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22.06.2015

14:49 Uhr

Bleaching

Zahnaufhellung kann steuerfrei sein

VonConstanze Elter

Mit Bleaching lassen sich verfärbte Zähne aufhellen. Meist müssen Patienten diese Leistung selbst zahlen. Doch nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs können sie in bestimmten Fällen zumindest die Steuer sparen.

Wenn die Zähne weißer sein sollen, kann Bleaching helfen. dpa

Ein Gebissmodell

Wenn die Zähne weißer sein sollen, kann Bleaching helfen.

MünchenWas wäre das deutsche Umsatzsteuerrecht ohne Ausnahmen und Befreiungen. Zu den Leistungen, die von der Umsatzsteuerpflicht befreit sind, zählen beispielsweise Heilbehandlungen. Wer also als Arzt, Physiotherapeut oder Hebamme im Bereich der Humanmedizin Heilbehandlungen anbietet, muss darauf keine Umsatzsteuer aufschlagen.

Aber mit den Heilbehandlungen ist das so eine Sache. So gilt grundsätzlich: Leistungen von Heilberuflern sind nur dann umsatzsteuerfrei, wenn es sich um eine klassische Heilbehandlung – also um eine medizinische Maßnahme mit einem therapeutischen Ziel – handelt. Kosmetische oder Wohlfühl-Behandlungen fallen nicht unter die Umsatzsteuerbefreiung. Dass es auch hier Ausnahmen von der gesetzlichen Regel gibt, zeigt ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs (A.: V R 60/14). Das oberste deutsche Finanzgericht erklärte in seiner Entscheidung, dass auch das Honorar für Zahnaufhellungen in bestimmten Situationen umsatzsteuerfrei sein kann.

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Beim Einspruch gegen den Steuerbescheid ist Eile geboten. Steuerzahler müssen nicht jedes Nein der Beamten akzeptieren.

Im zugrunde liegenden Fall hatte eine Zahnarztpraxis bei mehreren Patienten Wurzelkanalbehandlungen vorgenommen – ein ganz alltäglicher Vorgang beim Zahnarzt. Den betroffenen Patienten bot die Praxis ein Bleaching der „toten“ Zähne an. Die Zähne, die durch die Behandlung zu verdunkeln drohten, sollten auf diese Weise aufgehellt werden.

Denn vor allem bei einer Wurzelkanalbehandlung, bei der entzündete Zahnnerven entfernt werden, färben die Zerfallsprodukte den Zahn nach einigen Jahren gräulich. Ähnliches gilt bei unfallbedingten Nachwirkungen. Für das Bleaching fielen pro Patient Kosten von 226 beziehungsweise 286 Euro an – eine Leistung, welche die Praxis ohne Umsatzsteuer in Rechnung stellte.

Was sich alles von der Steuer absetzen lässt - und was nicht

Hochwertige Oldtimer

Nein, die kann man nicht absetzen. So entschied das Finanzgericht Baden Württemberg, dass Autoliebhaber die Kosten eines teuren Oldtimers als Betriebsausgaben nicht geltend machen können (Az. 6 K 2473/09). Die Richter meinten, diese unangemessenen Repräsentationsaufwendungen seien als Betriebsausgaben nicht abzugsfähig.

Luxusauto

Geht nicht immer, aber manchmal schon. Unternehmer sollten eher davon absehen, sich einen teuren Firmenwagen zuzulegen. Die Richter des Finanzgerichts Nürnberg meinten, ein zweisitziger Mercedes 500 SL deute eher auf einen privaten Fahrspaß hin, als auf Geschäftsfahrten und erkannten die Betriebsausgaben nicht an (Az. I 111/2003). Anders die Richter des Niedersächsischen Finanzgerichts, sie ließen einen Mercedes Roadster 500 SL durchgehen. 75.000 Euro wurden hier anerkannt (Az. 6 K 547/95).

Augenlasern

Hier zahlt der Fiskus teilweise mit. Nach dem deutschen Steuerrecht sind nämlich ärztliche Behandlungen und auch notwendige Operationen außergewöhnliche Belastungen, sofern sie eine bestimmte Zumutbarkeitsgrenze überschreiten. Was wiederum von der Familiensituation abhängig ist. Nach der Rechtsprechung und den Anweisungen der Finanzdirektionen wird eine Augenlaserbehandlung als eine solche außergewöhnliche Belastung anerkannt. Man muss in seiner Steuerklärung einen Beweis für die entstandenen Kosten erbringen und kann diese somit von der Steuer absetzen.

Internate

Auch hier macht der Fiskus mit. Aber nur, soweit es um den Unterricht geht. Kost und Logis müssen schon die Eltern selbst zahlen. Abzugsfähig sind laut Bund der Steuerzahler grundsätzlich 30 Prozent, höchstens aber 5000 Euro.

Füllfederhalter

Eine Luxus-Füllfeder ist ebenfalls steuerlich absetzbar. In einem konkreten Fall ging es um die Anschaffung einer Mont­blanc-Füllfeder samt Etui in der Höhe von 460 Euro. Der Betroffene betonte, dass die Füllfeder ausschließlich aus beruflichen Gründen angeschafft worden sei. Eine private Nutzung sei mangels Veranlassung ausgeschlossen, vielmehr benötige er das Schreibgerät zum Setzen von Unterschriften, Planungen und Arbeitsvorbereitungen für Mitschriften bei Konferenzen und Seminaren. Dies sei insbesondere in Hinblick auf die durch einfache Schreibwaren hervorgerufene Unleserlichkeit der Handschrift geboten. Einen Haken hat die Sache allerdings, bisher gibt dazu nur ein Urteil in Österreich. Bei entsprechender Erklärung, könnte das aber auch in Deutschland klappen.

Samenspende

Funktioniert. Mag sein, dass der entsprechende Eintrag auf der Steuererklärung nicht ganz leicht fällt. Doch es lassen sich Steuern sparen. Wer krankheitsbedingt zeugungsunfähig ist, kann die Kosten für Spendersamen laut einem Urteil steuerlich geltend machen, und zwar als außergewöhnliche Belastung. Dann sind die Aufwendungen abzugsfähig, entschied der Bundesfinanzhof (Az. VI R 43/10)

Bordellbesuche

Es war zu vermuten. Nein, die sind nicht absetzbar. Aber es wurde bereits versucht, und der Bundesfinanzhof hatte darüber zu entscheiden (Az. III R 21/86 ). Argumentiert wurde wie folgt: Eine steuerlich absetzbare Bewirtung als Betriebsausgaben im Sinne des Einkommenssteuergesetzes liegt nur dann vor, wenn die Darreichung von Speisen oder Getränken eindeutig im Vordergrund steht. Beim betrieblichen Bordellbesuch geht es jedoch anders als bei einem Restaurantbesuch nicht um die Schaffung eines angenehmen Rahmens für geschäftliche Gespräche. Das persönliche Vergnügen tritt zu sehr in den Vordergrund. Entsprechende Aufwendungen sind somit nicht von der Steuer absetzbar.

Fitnessstudio

Geht. Sport kann von der Steuer abgesetzt werden. Bei medizinischer Notwendigkeit macht der Fiskus mit. Das Finanzgericht München entschied einen entsprechenden Fall (Az. 1 K 2183/07). So kann das Fitness-Studio von der Steuer abgesetzt werden, wenn der Patient Rückenbeschwerden hat, die durch gezielten Sport eine Verbesserung nach sich ziehen würden. Wichtig ist aber eine Bescheinigung vom Amtsarzt. Dieser muss klarstellen, dass hier eine medizinische Notwendigkeit für den Sport vorliegt.

Beitrag für den Golfclub

Nein, das geht nicht. Der Golfclubbeitrag ist nicht steuerlich absetzbar. Das Finanzgericht Köln hat entschieden, dass ein Händler von Sportartikeln auch nicht anteilig seinen Mitgliedsbeitrag für einen Golfclub steuerlich geltend machen kann (Az. 10 K 3761/08). Die Ausübung einer Trendsportart wie Golf betreffe in erheblichem Umfang die private Lebensführung. Deswegen lässt sich hier nichts absetzen.

Damit war das zuständige Finanzamt nicht einverstanden. Die Begründung: Nur weil eine vorherige Heilbehandlung die Ursache für eine optische Beeinträchtigung des Zahns sei, könne Bleaching noch lange nicht ebenfalls als Heilbehandlung eingestuft werden.

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