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30.01.2004

11:19 Uhr

Bei PKW-Kosten wird besonders viel geschummelt

Finanzbehörden nehmen Freiberufler ins Visier

VonJan Keuchel

Unternehmer, die ihren steuerpflichtigen Gewinn nach der so genannten Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln, müssen ab 2004 mit einer intensiveren Durchleuchtung ihrer Steuererklärung rechnen. Wie das Handelsblatt aus Kreisen der Finanzverwaltung erfahren hat, will man dort künftig mit einem computergestützten Verfahren Betriebseinnahmen und-ausgaben genauer unter die Lupe nehmen - und dadurch Steuerhinterziehern das Handwerk legen.

DÜSSELDORF. Zu Hilfe kommt den Steuerprüfern dabei eine Gesetzesänderung, deren Auswirkung vielen Firmeninhabern noch gar nicht bewusst ist - und deren Hintergründe jetzt offensichtlich werden: nach dem so genannten Kleinunternehmergesetz, das Mitte 2003 verabschiedet wurde, muss ab dem Wirtschaftsjahr 2004 die Einnahme-Überschussrechnung, die vor allem von Freiberuflern, kleineren Mittelständlern und Landwirten erstellt wird, klar festgelegte detaillierte Angaben enthalten. Diese Informationen wollen die Prüfer nun nutzen, um Vergleichsdaten zu sammeln, die dann mit einem speziellen Software-Programm mit jeder neuen Steuererklärung abgeglichen werden.

Scharf ist die Finanzverwaltung vor allem auf Angaben zu PKW-Kosten, Jahresmieten von Grundstücken und Erhaltungsaufwendungen sowie Reparaturkosten für Firmengüter. "Hier wird besonders viel geschummelt", heißt es dazu aus Steuerprüfer-Kreisen.

In der Wirtschaft und bei den Steuerberatern sorgt das für großen Unmut. "Auf Kosten der Unternehmen fordert die Finanzverwaltung zusätzliche Informationen ein, die den politisch gewollten Bürokratieabbau als reines Lippenbekenntnis erscheinen lassen" kritisiert Klaus Heilgeist, Präsident der Bundessteuerberaterkammer. "Statt Bürokratieabbau ist eine Buchhaltung notwendig - zu der gerade der Überschussrechner gesetzlich gar nicht verpflichtet ist".

Die Einnahme-Überschussrechnung bedeutet nichts anderes, als dass der Unternehmer Betriebseinnahmen und-ausgaben gegenüber stellt. Im Gegensatz dazu steht die umfassende Buchführung, wozu Land- und Forstwirte und Gewerbetreibende erst ab einer Umsatzhöhe von 260 000 Euro verpflichtet sind.

Bislang hatten die Finanzbehörden bei der Einnahme-Überschussrechnung zwar ein Recht auf Information. Sie mussten Daten aber im Zweifelsfall erst beim Unternehmer erfragen. In den simpelsten Fällen lieferten die Unternehmer gerade mal drei Zahlen an das Finanzamt: Einnahmen abzüglich Ausgaben gleich Gewinn.

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