Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.10.2014

13:27 Uhr

Beihilfe zur Steuerhinterziehung?

Polizei nimmt Hoeneß-Banker in Warschau fest

VonHolger Alich, Anis Micijevic

In Warschau ist ein Händler der Schweizer Privatbank Vontobel festgenommen worden. Er wird verdächtigt, dem früheren FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben.

Uli Hoeneß und Vontobel: Die Beziehungen zwischen dem früheren Bayern-Präsidenten und der Schweizer Privatbank könnten neu aufgerollt werden.

Uli Hoeneß und Vontobel: Die Beziehungen zwischen dem früheren Bayern-Präsidenten und der Schweizer Privatbank könnten neu aufgerollt werden.

Zürich/DüsseldorfJürg H., einer der Direktoren der Schweizer Privatbank Vontobel, ist am Mittwoch von der polnischen Polizei in Warschau festgenommen worden. Dies bestätigte ein Vontobel-Sprecher am Donnerstag gegenüber Handelsblatt Online. Weiter wollte die Bank den Fall nicht kommentieren. Laut einem Bericht des Wiesbadener Kuriers hat eine Zielfahndung des bayerischen Landeskriminalamts zur Festnahme des Bankers geführt.

Die Staatsanwaltschaft München II spricht von einer Festnahme im Zusammenhang mit dem Steuerprozess gegen Uli Hoeneß, dem früheren Präsidenten des FC Bayern München. Zu weiteren Details der Ermittlungen wollte sich Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich gegenüber Handelsblatt Online nicht äußern.

Der Vontobel-Banker Jürg H. hat für Hoeneß jahrelang mit Devisen gehandelt, nun wird ihm wohl Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen. Er soll wesentlichen Anteil daran gehabt haben, dass Hoeneß insgesamt rund 38 Millionen Euro Steuern hinterziehen konnte.

Hoeneß war im März dieses Jahres wegen Steuerhinterziehung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Grundlage für das Urteil waren unter anderem die umfassenden Protokolle zu den zahlreichen Devisentransaktionen, die H. im Auftrag von Hoeneß ausgeführt hatte.

FC Bayern: Der Skandal rund um Uli Hoeneß

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll ihn mit Millionen unterstützt haben.

Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an. Die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein.

20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Dieser wird außer Vollzug gesetzt - gegen Zahlung einer hohen Kaution.

20. April 2013

Der „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst.

21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Vereinspräsident aus. Die Kritik an ihm nimmt zu. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rückt von ihm ab, zeigt sich „enttäuscht“.

23. April 2013

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro.

1. Mai 2013

Hoeneß erklärt in einem „Zeit“-Interview Reue und gibt Einblick in sein Seelenleben. Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister schließt der Bayern-Präsident darin aus.

6. Mai 2013

Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.

25. Mai 2013

Selbst im Moment des großen Triumphes des FC Bayern steht Hoeneß unter dem Eindruck der Steueraffäre. Fast schüchtern greift er im Londoner Wembleystadion nach dem 2:1 im Finale gegen Borussia Dortmund nach dem Champions-League-Pokal.

30. Juli 2013

Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.

4. November 2013

Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II lässt die Anklage gegen den Bayern-Präsidenten „unverändert“ zu.

13. November 2013

Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern von den Mitgliedern gefeiert. Er vergießt Tränen und kündigt an, nach seinem Steuerstrafprozess auf einer außerordentlichen Versammlung die Mitglieder über seine Zukunft entscheiden zu lassen.

23. Januar 2014

Die Staatsanwaltschaft München lässt bayerische Finanzbehörden wegen des Verdachts der Verletzung des Steuer- und des Dienstgeheimnisses durchsuchen. Es geht um die Frage: Wer gab Dokumente aus Hoeneß' Steuerakte an die Presse weiter?

10. März 2014

Begleitet von einem riesengroßen Medieninteresse beginnt in München der Prozess im „Strafverfahren gegen Ulrich H.“ Hoeneß gesteht, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

11. März 2014

Die Summe der hinterzogenen Steuern wird immer höher. Hoeneß soll sogar mindestens 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Grundlage sind Berechnungen einer Steuerfahnderin.

12. März 2014

Die schwindelerregende Steuerschuld hält die Hoeneß-Verteidigung für „sachgerecht“. Die Selbstanzeige habe sämtliche Zahlen bereits enthalten.

13. März 2014

Uli Hoeneß wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München spricht den Präsidenten des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung schuldig.

14. März 2014

Uli Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurück.

20.September 2014

Uli Hoeneß bekommt nach dreieinhalb Monaten Haft das erste Mal Ausgang. Die Hafterleichterung hängt einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge mit der vollständigen Begleichung seiner Steuerschuld zusammen. Hoeneß soll zuvor gut 30 Millionen Euro an das Finanzamt Miesbach überwiesen haben.

31. Dezember 2014

Zweiter Urlaub für Hoeneß. Er darf den Jahreswechsel zu Hause verbringen. Schon zu Weihnachten hatte Hoeneß Urlaub erhalten und durfte zwei Nächte außerhalb der Gefängnismauern schlafen. Seit Jahresbeginn 2015 ist Hoeneß Freigänger. Er muss jetzt nur noch zum Schlafen in die JVA, darf tagsüber außerhalb des Gefängnisses einer geregelten Arbeit nachgehen.

24. Februar 2015

Sat.1 beginnt mit den Dreharbeiten zu einer Satire, die an den Fall Hoeneß angelehnt ist. Uwe Ochsenknecht spielt die Hauptrolle. Im Mai beginnt das ZDF mit den Dreharbeiten zu einem Doku-Drama mit dem Titel „Uli Hoeneß - Der Patriarch“.

3. November 2015

Der Anwalt von Hoeneß bestätigt, dass sein Mandant einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt hat. Eine Freilassung ist frühestens zur Hälfte der Haftstrafe möglich - zum 29. Februar 2016.

21. Dezember 2015

Hoeneß ruft beim Radiosender Antenne Bayern an und spendet bei einer weihnachtlichen Spendenaktion 10 000 Euro.

18. Januar 2016

Die für das Landsberger Gefängnis zuständige Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg entscheidet, dass die Haftstrafe zum 29. Februar ausgesetzt wird. Hoeneß erhält eine dreijährige Bewährungszeit.

In Schweizer Finanzkreisen schlägt die Verhaftung hohe Wellen. Beobachter sehen dahinter „Powerplay“ der deutschen Behörden. Aber die Vorwürfe der Beihilfe zur Steuerhinterziehung gegen den langgedienten Vontobel-Mitarbeiter seien „absurd“.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Manfred Zimmer

23.10.2014, 13:40 Uhr

Ich glaube kein Wort!

Wer selbst geringste Kenntnisse in diesem Geschäft hat, muss erkennen, dass hier 1 + 1 nicht 2 ergibt.

Es wäre vergleichbar mit einer Festnahme eines Finanzbeamten, weil er an der Abfassung des Steuerrechts mitgewirkt habe.

Gehen wir einmal davon aus, dass hier eine Legende gestrickt wird.

Herr Tom Schmidt

23.10.2014, 13:56 Uhr

Hm... naja... also Ihre Idee hat aber auch was! ;-)

Herr Hans Waldschrat

23.10.2014, 14:56 Uhr

Herr Zimmer: Glauben heißt nichts wissen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×