Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.12.2015

12:22 Uhr

Brutto-Netto-Rechner

Ab Januar gibt es mehr Nettolohn

VonKatharina Schneider

Ein höherer Grundfreibetrag und Änderungen des Steuertarifs sorgen im neuen Jahr für Steuerersparnisse. Doch für viele Deutsche gibt es nur wenig zu lachen: Denn die Sozialabgaben können die Steuerersparnis auffressen.

Die zu erwartende Steuerersparnis pro Monat hängt vom Einkommen ab. Imago

Euro- und Cent-Münzen

Die zu erwartende Steuerersparnis pro Monat hängt vom Einkommen ab.

FrankfurtMehr Netto – und das ganz ohne zähe Gehaltsverhandlungen? Der Fiskus macht es möglich. Dank neuer Grundfreibeträge und einem veränderten Steuertarif können sich alle Arbeitnehmer 2016 auf ein Gehaltsplus freuen. Reich werden sie dadurch zwar nicht, aber rund 100 Euro können pro Jahr immerhin zusammenkommen.

So bekommt ein Alleinstehender, der keine Kinder hat und jährlich 42.000 Euro brutto verdient, im neuen Jahr 83 Euro mehr Gehalt, hat der Bund der Steuerzahler (BdSt) errechnet. Bei einem Jahresbrutto von 60.000 Euro liegt das Zusatzgehalt bei 94 Euro. Ursache dafür ist die Anhebung des Grundfreibetrags von 8.472 auf 8.652 Euro. Außerdem wurden die Eckwerte des Einkommensteuertarifs an die Preissteigerungsrate angepasst. „Dadurch wird dem Effekt der kalten Progression entgegengewirkt“, erklärt Isabel Klocke vom BdSt. Dieser wird auch als heimliche Steuererhöhung bezeichnet, da sich ohne Tarifanpassung bei steigenden Löhnen die Lohnsteuer überproportional erhöhen würde.

Zuletzt wurden die Steuersätze im Jahr 2010 grundlegend an die gestiegenen Preise angepasst. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent wird 2016 erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 53.666 statt bisher 52.882 Euro fällig. Auch der Zuschlag von drei Prozentpunkten für Reiche muss erst ab einem Jahreseinkommen von 254.447 Euro gezahlt werden. Bislang galt der Steuersatz von 45 Prozent bereits ab 250.731 Euro. Nach Angaben der Bundesregierung sollen die Bürger durch die Änderungen jährlich mehr als fünf Milliarden Euro an Steuern sparen.

Familien profitieren 2016 auf einem weiteren Weg: Das Kindergeld steigt um zwei Euro pro Monat und der Kinderfreibetrag erhöht sich um 48 Euro pro Kind und Elternteil. Laut BdSt bekommt ein Ehepaar mit zwei Kindern, bei dem ein Partner Alleinverdiener ist, bei einem Bruttojahresgehalt von 48.000 Euro im kommenden Jahr insgesamt 128 Euro mehr Netto.

Diese Belege gehören zur Steuererklärung - und diese nicht

Mantelbogen
  • Zuwendungsnachweise wie z.B. Spendenbescheinigungen
  • Nachweis der Behinderung im Erstjahr bzw. bei Änderung
Zu Anlage G, S, L - Einkünfte aus Gewerbe, Selbstständigkeit, Landwirtschaft
  • Unterlagen über die Gewinnermittlung (aber auch nur, falls nicht elektronisch übermittelt)
Zu Anlage KAP - Kapitalerträge
  • Steuerbescheinigung über anrechenbare Kapitalertragsteuer, nur wenn eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge oder die Günstigerprüfung beantragt wird
  • Steuerbescheinigung über Kapitalerträge, für die keine Kirchensteuer einbehalten wurde, obwohl eine Kirchensteuerpflicht besteht
  • Bescheinigung über anrechenbare ausländische Steuern
Zur Anlage N - Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
  • Lohnsteuerkarte (in der Regel nicht mehr nötig, da Daten elektronisch übermittelt)
Zur Anlage VL - Vermögenswirksame Leistungen
  • Bescheinigung über vermögenswirksame Leistungen
Zur Anlage Unterhalt
  • Nachweis der Unterhaltsbedürftigkeit
Nicht benötigte Belege

Die meisten Quittungen und Bescheinigungen müssen nur auf Nachfrage dem Finanzamt vorgelegt werden, dazu gehören zum Beispiel Nachweise über Ausgaben für:

  • Arbeitsmittel
  • Beiträge an Berufsverbände
  • Beitragsbestätigungen für Versicherungen
  • Kontogebühren
  • Kinderbetreuung
  • haushaltsnahe Dienstleistungen

Die einzelnen Ausgabenposten können aber vom Finanzamt geprüft werden und müssen dann nachträglich belegt werden.

Das Bundesfinanzministerium weist darauf hin, dass Eltern, die den Lebensunterhalt ihres Kindes nicht finanzieren können, Anspruch auf einen Kinderzuschlag haben: Ab Juli 2016 sind das monatlich 160 statt 140 Euro. Voraussetzung dafür ist ein grundsätzlicher Anspruch auf Kindergeld; außerdem muss das Kind zu Hause wohnen.

Einige Neuerungen wirken sich also positiv auf Arbeitnehmer aus. Bei Besserverdienern, die gesetzlich renten- und krankenversichert sind, wird die Steuerersparnis durch die steigenden Beitragsbemessungsgrenzen für die Sozialversicherung teils aber wieder aufgefressen.

Steuertipps bis Jahresende: Sparen Sie Steuern – jetzt!

Steuertipps bis Jahresende

Premium Sparen Sie Steuern – jetzt!

Wer jetzt seine Ausgaben klug plant, kann sich bei der nächsten Steuererklärung über dicke Rückzahlungen freuen. Ob Werbungskosten, Steuerklasse oder Kindergeld: Welche Weichen Sie bis zum Jahresende stellen sollten.

Bisher mussten die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung nur bis zu einem Jahreseinkommen von 72.600 Euro in West- und von 62.400 Euro in Ostdeutschland gezahlt werden. Ab 2016 sind erst Einkommen oberhalb von 74.400 Euro beziehungsweise 64.800 Euro beitragsfrei.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Fritz Yoski

18.12.2015, 12:31 Uhr

Es ist an der Zeit das endlich ein Migranten-Soli eingefuehrt wird um die zusaetzlichen Sozialleistungen zu bezahlen. So 10% vom Brutto waere schon mal ein guter Angang ist aber natuerlich noch ausbaufaehig.

Account gelöscht!

18.12.2015, 13:03 Uhr

Nicht nur die Sozialabgaben verringern dem Arbeiter sein Netto immer mehr, sondern auch die EEG Zwangsabgabe auf den Ökostrom verringert unsere Netto immer mehr. Und um so mehr die EEG Zwangsabgabe auf den Ökostrom steigt um so mehr verdient der Staat auch wieder über die UST mit , die ja auf das EEG auch noch erhoben wird.

Herr Peter Westermann

18.12.2015, 13:10 Uhr

Derartiges wird bereits angedacht.

Dazu kommt eine Erhöhung der MwSt. und Sozialabgaben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×