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24.08.2011

17:21 Uhr

Bundesfinanzhof

Im deutschen Steuerdschungel geht es um die Wurst

Hier essen oder mitnehmen? Aus dieser alltäglichen Frage hat sich ein Streitfall rund um die Besteuerung der Currywurst entwickelt. Der Bundesfinanzhof hat jetzt entschieden - und viele neue Fragen aufgeworfen.

In Schale geworfen: Die Currywurst wurde zum Hauptdarsteller einer Mehrwertsteuer-Odyssee. dpa

In Schale geworfen: Die Currywurst wurde zum Hauptdarsteller einer Mehrwertsteuer-Odyssee.

DüsseldorfDie Currywurst ist, trotz ihrer eigentlich exotischen Gewürzmischung, so urdeutsch wie wenig sonst. Nur in Deutschland gibt es das pikante Stückwerk an fast jeder Ecke zu kaufen, beliebt in der Kantine und als Zwischenmahlzeit.

Urdeutsch ist auch der Bürokratiedschungel. Alles durch Vorschriften geregelt, bis ins kleinste Detail, mit allen Vor- und Nachteilen. Ein Urteil des Bundesfinanzhofs kombiniert nun diese beiden deutschen Klassiker. Wie? Dank der Mehrwertsteuer.

Deren Sätze sind alles andere als einheitlich geregelt. Mal werden sieben Prozent auf Leistungen und Produkte erhoben, mal 19 Prozent, mal überhaupt keine Steuer (eine Übersicht der Undurchsichtigkeiten beim Thema Mehrwertsteuer bietet zum Beispiel die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“). Das schafft Schlupflöcher, Fallstricke und handfeste Stolperfallen. Da kann es auch plötzlich einen erheblichen Unterschied machen, ob das Mittagessen im Stehen oder im Sitzen eingenommen wird – wie ein Urteil des Bundesfinanzhofs nun bestätigte.

Stark vereinfacht gesagt: Wer sich seine Currywurst mitnimmt und auf der Hand isst, der hat sieben Prozent Mehrwertsteuer gezahlt. Wer sich damit am Stand hinsetzt, zahlt 19 Prozent. Klar? Nicht ganz. Aber für einen deutschen Bürokraten durchaus logisch.

Wird das Essen nur über den Tresen gereicht ist das eine Essenlieferung, die mit dem niedrigen Satz besteuert wird. Nutzt der Kunde hingegen gemütlich eine bereitgestellte Sitzgelegenheit oder einen Tisch, wird es teuer. Übrigens in den wenigsten Fällen für den Verbraucher.

Viele Schnellrestaurants, die zu gleichen Teilen auf Imbiss „zum mitnehmen“ und „zum hier essen“ setzen, müssen die Produkte ohnehin unterschiedlich eingeben und später an den Fiskus abführen. Die Frage nach dem wo ist eben nicht nur Höflichkeit. Doch sie reichen diese Kosten nur selten an die Kunden weiter.

Nun haben die Richter für den kleinen Imbiss ein neues Schlupfloch geschaffen. In der Vergangenheit nämlich wurden den Standbesitzern auch Essgelegenheiten angerechnet, mit denen sie nichts zu tun hatten. Aber damit ist jetzt Schluss: Im Unterschied zur bisherigen Rechtsprechung seien „Verzehrvorrichtungen Dritter - wie z.B. Tische und Bänke eines Standnachbarn“ - nicht mehr zu berücksichtigen. Auch wenn diese im Interesse des Imbissbudenbetreibers zur Verfügung gestellt wurden, erklärt der BFH.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

24.08.2011, 17:47 Uhr

Da kann man doch nur sagen "Ganz Deutschland ist ein Irrenhaus und in Berlin ist die Zentrale".

crash

24.08.2011, 18:19 Uhr

Endlich beschäftigen wir uns einmal mit den wirklich wichtigen Problemen. Bedauerlich ist allerdings, dass dies Leute tun, die von uns Steuerzahlern (fürstlich) bezahlt werden.

Account gelöscht!

24.08.2011, 18:20 Uhr

Ja,traurig aber war.
Woher kommt es nur,dass es diese Regelungswut und diese Unterschiede überhaupt gibt?
Sind wir einfach ein Volk von Erbsenzählern oder bekommen
die eifrigsten Erbsenzähler unter uns immer den Job beim Finanzministerium?
Was allerdings die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft"
angeht kann ich nur sagen,dass das eine der übelsten Vereinigungen ist,die es in diesem Land gibt.
Vorsicht mit denen,denn da treibt man den Teufel mit dem Belzebub aus!!!

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