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02.06.2015

10:10 Uhr

Brisante Aktientipps

Wenn Anlegern der Weltuntergang droht

VonMichael Brächer

Börsenbriefe werben oft marktschreierisch für bestimmte Aktien. Für die Anbieter ist das ein einträgliches Geschäft. Selbst Betrug ist nicht ausgeschlossen. Die Finanzaufsicht Bafin warnt vor dubiosen Kaufempfehlungen.

Geht es nach dem Bonner GeVestor-Verlag können nur Anleger, die in die richtigen Aktien investieren, die Herrschaft der Roboter überleben. Quelle: Screenshot

Schräge Werbe-Mails:

Geht es nach dem Bonner GeVestor-Verlag können nur Anleger, die in die richtigen Aktien investieren, die Herrschaft der Roboter überleben. Quelle: Screenshot

FrankfurtAchtung, es wird gefährlich: Anlegern droht die „Robokalypse“. Davor warnt zumindest der Bonner GeVestor-Verlag in seinen Werbe-Mails. Es steht demnach nicht weniger als die „Auferstehung einer neuen Weltmacht“ ins Haus – nämlich der Roboter. So heißt es in einem Video des Verlages, das vor der wahrscheinlich größten Gefahr warnt, „vor der die Menschheit in ihrer Geschichte je gestanden hat.“ Der Untergang der Menschheit, so heißt es da, sei ausgemacht.

Das klingt eher nach einem Actionstreifen aus dem Nachtprogramm als nach einer Anlageempfehlung. Doch genau um die geht es: Wer sich den Werbefilm über die Gefahren der Robokalypse bis zum Ende anschaut, kann einen Börsenbrief bestellen – den „Innovation Investor“. Der kostet nach 30 Tagen satte 19,20 Euro – pro Woche, wohlgemerkt. Im Jahr legen Anleger also rund tausend Euro auf den Tisch.

Wie der Preis zustande kommt, will Verlagsleiter Hans Joachim Oberhettinger nicht verraten. Schließlich stehe der GeVestor-Verlag im direkten Wettbewerb mit der Verlagsgruppe Handelsblatt. Der „Robokalypse“-Werbung liege jedoch „eine Vielzahl von wissenschaftlichen Aussagen und Meinungen zugrunde“, sagt Oberhettinger.

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Ein neues Gesetz soll Anleger vor Betrügern schützen. Dennoch bleiben Sparer eine leichte Beute für Abzocker. Und Tausende Geschädigte, die schon auf Kriminelle hereingefallen sind, haben kaum etwas von den neuen Regeln.

Der Verlagsleiter verweist unter anderem auf das Buch des schwedischen Philosophen Nick Bostrom sowie auf Aussagen des Physikers Stephen Hawking. „Zugegeben wird das in unserer Werbung dramaturgisch stark dargestellt.“ Aber es handele sich nun mal um Werbung.

Rund zwei Dutzend verschiedene Börsenbriefe hat die GeVestor-Gruppe im Angebot. Dass sie mitunter mit geradezu religiösem Eifer vor der drohenden „Robokalypse“ oder dem Euro-Crash warnt, ist womöglich kein Zufall: Der Verlag gehört Norman Rentrop, seines Zeichens Marketingtalent und Gründungsvater des christlichen Familiensenders Bibel TV.

Aktienkultur in Deutschland

Aktienbesitz

Menschen mit Aktieninvestments im Jahr 2014: 8,4 Millionen

Vorjahr: 8,9 Millionen

Anteil der Bevölkerung über 14 Jahren im Jahr 2014: 13,1 Prozent

Vorjahr: 13,8 Prozent

Investitionsarten

Wie die deutschen Aktionäre investiert sind:

4,3 Millionen Menschen besitzen nur Aktienfonds.

1,6 Millionen Menschen besitzen Aktien und Aktienfonds.

2,5 Millionen Menschen besitzen nur Aktien.

Langfristige Entwicklung

Seit 2001 haben rund 4,4 Millionen Menschen dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt.

Aktionärsanzahl 2001: 12,8 Millionen

Aktionärsanzahl 2014: 8,4 Millionen

Aktienbesitz nach Altersgruppen

Das Interesse an Aktien hat in den vergangenen Jahren besonders bei den Jüngeren stark nachgelassen.

Anteil der Aktien- und Aktienfondsbesitzer nach Altersgruppen:

20-29 Jährige: 7,2 Prozent (2001: 17,5 Prozent)

30-39 Jährige: 12,1 Prozent (2001: 27,9 Prozent)

40-49 Jährige: 17,2 Prozent (2001: 25,5 Prozent)

50-59 Jährige: 17,1 Prozent (2001: 24,5 Prozent)

60-69 Jährige: 13,6 Prozent (2001: 14,4 Prozent)

Aktienbesitz nach Beruf

Anteil von Aktienbesitzer nach beruflicher Position:

Leitende Angestellte: 28,4 Prozent

Leitende Beamte: 30,1 Prozent

Selbstständige/Freie Berufe: 26,0 Prozent

Sonstige Beamte: 29,5 Prozent

Öffentlicher Dienst: 22,7 Prozent

Sonstige Angestellte: 14,8 Prozent

Rentner/Pensionäre: 12,3 Prozent

Studenten: 4,3 Prozent

Facharbeiter: 8,9 Prozent

Selbstständige Landwirte: 23,5 Prozent

Schüler: 1,9 Prozent

Sonstige Arbeiter: 4,2 Prozent

Auszubildende: 4,6 Prozent

Aktienbesitz nach Einkommen

Menschen mit höherem Einkommen, haben ein höhere Interesse an Aktien.

Anteil von Aktien und Aktienfondsbesitzern nach Nettohaushaltseinkommen:

750-1.250 Euro: 2,5 Prozent

1.250-2.000 Euro: 6,9 Prozent

2.000-3.000 Euro: 24,6 Prozent

3.000-4.000 Euro: 18,5 Prozent

Über 4.000 Euro: 34,3 Prozent

Aktienbesitz nach Bundesländern

Alte Bundesländer: 13,8 Prozent besitzen Aktieninvestments

Neue Bundesländer: 10,3 Prozent besitzen Aktieninvestments

Gesamt: 13,1 Prozent

Der Verlag ist nur einer von zahlreichen Börsenbrief-Anbietern: Laut Schätzungen soll es im Land der Aktienmuffel bis zu 1.000 Börsenbriefe geben. Und das schon lange. Aktienempfehlungen per Rundbrief sind nämlich keine neue Erfindung. Doch im Internet-Zeitalter werben die Marktschreier noch schriller als früher. Häufig sind die ersten Ausgaben kostenlos. Danach werden teils saftige Gebühren fällig. Preise von mehreren Hundert Euro im Jahr sind keine Seltenheit.

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