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31.10.2016

18:00 Uhr

Betrugsprozess

Nur noch fünf Angeklagte im S&K-Verfahren

VonKatharina Schneider

Nun stehen im Betrugsprozess um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K nur noch fünf Angeklagte vor Gericht. Das Verfahren gegen einen Hamburger Fondsexperten wurde abgetrennt. Zur Beschleunigung führt das wohl nicht.

FrankfurtDa waren’s nur noch fünf. Im Verfahren gegen die Frankfurter Immobiliengruppe S&K sitzen ab sofort nur noch fünf statt bisher sechs Männer auf der Anklagebank des Frankfurter Landgerichts. Wie der Sprecher des Landgerichts dem Handelsblatt bestätigte, wurde das Verfahren gegen Hauke B., einen ehemaligen Hamburger Geschäftsführer des Emissionshauses United Investors, am Montag abgetrennt. Der Angeklagte war in den vergangenen Wochen mehrfach nicht verhandlungsfähig gewesen. Einige Verhandlungstermine mussten deshalb bereits ausfallen. Für B. könnte damit die Entlassung aus der Untersuchungshaft näher rücken. Wann sich das Gericht wieder mit den Vorwürfen gegen ihn beschäftigt, ist unklar.

Seit mehr als einem Jahr läuft bereits die Hauptverhandlung gegen die S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller sowie vier weitere Angeklagte. Sie wurden wegen schweren bandenmäßigen Betrugs und ebensolcher Untreue angeklagt und sollen mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem etwa 11.000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

Wie das vonstattengegangen sein soll, hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft in einer mehr als 1.750-seitigen Anklageschrift ausgeführt, die über Wochen vor Gericht vorgetragen worden war. Daran hatten sich die teils ebenfalls sehr ausführlichen Stellungnahmen der Angeklagten angeschlossen. Mit der Beweisaufnahme und der Anhörung des ersten Zeugen konnte deshalb erst kürzlich begonnen werden.

S&K in Zahlen

240.000.000

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen die S&K-Gründer und ihre Komplizen Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

11.000

Die S&K-Unternehmensgruppe verfolgte unterschiedliche Geschäftsmodelle. Beispielsweise wurden geschlossene Fonds aufgelegt und Rückzahlungsansprüche von Lebensversicherungskunden erworben. Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen rund 11.000 Anleger geschädigt worden sein.

3150

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Frankfurt umfasst 3150 Seiten. Darin wurden sieben Personen angeschuldigt. Das Verfahren gegen den Rechtsanwalt und Notar Igor P. wurde vom Landgericht Frankfurt jedoch abgetrennt.

2200

Nach Angaben hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt wurden bei den Ermittlungen 2200 Bankkonten ausgewertet.

1774

Zu Beginn der Hauptverhandlung muss ein Teil der Anklageschrift verlesen werden. Dieser sogenannte Anklagesatz umfasst rund 1774 Seiten.

1200

Am 19. Februar 2013 waren 1200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte zu einer deutschlandweiten Razzia gegen die S&K Unternehmensgruppe und verbundene Unternehmen ausgerückt.

150

Zur S&K-Gruppe sollen 150 verbundene Unternehmen gehört haben.

50

Bei Eröffnung der Hauptverhandlung hat die 28. Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt zunächst 50 Verhandlungstage angesetzt.

22

Laut Aushang am ersten Verhandlungstag werden die sechs Angeklagten insgesamt von 22 Anwälten vertreten.

9

An der Hauptverhandlung nehmen neun Richter teil: drei Berufsrichter – der Vorsitzende und zwei beisitzende Berufsrichterinnen – sowie zwei Schöffen (Laienrichter). Zudem sind zwei weitere Berufsrichter als sogenannte Ergänzungsrichter und zwei weitere Schöffen als Ergänzungsschöffen vor Ort.

6

Auf der Anklagebank sitzen die beiden S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller und vier weitere Beteiligte: Der ehemalige leitende S&K-Angestellte Marc-Christian S., der Unternehmer Daniel F. sowie Hauke B. und Thomas G., ehemals Geschäftsführer des Hamburger Fondsemissionshauses United Investors.

Hauke B. hatte nach Angaben seiner Anwältin bereits seit Dezember 2015 über Zahnschmerzen geklagt und musste sich deshalb schon mehrfach Behandlungen unterziehen. Auch von Schlafstörungen war immer wieder die Rede. „Vor der Inhaftierung war unser Mandant komplett gesund, doch die völlig unverhältnismäßig lange Untersuchungshaft und die Trennung von seiner Familie haben ihn so krank gemacht, dass er nicht mehr an der Verhandlung teilnehmen kann“, sagt seine Anwältin Iris Killinger.

Eine Sachverständige habe ihn für unbestimmte Zeit für nicht verhandlungsfähig erklärt. Der Fonds-Experte B. hatte in den vergangenen Monaten häufig selbst das Wort ergriffen und sich vehement gegen die Anklagevorwürfe gewährt. „Meine Handlungen waren die eines bereits Betrogenen“, sagte er einmal und stellte sich wiederholt als „ehrlichen Hamburger Kaufmann“ dar, der stets nur das Wohl der Anleger im Sinn gehabt habe.

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Der weitere Gang der Dinge werde nun „maßgeblich von der Frage der Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten abhängen“, so der Sprecher des Landgerichts. Mit anderen Worten: von seinem Gesundheitszustand. „Das Verfahren abzutrennen, ist grundsätzlich vernünftig“, sagt der zuständige Staatsanwalt Noah Krüger gegenüber dem Handelsblatt. „In einem solchen Fall muss man abwägen.“ Einerseits: Vier Angeklagten befänden sich seit mehr als dreieinhalb Jahren in Untersuchungshaft – einer war nach einem Geständnis zwischenzeitlich aus der Haft entlassen worden – und hätten ein Recht auf eine beschleunigt durchgeführte Verhandlung.

Andererseits: „Die Öffentlichkeit hat demgegenüber ein Interesse daran, dass gegen alle Angeklagten verhandelt wird“, so Krüger. Je länger man eine Genesung abwarte und je ungewisser der Heilungserfolg sei, desto mehr Gewicht bekomme das Interesse an einer zügigen Fortsetzung.

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