TVs, Autos, Kleidung, ..... verdient niemand daran?
und der clevere Aktienkäufer geht pleite in Rente, weils dummerweise genau dann mal wieder einen Crash gibt, wenn er sein Geld braucht. .....

Braucht nicht kommentiert zu werden, da ich ja ein böser, doo..., unwissender,.... einfacher Versicherungsangestellter bin.....

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