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14.08.2016

09:19 Uhr

Bonität und Schufa

Wann Verbraucher kreditwürdig sind

VonAndreas Toller
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Statt renditelosem Sparen lieber einen billigen Kredit? Wer sich so einen Traum erfüllen will, muss zunächst durch die Bonitätsprüfung. Was die Schufa weiß, wann es kritisch wird – und was Verbraucher tun können.

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Reicht das Ersparte nicht für das neue Auto, den Immobilienkauf oder die notwendige Wohnungseinrichtung? Dann muss zur Not ein Kredit her. Der ist momentan so günstig wie nie. Immobilienkredite sind mittlerweile unter einem Prozent Effektivzins zu bekommen. Ratenkredite schon unter 2,5 Prozent – vorausgesetzt, der Kreditnehmer ist zahlungskräftig. Und zahlungswillig! Das verrät Kreditgebern die Bonitätsnote.

Die wollen sich davon überzeugen, dass der Kunde seine Raten auch bedienen kann. Auch Online-Händler oder Mobilfunkanbieter wünschen eine Bonitätsauskunft. Die holen sie sich von Auskunfteien wie Schufa, Arvato Infoscore, Creditreform, Bürgel und anderen. Allein die Schufa, Marktführer bei Bonitätsauskünften für Banken, erteilt jeden Tag 350.000 Auskünfte über Zahlungsverhalten und Ausfallwahrscheinlichkeiten von Verbrauchern. Die Zahl der bei ihr gespeicherten Verbraucherkredite ist in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen: Das Niedrigzins-Umfeld wirkt.

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Problematisch wird es für Verbraucher, wenn die Bonitätsbewertung schlecht ausfällt. Um der Kreditwürdigkeit auf die Sprünge zu helfen müssen sie wissen, wie die Auskunfteien arbeiten und welche Informationen sie preisgeben.

Was die wenigsten wissen: Schon bei einer Bestellung über das Internet ist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen in aller Regel eine sogenannte Schufa-Klausel enthalten, mit der der Kunde die Weitergabe von Daten an eine Auskunftei erlaubt.

Bei Bankkrediten jedweder Form ist sogar ein eigenes Formular üblich, das der Kunde unterschreiben muss. Aber welche Daten kennt die Schufa eigentlich? Welche Informationen gibt sie raus und was beeinflusst die Bonitätseinstufung eines Verbrauchers?

Sechs Millionen Bürger mit eingeschränkter Bonität

Die Auskunftei Schufa hortet und pflegt Informationen über das Zahlungsverhalten von 66 Millionen Bundesbürgern und vergibt für jeden einen Score-Wert. Dieser drückt die Wahrscheinlichkeit in Prozent aus, mit der ein Verbraucher seinen Zahlungsverpflichtungen auch nachkommt. Die Daten dazu kommen von den 9000 Vertragspartnern, überwiegend Banken, Leasinggesellschaften und Telekommunikationsanbieter. Um Schufa-Auskünfte zu beziehen, sind sie zugleich verpflichtet, relevante Daten zum Zahlungsverhalten ihrer Kunden zeitnah an die Schufa zu melden.

Was die Schufa speichert – und was nicht

Personenbezogene Daten

Die Schufa speichert zu natürlichen Personen personenbezogene Daten wie:
- Namen
- Geburtsdatum und gegenfalls Geburtsort
- Anschrift, eventuelle sonstige, auch frühere Anschriften


Weitere Daten

Ferner erhält die Schufa Informationen über:

- Bankkonten
- Kreditkarten
- Leasingverträge
- Mobilfunkkonten
- Ratenzahlungsgeschäfte
- Kredite und Bürgschaften
- sowie etwaige Zahlungsausfälle bei angemahnten und unbestrittenen Forderungen

Was die Schufa nicht weiß

Die Schufa speichert keine Informationen über:
- Vermögen und Einkommen
- Marketingdaten (Kaufverhalten oder Ähnliches)
- Beruf
- Lebenseinstellungen und Mitgliedschaften (z. B. religiöse, politische etc…)
- Ehegatten
- Nationalität

Woher die Schufa die Daten erhält

Die Schufa erhebt selbst keine Daten und führt keine Recherchen durch. Sie erhält die Daten von:
- ihren Vertragspartnern
- öffentlichen Schuldnerverzeichnissen
- und anderen öffentlichen Bekanntmachungen

Texte: Walter Epp.

Schufa-Sprecher Ingo Koch betont: „Zu über 90 Prozent der von uns erfassten Verbraucher liegen ausschließlich positive Informationen vor. “ Diese Verbraucher profitieren unmittelbar von der Schufa-Auskunft, weil Banken, Handel Vermieter oder Telekommunikationsanbieter sich damit binnen Sekunden bestätigen lassen können, dass sie zahlungswillig sind. „Zu 4,1 Prozent der Verbraucher sind erste Zahlungsschwierigkeiten bekannt oder die Risikoquote, mit der Probleme bei der Kreditrückzahlung auftreten – wir nennen sie Score – liegt bei mehr als zehn Prozent“, erklärt Koch. „1,1 Prozent der Personen im Schufa-Datenbestand hatten 2015 mindestens eine offene Verbindlichkeit, die angemahnt und unbestritten war. Eine kritische finanzielle Lage verzeichnen wir bei nur 4,4 Prozent der Verbraucher. Sie haben beispielsweise eine Vermögensauskunft abgeben müssen oder durchlaufen ein Verbraucherinsolvenzverfahren.“

Dass die Rückzahlungsquote bei Verbraucherkrediten in Deutschland mit 97,6 Prozent sehr hoch ist und Deutsche als gute Schuldner gelten, ist auch ein Verdienst der Auskunfteien, die für eine grundlegende, unabhängige Einschätzung der Bonität von Verbrauchern und Firmen sorgen. Zwar legt jede Bank und jedes Unternehmen zusätzliche eigene Bonitätskriterien an, die über eine Kreditvergabe oder das Zustandekommen eines Geschäfts entscheiden. Einen wichtigen Bestandteil steuern jedoch die Auskunfteien bei.

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