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06.03.2013

11:44 Uhr

Bundesfinanzhof

Steuer auf Dienstwagen bleibt teuer

VonKatharina Schneider

Für die Berechnung des geldwerten Vorteils eines Dienstwagens muss weiterhin der Listen-Neupreis genutzt werden. Bei einem günstigen Gebrauchtwagen zahlen Arbeitnehmer deshalb ebenso hohe Steuern wie für einen Neuwagen.

Das Fahrtenbuch ist umständlich, kann aber bei der Dienstwagenbesteuerung günstiger sein. dpa

Das Fahrtenbuch ist umständlich, kann aber bei der Dienstwagenbesteuerung günstiger sein.

DüsseldorfEtwa 2,4 Millionen Steuerzahler haben vergeblich gehofft. Sie können vorerst nicht mit einer günstigeren Besteuerung ihres Dienstwagens rechnen. Denn der Bundesfinanzhof (BFH) hält die aktuelle Berechnung der Steuerschuld per 1-Prozent-Methode nicht für verfassungswidrig (Az.: VI R 51/11). Auch bei einem gebraucht gekauften Fahrzeug muss weiterhin der Bruttolistenneupreis angesetzt werden.

Wer seinen Dienstwagen auch privat nutzen darf, erhält dadurch nicht nur ein Statussymbol, sondern auch einen geldwerten Vorteil. Und der muss versteuert werden. Soweit sind sich Steuerzahler und Finanzverwaltung sogar noch einig, doch die Tücken stecken im Detail.

Was gehört ins Fahrtenbuch?

Betriebliche Fahrten

Hier müssen Datum und Kilometerstand zu Beginn und Ende jeder Fahrt, Reiseziel, Reisezweck und der aufgesuchte Geschäftspartner notiert werden. Auch etwaige Umwege müssen dokumentiert werden.

Private Fahrten

Wer das Fahrzeug privat nutzt, muss nur die gefahrenen Kilometer notieren, nicht aber den Grund der Fahrt.

Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte

Wer von der Wohnung zur Arbeit fährt, muss im Fahrtenbuch nur einen kurzen Hinweis notieren.

Formalia

Das Fahrtenbuch muss zeitnah und in geschlossener Form geführt werden. Es muss die Fahrten vollständig und in einem fortlaufenden Zusammenhang wiedergeben.

Bei der 1-Prozent-Regel wird dem Arbeitnehmer jeden Monat ein Prozent des Fahrzeugpreises als geldwerter Vorteil berechnet. Die Frage ist nur: Welcher Preis wird als Basis für die Berechnung verwendet? Bislang nutzen die Finanzämter den Bruttolistenneupreis. Ein Beispiel: Wenn das Auto laut Liste 30.000 Euro kostet, werden monatlich 300 Euro als zusätzliche Einnahmen gesetzt, pro Jahr also 3.600 Euro. Bei einem persönlichen Steuersatz von 40 Prozent würden dadurch jährlich etwa 1.440 Euro Steuern fällig.

Ob der Arbeitgeber tatsächlich diesen Preis für den Wagen bezahlt hat, spielt bei der Berechnung keine Rolle. Auch wenn er beispielsweise einen Rabatt bekommen hat oder der Wagen nicht mehr neu und deshalb günstiger war, wird beim Arbeitnehmer der Bruttolistenneupreis für die Berechnung angesetzt.

Das soll auch so bleiben, sagt der Bundesfinanzhof. Die 1-Prozent-Regelung lasse „individuelle Besonderheiten in Bezug auf die Art und die Nutzung des Dienstwagens grundsätzlich unberücksichtigt“, so der BFH. Den Einwand des Klägers, dass heutzutage auch Neufahrzeuge praktisch kaum noch zum ausgewiesenen Bruttolistenneupreis verkauft würden, ließ das Gericht nicht gelten.

Kommentare (17)

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Steuerbetrug-mit-Dienstwagen

06.03.2013, 12:11 Uhr

Während die Spritpreise für Ottonormalverbraucher stetig steigen, kommen Dienstwagenbesitzer mit der 1% Besteuerung sehr gut weg. Es ist an der Zeit, dass der Staat die Besteuerung anhebt, und zwar auf 1,5%.

Kollegen von mir, die einen Dienstwagen besitzen, greifen gerne auf die Variante zurück, morgens mit der Ehefrau zur Arbeit zu kommen und die Ehefrau fährt dann mit dem Dienstwagen des Mannes weiter zu ihrer Arbeitsstätte. In der Einkommensteuererklärung rechnet die Ehefrau ab schön die Kilometerpauschalen des privaten Zweitwagens ab.

So etwas nennt man Betrug!

Daher kann man der Finanzverwaltung nur empfehlen, den genauer hinzuschauen, wenn beide Ehepartner berufstätig sind und einer Kilometerpauschalen in Anspruch nimmt.

Alles in allem sollte der Finanzminister eine Erhöhung der pauschalen Besteuerung auf mindestens 1,5% in Erwägung ziehen.

abc

06.03.2013, 12:24 Uhr

Die 1%-Regelung bedeutet, dass der Löwenanteil der Fahrzeugkosten (nämlich der Kaufpreis) privat finanziert werden. Und zwar dann, wenn nachgewiesen wurde, dass das Fahrzeug zu mindestens 50% dienstlich benutzt wurde.

Die 1%-Regelung für Gebrauchtwagen bedeutet, dass sämtliche Fahrzeugkosten (einschließlich Benzin, Versicherung, Reparaturkosten) privat aufgebracht werden, auch wenn es sich um geschäftliche Kosten handelt.

Wo ist da die Gerechtigkeit?

Bezüglich des angeblichen Betrugs: Das Verhalten ist so korrekt, ihr Betrugs-Ruf nur ein Zeichen von persönlicher Unkenntnis. Die Kilometerpauschale gilt völlig unabhängig davon wie man zur Arbeit gekommen ist. Deshalb kann die Kilometerpauschale auch von Fußgängern, Radfahrer oder Benutzern öffentlicher Verkehrsmittel angesetzt werden (dann darf man allerdings nicht gleichzeitig die Monatskarte ansetzen).

Ihr 1,5%-Regelung bedeutet, dass geschäftliche Aufwendungen für die geschäftliche Nutzung des geschäftlichen Fahrzeugs vollständig nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden können. Ihr Spruch ist daher entweder ein Ausdruck von mangelndem Verstand oder Neid.

Zahlmeister

06.03.2013, 12:27 Uhr

Wenn die Steuer steigt, werden viele auf den Firmenwagen verzichten, sich ein altes noch gutes Auto kaufen und bei ihrem Chef die Kiolometerpauschalen abrechnen.
So kann man dann mit linkem Gutmenschentum und Sozialneid der Autoindustrie den Rest geben.

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