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10.07.2013

14:38 Uhr

BFH-Urteil

Finanzrichter verschärfen Dienstwagen-Regeln

Wer seinen Dienstwagen ausschließlich beruflich nutzt, musste dafür bislang meist keine Steuern zahlen. Künftig gibt es die Steuerbefreiung nur als Gegenleistung für eine Fleißarbeit: Jede Fahrt muss dokumentiert werden.

Fahrtenbuch: Was hinein gehört, ist streng geregelt. dpa

Fahrtenbuch: Was hinein gehört, ist streng geregelt.

MünchenArbeitnehmer, die ihren Dienstwagen ausschließlich beruflich nutzen, müssen dies dem Finanzamt mit einem Fahrtenbuch nachweisen. Hat der Arbeitgeber die private Nutzung erlaubt, führt das nach Ansicht des Bundesfinanzhofs (BFH) auch dann zu einem geldwerten Vorteil, wenn der Wagen tatsächlich gar nicht privat genutzt wurde. Diesen Vorteil darf der Fiskus mit einem Prozent des Listenpreises besteuern. Der BFH hat damit seine bisherige Rechtsprechung korrigiert (Az.: VI R 31/10; VI R 46/11, VI R 42/12 und VI R 23/12).

Bislang blieben Beschäftigte zum Teil auch ohne Fahrtenbuch von einer Besteuerung des Firmenwagens verschont, wenn sie diesen nur beruflich nutzen. „Diese Möglichkeit ist nun entfallen“, teilte das oberste deutsche Steuergericht am Mittwoch mit. Wenn ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nicht geführt werde, sei der Wagen grundsätzlich nach der Einprozentregel zu bewerten.

Für einen Wagen mit einem Listenpreis von 30.000 Euro müssen sie somit 300 Euro pro Monat versteuern, pro Jahr also 3.600 Euro. Bei einem persönlichen Steuersatz von 40 Prozent würden dadurch jährlich etwa 1.440 Euro Steuern fällig.

Was gehört ins Fahrtenbuch?

Betriebliche Fahrten

Hier müssen Datum und Kilometerstand zu Beginn und Ende jeder Fahrt, Reiseziel, Reisezweck und der aufgesuchte Geschäftspartner notiert werden. Auch etwaige Umwege müssen dokumentiert werden.

Private Fahrten

Wer das Fahrzeug privat nutzt, muss nur die gefahrenen Kilometer notieren, nicht aber den Grund der Fahrt.

Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte

Wer von der Wohnung zur Arbeit fährt, muss im Fahrtenbuch nur einen kurzen Hinweis notieren.

Formalia

Das Fahrtenbuch muss zeitnah und in geschlossener Form geführt werden. Es muss die Fahrten vollständig und in einem fortlaufenden Zusammenhang wiedergeben.

„Die Urteile sind angesichts der vorangegangenen Rechtsprechung zu Dienstwagen konsequent“, sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Wer die Privatnutzung mit einem Fahrtenbuch widerlegen möchte, muss dabei jedoch sehr sorgfältig sein, damit es vom Finanzamt nicht verworfen wird. Entgehen kann man dem Fahrtenbuch nur, wenn der Arbeitnehmer ganz auf die Möglichkeit der privaten Nutzung verzichtet und praktisch auch keine Möglichkeit hat, das Fahrzeug privat zu nutzen - beispielsweise, weil es außerhalb der Arbeitszeit auf dem abgeschlossenen Firmengelände steht.

Kommentare (11)

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ABZOCKER

10.07.2013, 13:16 Uhr

JAJA, Abzocke! Was sonst??

kfvk

10.07.2013, 13:19 Uhr

Wenn sich die Sache mit dem Dienstwagen nicht lohnt, muss man sie halt lassen. Wer trotzdem seinen Dienstwagen im Anstellungsvertrag sehen will, dem scheint es ja etwas zu geben und dann soll er zahlen. Schließlich wird der Dienstwagen doch immer als steuerlich günstige Gehaltserhöhung beworben und bisher war er das doch wohl auch. Bekomme ich nach zwei oder drei Jahren einen neuen, übernimmt der AG die hohen Abschreibungen und vorher schon Sprit- und Werkstattkosten. So billig kommen die Bleifußfahrer doch nie wieder zu ihrem fahrbaren Untersatz.
Aber unsere neue "Elite" versteht sich halt gut aufs Jammern.
Zahlen eigentlich die Minister und andere politische Würdenträger auch immer brav ihre Steuern oder gibt es da wieder Ausnahmen, die man lieber nicht bekannt macht?

Wirtschaftssabotage

10.07.2013, 13:33 Uhr

Deshalb kaufen wir uns jetzt auch 2 Dienstwagen weniger und können unseren Mitarbeiter keinen Firmenwagen mehr zur Verfügung stellen. Der will zu den Konditionen auch keinen mehr haben. Für größere Touren gibt es jetzt einen Mietwagen zu Sonderkonditionen. Der Fahrzeugverkauf in Deutschland geht zurück !? Welch eine Überraschung ? Der Fiskus behindert mit seiner unermesslichen Gier die wirtschaftliche Mobilität. Dies trifft auch für die Kilometerpauschale der Arbeitnehmer zu, welche natürlich nicht an steigende Benzinpreise und damit auch steigender Mineralölsteuer angepaßt wird. Man könnte meinen die Finanzämter sind für Wirtschaftssabotage zuständig.

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