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13.02.2004

11:09 Uhr

Bestimmte Freibeträge können zunächst unberücksichtigt bleiben

Der clevere Firmenchef zahlt weniger Unterhalt

VonMarcus Creutz

Scheiden tut weh. Und nicht selten nimmt der Schmerz einen chronischen Verlauf. Denn alle zwei Jahre kann der unterhaltsberechtigte Ex-Ehegatte von dem Unterhaltsverpflichteten Auskunft über dessen Vermögensverhältnisse verlangen - so sieht es das Bürgerliche Gesetzbuch vor.

GARMISCH. Doch Unternehmer sind nicht schutzlos, sie können sich wehren - besser als "Otto-Normalverbraucher". Beliebtester Trick: Das Drehen an den Stellschrauben der Bilanz, um den Ertrag herunter zu fahren. Dazu werden Rechnungen für längst erbrachte Leistungen einfach mit zeitlicher Verzögerung ausgestellt, um den Gewinn der letzten beiden Jahre zu drücken. "Da haben Selbstständige natürlich viel mehr Möglichkeiten als der brave Beamte oder Angestellte", sagt Familienrechtsanwalt Udo Völlings aus der Kölner Kanzlei Hecker, Werner, Himmelreich & Nacken.

Andere versuchen den Steuerdreh: Der Ex-Gattin werden vorläufige Betriebsergebnisse des Steuerberaters vorgelegt, in denen bestimmte steuerliche Freibeträge zunächst unberücksichtigt bleiben. "Die werden dann erst in den Steuererklärungen geltend gemacht - meist mit einer zeitlichen Verzögerung von zwei, drei Jahren. Die Unternehmer spekulieren dann darauf, dass der Ex die Steuererstattung nicht auffällt", berichtet Roland Garbe, Fachanwalt für Familienrecht in Lenzen.

Wem das zu heiß ist, der kann seit neuestem zumindest auf Rückendeckung durch die Justiz hoffen. Immer mehr Gerichte gehen dazu über, den Unterhalt nicht mehr lebenslänglich, sondern nur noch befristet zuzusprechen. Jüngstes Beispiel: das Oberlandesgericht Hamm. Die Richter aus Westfalen befanden, dass mit dem Unterhalt nach 3 Jahren Schluss ist - bei einer Ehedauer von über 7 Jahren.

Ein Urteil, das geschiedene Unternehmer ebenso glücklich machen dürfte wie eine nachlässige Ex-Frau. Denn beim Unterhalt gibt es zwar keine Begrenzung nach oben. Kann also der Unterhaltsberechtigte nachweisen, wie hoch der Lebensstandard während der Ehe tatsächlich war und welchen konkreten Bedarf er heute hat, müssen auch Golfclub, Südsee-Urlaub, Luxuswagen und Penthouse-Wohnung weiter finanziert werden. Manchen Ehefrauen geht es aber so gut, dass sie es nicht einmal für nötig befinden, wenigstens die Belege der Kreditkartenabrechnungen zu verwahren. Das kommt dem Zahlenden am Ende zu Gute: Die Gattin scheitert mit ihren Unterhaltsforderung am Nachweis des konkreten Bedarfs.

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