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27.11.2012

15:55 Uhr

Bundesnetzagentur

Verbraucher sollen Stromanbieter wechseln

Unter Energieversorgen könnte mehr Wettbewerbsdruck nicht schaden. Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur ermutigen daher in ihrem Bericht die Verbraucher zum Wechsel – vor allem wegen der angekündigten Preiserhöhungen.

Freileitungen in der Nähe eines Umspannwerkes bei Schwerin. dpa

Freileitungen in der Nähe eines Umspannwerkes bei Schwerin.

DüsseldorfDie Verbraucher sollen ihre Stromversorger wechseln, um 2013 nicht drastisch erhöhte Rechnungen zahlen zu müssen. Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur machten sich in ihrem am Dienstag vorgelegten ersten gemeinsamen Bericht zum Strom- und Gasmarkt für mehr Wettbewerb in der Energiewirtschaft stark. "Vor dem Hintergrund weiterer für 2013 angekündigter Strompreiserhöhungen sollten alle Verbraucher prüfen, ob nicht günstigere Angebote verfügbar sind", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann.

Mit einem Wechsel könnten die Stromkunden den Wettbewerbsdruck auf die Versorger erhöhen, unterstrich der Kartellamts-Präsident Andreas Mundt. Sorge bereitet den Experten auch der Zustand der Stromnetze: "Die Daten des Kalenderjahres 2011 zeigen, dass die Anzahl der angespannten Netzsituationen insgesamt stark angestiegen ist und insgesamt auch mehr Gebiete und damit Netzelemente betroffen waren", heißt es in dem Bericht.

So funktioniert der Stromanbieterwechsel

Vertrag prüfen

Zuerst sollten Verbraucher in ihrem laufenden Vertrag prüfen, zu welchem Zeitpunkt sie diesen kündigen können.

Stromverbrauch ermitteln

In der letzten Jahresabrechnung können Kunden ihren jährlichen Stromverbrauch ablesen.

Preise vergleichen

In Vergleichsrechnern wie Verivox und Check24 können Nutzer ihren jährlichen Stromverbrauch und ihre Postleitzahl eingeben. Der Rechner ermittelt dann die günstigsten Preise. Verbraucherschützer empfehlen zudem, mehrere Rechner für die Tarifsuche zu nutzen.

Vertragsunterlagen anfordern

Direkt über den Tarifrechner oder über die Website des Versorgers können Kunden die Vertragsunterlagen anfordern.

Unterlagen prüfen

Die Vertragsunterlagen sollten Verbraucher sorgfältig prüfen und anschließend an den neuen Versorger zurücksenden. Oder sie schließen den Vertrag per E-Mail oder im Internet ab.

Vollmacht zur Kündigung

Mit den Vertragsunterlagen kann der Kunde seinem neuen Versorger auch eine Vollmacht zur Kündigung des Liefervertrags mit dem bisherigen Versorger geben.

Neuer Versorger wird tätig

Der neue Versorger regelt mit dem bisherigen den notwendigen Datenaustausch und organisiert gegebenenfalls auch mit dem Netzbetreiber die Zählerablesung, und meldet den Verbraucher dort als seinen Kunden an.

Schriftliche Bestätigung

Vom neuen Anbieter bekommt der Kunde schriftlich oder per E-Mail eine Bestätigung über Vertragsabschluss und Lieferbeginn. Verbraucherschützer raten jedoch, den Zählerstand am Wechseltag selbst zu notieren und an ihren örtlichen Netzbetreiber zu schicken.

Post vom alten Versorger

Der bisherige Versorger schickt dem Verbraucher eine Schlussrechnung über den bis zum Wechselzeitpunkt angefallenen Verbrauch. In der Regel kommt diese Rechnung innerhalb von vier bis sechs Wochen.

Bürger und Unternehmen versuchen bereits, für mehr Wettbewerb zu sorgen: 2011 sei die Zahl der Kunden, die den Stromlieferanten wechselten, um 27 Prozent auf 3,8 Millionen gestiegen, betonte Homann. Auch suchten immer mehr Abnehmer neue Gaslieferanten.

"Aus wettbewerblicher Sicht ist es besonders erfreulich, dass sich auch die Möglichkeiten für Endkunden, den Versorger zu wechseln, weiter verbessert haben", erklärte Mundt. Doch müssten die Verbraucher auch von den Möglichkeiten Gebrauch machen.

Preiserhöhungen: So wehren Sie sich gegen den Stromanbieter

Preiserhöhungen

So wehren Sie sich gegen den Stromanbieter

Die Strompreiserhöhungen zum Jahreswechsel müssen sich Kunden nicht gefallen lassen.

Nach einer Erhebung des Verbraucherportals TopTarif wollen auch zahlreiche Gasversorger im Windschatten der Erhöhungen von Strompreisen ihre Preise in die Höhe schrauben. Mindestens 105 Versorger planten Preiserhöhungen von durchschnittlich 6,6 Prozent, hieß es. Der Bericht der beiden Behörden zeige, dass der Wettbewerb noch unzureichend sei, beklagte der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Zudem stünden die Stromnetze angesichts der Energiewende unter einem "enormen Druck".

2011 sei eine "erhebliche Verschärfung" der angespannten Netzsituationen registriert worden, hieß es in dem Monitoringbericht. Die Netzbetreiber seien aber in der Lage gewesen, "die Situation (...) zu beherrschen". Der Netzbetreiber Tennet hatte bereits gewarnt, die Situation sei angespannt. "Die Stromversorgung bleibt auch im kommenden Winter sehr knapp", hatte Deutschland-Chef Martin Fuchs Reuters gesagt.

So erklärt Verivox die Tarif-Fallstricke

Richtlinien zum Verbraucherschutz

Tarife, die nicht den Verivox-Richtlinien zum Verbraucherschutz entsprechen, werden nicht unter den Tarif-Empfehlungen des Vergleichsrechners dargestellt. Ähnliche Hinweise gibt es auch bei Check24. Auf folgende Fallstricke wird bei solchen Tarifen hingewiesen:

Vorauskasse

Sie zahlen für die kalkulierten Abschläge für 12 Monate im Voraus und können so von günstigen Tarifkonditionen profitieren. Gleichzeitig besteht im Falle einer Unternehmensinsolvenz jedoch das Risiko, die geleisteten Vorauszahlungen nicht zurückzuerhalten. Wenn Ihnen der Anbieter eine Preisgarantie bzw. eingeschränkte Preisgarantie gewährt, können die Preise nach deren Ablauf erhöht werden – ggf. auch schon vor Ablauf des Vorauszahlungszeitraums. Die angegebenen Gesamtkosten können von der Höhe der zu leistenden Vorauszahlungen abweichen, da etwaige Boni in der Regel erst mit der ersten Jahresrechnung gutgeschrieben werden.

Mehr- oder Mindestverbrauchsaufschlag

Die angegebenen Gesamtkosten in Höhe von 293,96 Euro basieren auf ihrem angegebenen Jahresverbrauch von 1500 kWh und einem Verbrauchspreis von 22,41 Cent je kWh. Weicht Ihr realer Jahresverbrauch von dieser Angabe an, gelten folgende Verbrauchspreise je kWh für den Jahresverbrauch:

-          Liegt der reale Jahresverbrauch mehr als 20 Prozent unter ihrem angegebenen Jahresverbrauch, beträgt der Verbrauchspreis für den Jahresverbrauch 24,41 Cent je kWh.

-          Liegt der reale Jahresverbrauch mehr als 20 Prozent über ihrem angegebenen Jahresverbrauch, beträgt der Verbrauchspreis für den Jahresverbrauch 24,41 Cent je kWh.

Das Angebot richtet sich ausschließlich an Kunden, die Ihren Verbrauch sicher einschätzen können und deren Verbrauch stabil ist.

Kosten im 2. Jahr beachten

Bei diesem Tarif mit mehr als 12 Monaten Erstvertragslaufzeit wird im 1. Vertragsjahr ein Bonus ausgelobt. Durch den Wegfall des Erstjahresbonus im 2.Vertragsjahr erhöhen sich die fortlaufenden Kosten automatisch.

Paket

Mit diesem Tarif kaufen Sie eine bestimmte Anzahl von Kilowattstunden. Ein Minderverbrauch wird in der Regel nicht erstattet, der Mehrverbrauch muss zusätzlich bezahlt werden und wird jährlich abgerechnet. Das Angebot richtet sich ausschließlich an Kunden, die ihren Verbrauch sicher einschätzen können und deren Jahresverbrauch stabil ist.  Bitte beachten Sie, dass sich der Preis für Paket-Tarife auch während der Laufzeit ändern kann, wenn im Angebot keine entsprechende Preisgarantie enthalten ist.

Kaution, Sonderabschlag, Genossenschaftseinlage

Bei diesem Tarif ist vor Lieferbeginn einmalig eine Kaution oder ein Sonderabschlag fällig. Bei einer Genossenschaft entspricht das der Zahlung einer Genossenschaftseinlage. Die Zahlung wird nicht verzinst und nach Beendigung des Vertragsverhältnisses mit der letzten Abrechnung verrechnet bzw. zurückerstattet. Der Sonderabschlag ist nicht in den Gesamtkosten enthalten. Im Falle einer Unternehmensinsolvenz besteht das Risiko, den geleisteten Sonderabschlag nicht zurückzuerhalten.

Preisgarantie

Gilt für alle Preisbestandteile, ausgenommen Mehrwertsteuer-Änderungen und langfristig festgelegte Strom- und Erdgassteuern.

Eingeschränkte Preisgarantie

Hier können Änderungen von gesetzlichen Abgaben und Umlagen (EEG, KWK-G, Konzessionsabgabe) weitergegeben werden.

Energiepreisgarantie

Nur ein Preisbestandteil (Energiepreis) ist garantiert.

Die Unsicherheiten um das Netz entstehen auch durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien an der Versorgung. Deshalb sollen ältere Kraftwerke in Reserve gehalten werden, um einzuspringen, wenn an kalten, windstillen und wolkenverhangenen Tagen der Energiebedarf groß ist, Strom aus Wind und Sonne aber kaum zur Verfügung steht.

Von

rtr

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

27.11.2012, 16:28 Uhr

damit mir der nächste Anbieter 4 Wochen später die Erhöhung um die Ohren haut, nein danke dafür ist mir meine Zeit zu schade

solong

27.11.2012, 17:05 Uhr

Richtig, die werden alle nachziehen, die anderen gehen pleite, wie gehabt.

Monika

27.11.2012, 17:13 Uhr

Es spricht doch Bände, dass Kartellamt und Netzagentur aktiv Empfehlungen aussprechen, während sich das

VERBRAUCHERSCHUTZMINISTERIUM mit Ilse AIGER, CSU

ein Dasein wie ein Mauerblümchen fristet. Frau Aigner scheint ihre Aufgabe als Ministerin wenig gewachsen zu sein. Vielleicht sollte man ihr Ministerium mit dem des Wirtschaftsminister zusammenlegen und LOBBYMINISTERIUM nennen. Selten waren beide Ministerien so schwach besetzt. Aber CSU und FDP waren auch noch nie so schwach regiert, wie dies gegenwärtig der Fall ist.

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