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22.05.2014

15:56 Uhr

Börsenmedien AG

Wer schrieb Fonds-Jubelberichte im „Aktionär“?

VonAndreas Dörnfelder, Michael Brächer

„Bestes Produkt im Markt“ und „in jeder Börsenphase empfehlenswert“: So lobte das Anlegermagazin „Der Aktionär“ 2012 einen zweifelhaften Fonds. Fragen nach dem Autor bleiben unbeantwortet – offenbar aus gutem Grund.

Ausgaben von „Der Aktionär“: Eine Artikelserie widmet sich den "Managed Futures"

Ausgaben von „Der Aktionär“: Eine Artikelserie widmet sich den "Managed Futures"

Düsseldorf, FrankfurtDer Werbeprospekt macht neugierig. Wer sein Geld im Fonds Panthera Global Trading A anlegt, entscheidet sich für „die Königsklasse der Investments“. Anteilseigner sollen „von steigenden und fallenden Märkten profitieren“. Sie erhalten exklusiven Zugang zu einem „erfolgreichen Handelssystem“, das eigentlich „institutionellen Investoren vorbehalten“ ist.

Die Formulierungen tauchten zumindest ähnlich auch im Fachmagazin „Der Aktionär“ auf, das sich selbst als Pflichtlektüre für jeden erfolgreichen Anleger bezeichnet. In der Serie, die das Blatt Ende 2012 veröffentlichte, geht es um so genannte Managed Futures. Das sind spezielle Fonds, die mit Derivate-Wetten möglichst hohe Gewinne erzielen sollen.

Ein ganz bestimmter Fonds wird in den Artikeln immer wieder gelobt: Panthera Global Trading A. „Der Aktionär“ bezeichnete ihn als „bestes Produkt im Markt“ und als „in jeder Börsenphase empfehlenswert“. Das Magazin druckte die Serie ohne Autorenangabe. So etwas kommt auch bei anderen Publikationen häufig vor – das allein wäre nicht weiter von belang.

So lassen sich Anleger schützen

Der Anwalt

Rechtsanwalt Achim Tiffe hat sich auf den Verbraucherschutz spezialisiert. Er berät Anleger, wenn sie Probleme mit Banken und anderen Finanzdienstleistern haben. Handelsblatt Online schlägt er vor, wie Anleger vor riskanten Anlagen wie beim Krisenunternehmen Prokon wirksam schützen ließen.

1. Lückenloser Schutz

Der Schutz der Verbraucher bei Geldanlagen aller Art sollte gewährleistet sein. Das heißt, dass Finanzdienstleister Privatpersonen keine Genussrechte oder Unternehmensanleihen verkaufen sollen, ohne sie ausreichend über die Risiken dieser Produkte aufzuklären. Vermittlung statt Beratung bei lückenhaften Verbraucherschutz sollte nicht mehr möglich sein.

2. Beratung ist Pflicht

Die Beratung gegenüber Verbrauchern bei riskanten Anlagen wie unternehmerischen Beteiligungen sollte Pflicht sein ohne die Möglichkeit, sie zu umgehen.

3. Beweislastumkehr

Es muss eine Beweislastumkehr für Berater gelten, zum Beispiel dann, wenn mehr als 10 Prozent des vorhandenen liquiden Vermögens in geschlossene Beteiligungen investiert werden. Bislang müssen die Kunden eine mögliche Falschberatung nachweisen.

4. Warnende Hürde

Früher mussten Anleger, die sich in Termingeschäften engagieren wollten eine spezielle Erklärung unterschreiben, die Börsentermingeschäftsfähigkeit. Dabei wurden sie über die Risiken solcher Geschäfte aufgeklärt. Auch heute würde die Einführung einer solchen warnenden Hürde vielen Verbrauchern helfen, die in riskante Geldanlagen einsteigen wollen.

5. Versicherungshaftpflicht für Berater

Nicht alle Vertriebler sind gegen Falschberatung versichert. Eine Pflicht zur ausreichenden Vermögenshaftpflichtversicherung für alle Vermittler und Berater wäre im Interesse der Anleger. Idealerweise würden Finanzprodukte nur über solche Unternehmen vertrieben werden.

6. Bessere Kontrolle

Wichtig wäre auch eine effektive Kontrolle aller Vermittler und Berater durch eine zentrale Aufsichtsbehörde mit entsprechender Ausstattung.

7. Staatshaftung

Um die Verbraucher zu schützen, benötigt es effiziente Behörden. Sie müssten bei Missständen konsequent und schnell einschreiten. Tun sie das nicht, müsste der Staat haften, fordert Tiffe.

8. Finanzmarktwächter

Es müsste einen Finanzmarktwächter geben, der zeitnah Verbraucherprobleme erfasst, aufarbeitet und an Politik und Behörden und Öffentlichkeit weitergeben kann. Laut Koalitionsvertrag könnten Verbraucherschützer damit beauftragt werden.

9. Haftungsbegrenzung

Verbraucher brauchen klare Regeln zum Ausweis von Risiken, die sie auch verstehen. Außerdem sollte es eine gesetzliche Begrenzung der Haftung der Verbraucher auf gezahlte Einlage geben.

Ex-Redakteur als Fondsstratege

In diesem Fall sieht das jedoch anders aus. Der für die Geldanlage des Panthera-Fonds verantwortliche Chefstratege war nämlich jahrelang Redakteur bei „Der Aktionär“. Das Geld der Panthera-Anleger floss laut Emissionsprospekt in eine luxemburgische Gesellschaft, an deren Spitze er steht. Bei „Der Aktionär“ stieg er laut Xing Profil bis zum Ressortleiter Investmentfonds auf. Anschließend arbeitete er als freier Journalist weiter für die Zeitschrift.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

23.05.2014, 11:04 Uhr

Habe selbst vor etwa 3 Jahren Aktion von einem in Honkong gelisteten Unternehmen gekauft, das von DER Aktionär mit einem zweiseitigen Artikel empfohlen wurde. Wenige Monate nach dem Kauf halbierte sich der Kurs und ist bis heute noch weiter heruntergegangen. Der Verkauf der Anteile stellt sich nun auch als problematisch heraus.
Das ist schon alles sehr merkwürdig, was diese Zeitschrift so empfiehlt.

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