Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.04.2012

16:38 Uhr

Bezahl-Karten

Für Millionen Deutsche wird das Bezahlen an der Kasse schneller

Über 1,2 Millionen Sparkassen- und Volksbank-Kunden können ab sofort mit ihrer neuen Bankkarte quasi im Vorbeigehen bezahlen. Die neue Technik gibt es zunächst in einem Pilotprojekt, doch bald auch deutschlandweit.

Mit der neuen Funktion für ihre Girocard steigt die Deutsche Kreditwirtschaft in diesem Jahr in das kontaktlose Zahlen ein. Foto: BVR

Mit der neuen Funktion für ihre Girocard steigt die Deutsche Kreditwirtschaft in diesem Jahr in das kontaktlose Zahlen ein. Foto: BVR

DüsseldorfMit Karte zahlen ohne diese aus der Hand zu geben, das soll für Sparkassenkunden bald in ganz Deutschland möglich sein. Diese Woche fiel in Hannover der Startschuss für kontaktloses Zahlen  mit dem Namen „Girogo“. In der Region Hannover-Wolfsburg-Braunschweig können nun 1,2 Millionen Sparkassen- und Volksbank-Kunden etwa bei Douglas oder Edeka Kosmetik und Lebensmittel im Wert von bis 20 Euro zahlen, ohne ihre Bankkarte in ein Lesegerät stecken oder eine Geheimzahl eingeben zu müssen.

Girogo

Wie funktioniert Girogo?

Girogo wurde von der Deutschen Kreditwirtschaft entwickelt. Es handelt sich dabei um eine Girokarte (ehemals EC-Karte genannt), die über einen zusätzlichen Chip verfügt. Dieser Funkchip (NFC - Near Field Chip) ermöglicht den kontaktlosen Datenaustausch zwischen Karte und Kassenterminal.

Was kann mit Girogo bezahlt werden?

Girogo ist ein Prepaid-System. Die Karte kann mit maximal 200 Euro aufgeladen werden (u.a. am Geldautomaten und an Kassen). Kontaktlos können Einkäufe bis maximal 20 Euro bezahlt werden.

Welche Händler akzeptieren Girogo?

Folgende Händler wollen Girogo-Karten akzeptieren: Edeka, Douglas Holding mit Douglas, Christ, AppelrathCüpper, Hussel und Thalia, dm-drogeriemarkt und Esso-Tankstellen.

Wer stellt Karten mit Girogo aus?

In einem Pilotprojekt wollen Sparkassen ab Mitte April 2012 in der Region Hannover-Wolfsburg-Braunschweig 1,2 Millionen Sparkassen-Karten mit Girogo ausgeben. Volksbanken wollen dort 150.000 dieser Karten ausgeben. Ab August 2012 wollen die Sparkassen bundesweit alte Karten, die auslaufen, durch Karten mit der neuen Technologie ersetzen. Die Volksbanken wollen vor einer bundesweiten Ausgabe der Karten zunächst den Verlauf des Pilotprojekts abwarten.

Wie viele Karten mit Girogo sind schon im Umlauf?

Noch hat niemand eine Girokarte mit Girogo-Funktion. Das Pilotprojekt startet Mitte April. Zunächst sollen 1,35 Millionen Karten ausgegeben werden.

Anders als die Genossenschaftsbanken will der Sparkassen- und Giroverband (DSGV) aber nicht auf die Erkenntnisse des Pilotprojekts warten. „Wir haben nur Hannover ausgewählt, um mit der bundesweiten Verbreitung zu beginnen“, sagt Wolfgang Adamiok, der beim DSGV für die Kartenstrategie zuständig ist, der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Sparkassen wollen bis 2015 alle 45 Millionen Karten mit einem Funkchip ausstatten, der das kontaktlose Bezahlen an der Ladenkasse erlaubt. Mit der Drogeriekette dm und dem Handelskonzern Douglas sowie mit dem Tankstellenbetreiber Esso hätten die Sparkassen aber schon bundesweit Kooperationsvereinbarungen geschlossen, sagt Adamiok. „Weitere Partner folgen noch.“

„Wenn die Sparkassen ihre Karte deutschlandweit einführen, dürfte damit die kritische Masse erreicht werden“, sagt Stefan Wannmacher gegenüber Handelsblatt  Online. Der Zahlungsverkehrsexperte bei der auf die Finanzdienstleistungsbranche spezialisierten Unternehmensberatung Capco meint: „Dann haben sehr viele Kunden eine solche Karte, die Motivation zur Teilnahme für Händler steigt und die Zahl der Akzeptanzstellen nimmt zu.“

Die technische Grundlage des kontaktlosen Bezahlens mit Girogo ist die Geldkarten-Funktion auf den Bankkarten. Die Kunden müssen also den nötigen Betrag vor dem Zahlen an der Kasse aufladen. Gerade deshalb befürchtet Wannmacher Widerstände: „Schon die Geldkarte hat sich wegen des umständlichen Aufladens nie richtig durchgesetzt. Dieses Mal besteht allerdings die Möglichkeit einer automatischen Aufladung, was – sofern diese beim Verbraucher Anklang findet – die Handhabung vereinfacht“, sagt der Experte.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Walter

18.04.2012, 17:06 Uhr

Wenn ich also bei Esso tanke und das sind deutlich mehr als 20 €, je nach Tankgröße sind es 50 - 100 €, zahle ich mit der Kreditkarte. Dann kaufe ich mir im Tank-Shop ein belegtes Brötchen für 2,50 € und zahle dann mit der girogo.
Toller Fortschritt!!
Diese Karten dürften wohl nur das Taschengeld für Kinder sinnvoll ersetzen.

Account gelöscht!

18.04.2012, 18:06 Uhr

Wer garantiert denn, dass in der heutigen Zeit die Daten nicht missbraucht werden !? Skepsis ist absolut angebracht !! Es können doch Bewegungsprofile und Konsumverhalten abgefragt werden, auch wenn es nur um kleinere Beträge geht. NOCH !! Und warum muss denn beim Bezahlen immer alles schnell schnell und noch schneller gehen.....diese Bevormundung von Oben !! Eine Kasse mehr öffnen tut es doch auch; aber das kostet wieder eine extra Kraft; mit der Bezahlkarte soll der Verbraucher diesen Misstand dann wieder ausbüglen. Mit den RFID Chips hinterlässt man doch überall seine Spuren und merkt noch nicht einmal, dass die Daten ausgelesen werden. Ganz abgesehen davon, je weniger Bargeld wir in den Händen halten , desto mehr geben wir die Verantwortung ab und werden immer gläsener und abhängiger; dazu noch freiwillig und mit "Chip". NICHT nur den Banken kommt das natürlich sehr entgegen.

Taschendieb

18.04.2012, 18:23 Uhr

Klasse, jetzt kann ich den Leuten die Knete quasi im Vorbeigehen berührungslos aus der Tasche ziehen. Auf der Kirmes, in der Kneipe und wo richtig Gedränge ist macht das besonders Spass. Und man braucht nur ein einfaches tragbares RFID-lesegerät unter der Jacke.
Meine Zukunft ist gesichert!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×