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24.01.2017

15:45 Uhr

Betrugsprozess

S&K-Chef wünscht sich „Sieben vor dem Komma“

VonKatharina Schneider

Im Prozess um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K führt die Staatsanwaltschaft Gespräche mit den Angeklagten. Bei der Haftdauer äußert Firmengründer Schäfer einen frommen Wunsch, gibt sich zugleich aber realistisch.

FrankfurtKurz vor dem einhundertsten Verhandlungstag im Prozess um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K hat die Staatsanwaltschaft erste Verständigungsgespräche mit den Angeklagten und ihren Verteidigern geführt. Jeweils im kleinen Kreis wurde darüber beraten, ob sich die Anklagevorwürfe auf einzelne Punkte beschränken lassen, damit das Frankfurter Landgericht schneller ein Urteil fällen kann. Nach den ersten beiden Gesprächen – mit dem S&K-Gründer Stephan Schäfer und dem Hamburger Unternehmer Thomas G. – zeigt sich: Die Staatsanwaltschaft ist bereit, weite Teile ihrer ursprünglichen Anklage fallen zu lassen; die Angeklagten scheinen ebenfalls kooperativ. Das Gericht, das einer Verständigung zustimmen müsste, will sich erst später äußern.

Ursprünglich hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft im S&K-Verfahren sechs Männer wegen schweren bandenmäßigen Betrugs und ebensolcher Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu angeklagt. Mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem sollen sie etwa 11.000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben. Dargelegt hatten sie die Vorwürfe in einer 3.150-seitigen Anklageschrift. Zur Ermittlungsakte gehören rund 1.000 Ordner, insgesamt haben die Ermittler 100 Terrabyte Daten erfasst.

S&K in Zahlen

240.000.000

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen die S&K-Gründer und ihre Komplizen Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

11.000

Die S&K-Unternehmensgruppe verfolgte unterschiedliche Geschäftsmodelle. Beispielsweise wurden geschlossene Fonds aufgelegt und Rückzahlungsansprüche von Lebensversicherungskunden erworben. Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen rund 11.000 Anleger geschädigt worden sein.

3150

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Frankfurt umfasst 3150 Seiten. Darin wurden sieben Personen angeschuldigt. Das Verfahren gegen den Rechtsanwalt und Notar Igor P. wurde vom Landgericht Frankfurt jedoch abgetrennt.

2200

Nach Angaben hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt wurden bei den Ermittlungen 2200 Bankkonten ausgewertet.

1774

Zu Beginn der Hauptverhandlung muss ein Teil der Anklageschrift verlesen werden. Dieser sogenannte Anklagesatz umfasst rund 1774 Seiten.

1200

Am 19. Februar 2013 waren 1200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte zu einer deutschlandweiten Razzia gegen die S&K Unternehmensgruppe und verbundene Unternehmen ausgerückt.

150

Zur S&K-Gruppe sollen 150 verbundene Unternehmen gehört haben.

50

Bei Eröffnung der Hauptverhandlung hat die 28. Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt zunächst 50 Verhandlungstage angesetzt.

22

Laut Aushang am ersten Verhandlungstag werden die sechs Angeklagten insgesamt von 22 Anwälten vertreten.

9

An der Hauptverhandlung nehmen neun Richter teil: drei Berufsrichter – der Vorsitzende und zwei beisitzende Berufsrichterinnen – sowie zwei Schöffen (Laienrichter). Zudem sind zwei weitere Berufsrichter als sogenannte Ergänzungsrichter und zwei weitere Schöffen als Ergänzungsschöffen vor Ort.

6

Auf der Anklagebank sitzen die beiden S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller und vier weitere Beteiligte: Der ehemalige leitende S&K-Angestellte Marc-Christian S., der Unternehmer Daniel F. sowie Hauke B. und Thomas G., ehemals Geschäftsführer des Hamburger Fondsemissionshauses United Investors.


Im Zuge der Verständigungsgespräche wird von den Betrugsvorwürfen jetzt wohl nichts mehr übrig bleiben. Wie Oberstaatsanwalt Noah Krüger am heutigen Dienstag vor Gericht berichtete, will die Staatsanwaltschaft im Falle des S&K-Gründers Schäfer die Anklage in Bezug auf die Betrugsvorwürfe einstellen und sich auf Untreuevorwürfe in Zusammenhang mit einzelnen Fonds und Immobiliengeschäften konzentrieren. Dabei handele es sich um solche Vorwürfe, bei denen ein „Tatnachweis einfach zu führen“ sei. Insgesamt schwebe der Staatsanwaltschaft nun ein Strafmaß von neun bis zehn Jahren vor.

Schäfers Verteidiger sollen sich optimistisch geäußert haben, dass eine Einigung „zeitnah möglich“ sei. Schäfer selbst wünsche sich eine Gesamtfreiheitsstrafe „mit einer Sieben vor dem Komma“, sagt Krüger. Gleichzeitig wisse der Angeklagte, dass eine „Acht“ realistischer sei. Wichtig sei ihm aber, dass er mit der Urteilsverkündung aus der Haft entlassen und die restliche Strafe zur Bewährung ausgesetzt werde. Überzogen scheint dieser Wunsch nicht, denn Schäfer sitzt bereits seit Februar 2013 in Untersuchungshaft. Die U-Haft wird auf das Strafmaß angerechnet und bei guter Führung werden Haftstrafen häufig bereits nach zwei Dritteln der Zeit erlassen oder eben zur Bewährung ausgesetzt.

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„Wir waren überrascht, wie nah unsere Vorstellungen beieinander liegen“, so Krüger über das Gespräch mit Schäfer und seinen Verteidigern. Auch das Gespräch mit den Anwälten von Thomas G. scheint konstruktiv verlaufen zu sein. Bei ihm soll eine Abtrennung des Verfahrens in Frage kommen – dieser müssten neben den Richtern aber auch die anderen Angeklagten zustimmen. Der Vorwurf gegen G. könnte womöglich auf seine Tätigkeit als Treuhänder bei einem einzelnen Fonds beschränkt werden.

Ihm könnte auch zu Gute kommen, dass er bereits im vergangenen Mai ein Geständnis abgegeben hat – das hatte ihm auch schon die Entlassung aus der Untersuchungshaft beschert. Die Staatsanwaltschaft hält bei ihm ein Strafmaß zwischen vier Jahren und sechs Monaten und fünf Jahren für angemessen. Seine Verteidiger fordern etwa ein Jahr weniger.

Auch mit den drei anderen Angeklagten – darunter auch der zweite S&K-Gründer, Jonas Köller, – und ihren Verteidigern will die Staatsanwaltschaft in Kürze sprechen. Sie befinden sich ebenfalls seit Februar 2013 in Untersuchungshaft. Gegen den sechsten Angeklagten, den Hamburger Unternehmer Hauke B., ist im vergangenen Dezember ein Urteil gesprochen worden, nachdem sein Verfahren wegen Krankheit abgetrennt worden war. Er wurde wegen schwerer Untreue und Anstiftung zur Untreue verurteilt. Seine Verteidiger haben gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt.

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