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31.01.2012

12:01 Uhr

Bezahl-Karten

Die Zukunft ist berührungslos

VonKatharina Schneider

Keine Geheimzahl, keine Unterschrift, kein Kartensteckgerät und kein Bargeld. Bezahlen an der Kasse soll schneller werden, dank kontaktloser Funktechnologie. Doch der Weg zum Masseneinsatz ist noch lang.

Die kontaktlosen Karten müssen nur vor den Terminal gehalten werden, schon wird bezahlt. Foto: Mastercard

Die kontaktlosen Karten müssen nur vor den Terminal gehalten werden, schon wird bezahlt. Foto: Mastercard

DüsseldorfEinen Schritt vor – und Warten. Wieder einen Schritt vor – Warten. Wer im Supermarkt an der Kasse steht, braucht häufig vor allem eines: Geduld. Auch wenn die Kassiererin die Waren blitzschnell und fehlerlos über den Scanner zieht, folgt danach unweigerlich das Bezahlen. In Deutschland ist Bargeld noch immer das beliebteste Zahlungsmittel, gefolgt von Debitkarten – auch EC-Karten genannt. Und bis das Geld zusammengezählt oder die Karte eingesteckt und ausgelesen ist, kann schnell eine halbe Minute vergehen.

Sparkassen, Banken und internationale Kartenanbieter wollen diesen Prozess nun beschleunigen, durch „kontaktloses“ Bezahlen. Das soll nur noch wenige Sekunden dauern. Geplant ist dies schon lange, doch nun gehen die Anbieter in die Offensive: Bank- und Kreditkartenkunden sollen mit neuen Karten ausgestattet werden, die sie an der Kasse nur kurz vor einen Terminal halten und schon erfolgt die Zahlung. Keine Eingabe der Geheimzahl mehr, keine Unterschrift und kein Gerät, in das die Karte eingesteckt werden muss.

Girogo

Wie funktioniert Girogo?

Girogo wurde von der Deutschen Kreditwirtschaft entwickelt. Es handelt sich dabei um eine Girokarte (ehemals EC-Karte genannt), die über einen zusätzlichen Chip verfügt. Dieser Funkchip (NFC - Near Field Chip) ermöglicht den kontaktlosen Datenaustausch zwischen Karte und Kassenterminal.

Was kann mit Girogo bezahlt werden?

Girogo ist ein Prepaid-System. Die Karte kann mit maximal 200 Euro aufgeladen werden (u.a. am Geldautomaten und an Kassen). Kontaktlos können Einkäufe bis maximal 20 Euro bezahlt werden.

Welche Händler akzeptieren Girogo?

Folgende Händler wollen Girogo-Karten akzeptieren: Edeka, Douglas Holding mit Douglas, Christ, AppelrathCüpper, Hussel und Thalia, dm-drogeriemarkt und Esso-Tankstellen.

Wer stellt Karten mit Girogo aus?

In einem Pilotprojekt wollen Sparkassen ab Mitte April 2012 in der Region Hannover-Wolfsburg-Braunschweig 1,2 Millionen Sparkassen-Karten mit Girogo ausgeben. Volksbanken wollen dort 150.000 dieser Karten ausgeben. Ab August 2012 wollen die Sparkassen bundesweit alte Karten, die auslaufen, durch Karten mit der neuen Technologie ersetzen. Die Volksbanken wollen vor einer bundesweiten Ausgabe der Karten zunächst den Verlauf des Pilotprojekts abwarten.

Wie viele Karten mit Girogo sind schon im Umlauf?

Noch hat niemand eine Girokarte mit Girogo-Funktion. Das Pilotprojekt startet Mitte April. Zunächst sollen 1,35 Millionen Karten ausgegeben werden.

NFC – Near Field Chip heißt die Technik, die dabei zum Einsatz kommt. Per Funk kommuniziert ein kleiner Chip auf der Karte mit dem Kassengerät. Das soll ab einem Abstand von höchstens vier Zentimetern funktionieren. Dieses Grundprinzip ist bei allen kontaktlosen Karten von Banken und Kartenanbietern gleich. Bei der Nutzung der Technik gibt es aber zwei unterschiedliche Modelle: Auf der einen Seite die Girokarte der Deutschen Kreditwirtschaft mit Girogo-Funktion und auf der anderen das Paypass-System von Mastercard und Paywave von Visa.

Paypass

Wie funktioniert Paypass?

Paypass ist eine Entwicklung des Kreditkartenherausgebers Mastercard. Auch hier ist wie bei Girogo und Paywave ein NFC-Funkchip auf der Karte aufgebracht. Dieser Chip soll aber nicht nur auf Kreditkarten, sondern auch auf Debitkarten aufgebracht werden. In den USA nutzt auch Google-Wallet Paypass, um Zahlungen über das Smartphone abzuwickeln.

Was kann mit Paypass bezahlt werden?

Mit Paypass können alle Beträge kontaktlos bezahlt werden, ab 25 Euro muss zusätzlich eine Unterschrift geleistet oder eine PIN eingegeben werden. Ein vorheriges Aufladen der Karte ist nicht nötig. Beim Bezahlen wird direkt das Konto oder die Kreditkarte belastet.

Welche Händler akzeptieren Paypass?

Bundesweit kann mit Paypass bereits bei folgenden Händlern gezahlt werden: Vapiano, Douglas Holding inklusive Douglas, Christ, AppelrathCüpper, Hussel und Thalia, Star-Tankstellen, BP- und Aral-Tankstellen. Zudem gibt es Kooperationen mit einzelnen Filialen von Familia und Galeries Lafayette. Weltweit gibt es bereits 350.000 Akzeptanzstellen in 37 Ländern.

Wo gibt es Karten mit Paypass?

Herausgeber der Paypass-Karten sind in Deutschland schon heute: Payback Plus, Lufthansa Miles&More, Sparda Bank Nürnberg, Sparda Bank Hamburg und MLP. Laut Mastercard werden in der ersten Jahreshälfte 2012 noch weitere Banken folgen.

Wie viele Karten sind schon im Umlauf?

Derzeit gibt es in Deutschland nach Angaben von Mastercard bereits mehr als 1,2 Millionen Karten mit Paypass-Funktion. Weltweit sind bereits 100 Millionen in Umlauf.

Die Karten mit Girogo sind Prepaid-Karten. Sie nutzen den 1996 eingeführten Geldkarten-Chip. Darauf muss der Kunde zuerst ein Guthaben aufladen, bevor er kontaktlos zahlen kann. Dieses Guthaben ist auf 200 Euro begrenzt. Außerdem können nur solche Einkäufe kontaktlos bezahlt werden, die nicht mehr als 20 Euro kosten. Bei höheren Beträgen muss die Karte in das Lesegerät gesteckt werden. Paypass und Paywave ziehen diese Grenze erst bei 25 Euro, danach muss zusätzlich eine Unterschrift geleistet oder eine PIN eingegeben werden. Noch entscheidender ist aber, dass die Karten von Visa und Mastercard nicht aufgeladen werden müssen. Wie bei herkömmlichen Kartenzahlungen werden Kreditkarte oder Girokonto direkt mit dem Rechnungsbetrag belastet.

Paywave

Wie funktioniert Paywave?

Paywave ist eine Entwicklung des Kreditkartenherausgebers Visa. Wie bei Girogo und Paypass wird auch hier ein NFC-Funkchip genutzt. Dieser Chip soll aber nicht nur auf Kreditkarten, sondern auch auf Debitkarten aufgebracht werden.

Was kann mit Paywave bezahlt werden?

Mit Paypass können analog zu Paywave alle Beträge kontaktlos bezahlt werden, ab 25 Euro muss zusätzlich eine Unterschrift geleistet oder eine PIN eingegeben werden. Ein vorheriges Aufladen der Karte ist nicht nötig. Beim Bezahlen wird direkt das Konto oder die Kreditkarte belastet.

Welche Händler akzeptieren Paywave?

Visa führt derzeit noch Gespräche mit dem deutschen Handel. Nach Angaben des Unternehmens sei jedoch zu erwarten, dass diejenigen Händler, die Girogo und Paypass akzeptieren wollen, auch Paywave akzeptieren werden. In Großbritannien nehmen unter anderem McDonalds, Boots, Pret a Manger und Subway Paywave-Karten an.

Wo gibt es Karten mit Paywave?

In Deutschland wollen laut Angaben von Visa bis Mitte des Jahres folgende Banken die Ausgabe von Paywave-Karten starten: BW-Bank, Comdirect, DKB, Landesbank Berlin, Targobank, Volkswagen Bank und Postbank. Europaweit stellen bereits 60 Banken diese Karten aus.

Wie viele Karten mit Paywave sind schon in Umlauf?

In Europa gibt es derzeit rund 30 Millionen kontaktlose Visa-Karten. Bis Ende des Jahres 2012 sollen es mehr als 50 Millionen sein. In Deutschland starten die kooperierenden Banken im ersten Halbjahr 2012 mit der Ausgabe, bis Ende des Jahres soll es dann 500.000 Paywave-Karten in Deutschland geben.

Karten mit Girogo-Funktion können an Geldautomaten, an Ladeterminals oder mit einem Chipkartenleser via Internet aufgeladen werden. Außerdem soll es eine Abolösung geben: Der Kunde kann vereinbaren, dass immer wenn das Guthaben auf der Karte beim Bezahlen unter einen bestimmen Betrag sinkt, automatisch beispielsweise 30 Euro aufgeladen werden. Schon heute zeichnet sich jedoch ab, dass die Prepaid-Lösung nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Auf mittlere Sicht strebe die Deutsche Kreditwirtschaft an, das kontaktlose Bezahlen auch für die Electronic Cash-Funktion der Girocard zu realisieren, sagt Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) als Federführer für die Deutsche Kreditwirtschaft.

Kommentare (8)

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31.01.2012, 12:51 Uhr

Am besten noch ein paar Varianten mehr von den Kartenanbietern und es wird wieder mal keine Einigung darüber geben welches System sich durchsetzten soll.
Übrigens:
Die Zahlung mit EC-Karte ist duch gut etabliert. Leider basiert das Sicherheitssystem während der Zahlungsbestätigung zu träge. Dadurch entstehen auch die langen Wartezeiten an der Kasse. Also nicht durch den Zahlungsvorgang an sich, sondern es dauert "ewig" bis sich die Datenverbindung auf- und abgebaut hat und die Freigabe von der Gegenstelle protokolliert wird!

Account gelöscht!

31.01.2012, 13:03 Uhr

Warum ist der Weg zum Masseneinsatz lang? In Hong Kong, Tokio, Seoul, ... sind solche Systeme längst im Einsatz mit einer hohen Akzeptanz der Nutzer. Warum erfinden die deutschen Institute, was längst erprobt im Einsatz ist?

Account gelöscht!

31.01.2012, 13:18 Uhr

Sie sollten ggfs. die Bank wechseln. Ich bezahle fast ausschließlich mit Karte und bin i. d. R. schneller als die Herrschaften, die sich ihr Kleingeld im Geldbeutel zusammensuchen.

Die verschiedene Zahlungssysteme gibt es übrigens hauptsächlich noch auf Wunsch des Handels, dem die generelle Zahlung per EC-Cash zu teuer ist(berechtigt oder unberechtigt mag dahingestellt sein). Die Zahlungssysteme waren teilweise derart abgespeckt, dass manche Händler beim Einsatz der Karte sich vom Kunden quasi nur einen Lastschriftbeleg ausfüllen haben lassen (ohne jegliche Online-Authorisierung und Überprüfung, ob die Karte gesperrt ist oder der Kunde minderjährig ist!)

Wenn die Anbieter der Zahlungssysteme (nicht die Banken) mit einem vernünftigen Preis unterwegs sind, hat vielleicht dieses System eine Chance, alle anderen abzulösen. Glauben mag ich das nicht so recht...

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