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20.08.2013

19:19 Uhr

Caymans, Bermuda, Bahamas

Steuerparadiese „fallen wie Dominosteine“

Die Tage der Cayman Islands als Steuerparadies sind gezählt. Bald können vermögende US-Bürger ihr Geld dort nicht mehr vor den amerikanischen Behörden verstecken. Auch andere Steuerparadiese sollen bald fallen.

Bald nur noch reizvoll für Urlauber: Steuerparadiese sollen nach und nach fallen. dpa

Bald nur noch reizvoll für Urlauber: Steuerparadiese sollen nach und nach fallen.

Im Kampf gegen Steuerflüchtlinge haben die USA haben mit dem Steuerparadies Cayman Islands eine zwischenstaatliche Vereinbarung getroffen. Zwischen den Vereinigten Staaten und der Inselgruppe gilt nun der Foreign Account Tax Compliance Act, auch Fatca genannt. Das Gesetz aus dem Jahr 2010 erschwert es, Gelder im Ausland zu verstecken. Grund ist, das ausländische Banken ihre Konten der US-Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) offenlegen müssen. Andernfalls droht eine Quellensteuer von bis zu 30 Prozent.

Die Cayman Islands sind ein wichtiges Finanzzentrum und Sitz dutzender Banken, Fonds und Vermögensverwaltungsgesellschaften. Zu den Großbanken die dort aktiv sind zählt neben der  Bank of America oder der UBS auch die Deutsche Bank.

Welche Strafen Steuertricksern drohen

10.000 Euro hinterzogen

Hier wird in der Regel eine Geldstrafe verhängt, die in etwa einem Jahresnettoeinkommen des Steuerpflichtigen entspricht.

Tagessätze

Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln die Geldstrafe nach so genannten Tagessätzen. Der Geldbetrag für einen Tagessatz soll dem Tagesnettoeinkommen entsprechen.

Berechnung des Tagesatzes

Hat jemand ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto und Abzüge von 20.000 Euro für Steuern, Versicherungen und ähnlichem, so wäre der Tagessatz 82 Euro (gerechnet: 30.000:365).

Anzahl der Tagessätze

Bei einer Hinterziehung von 10.000 Euro werden in der Regel 365 Tagessätze verhängt. Das bedeutet im Beispielsfall 365x82 = 29.930 Euro. Die Geldstrafe läge also bei rund 30.000 Euro.

Verhältnis zur hinterzogenen Steuer

Bei hohen Einkommen kann laut Experten die Strafe durchaus höher als die hinterzogene Steuer sein. Schließlich soll sich Steuerhinterziehung ja nicht lohnen.

20.000 Euro hinterzogen

Bei 20.000 Euro kommt man zu rund 440 Tagessätzen. Die Strafe läge im Beispielsfall dann 36.080 Euro.

Regionale Unterschiede

Es ist bekannt, dass in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich streng bestraft wird. Eine interne Tabelle weist dies nach. Insofern gelten die hier genannten Strafrahmen nicht absolut, sondern sind lediglich Faustregeln.

Schwere Vergehen

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Az. 1 StR 525/11) ist die Chance, auch bei schweren Steuervergehen um eine Haftstrafe herumzukommen, deutlich gesunken. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Augsburg kassiert, das einen Unternehmer wegen 1,1 Millionen Euro hinterzogener Steuern nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte. Dieses Strafmaß sei zu gering, entschied der BGH. Das Urteil liegt im Trend, glaubt Martin Wulf von der auf Steuerstrafrecht spezialisierten Kanzlei Streck Mack Schwedhelm: „In der Tendenz ziehen die Sanktionen an“, sagt der Jurist.

„Die Caymans galten traditionell als so verschwiegen wie die Schweiz mit ihrem Bankgeheimnis“, sagt Dennis Brager, Leiter der Brager Tax Law Group und früher IRS-Mitarbeiter. Jetzt würden die Informationen weitergeleitet werden. Mit der Schweiz haben die USA bereits im Februar ein zwischenstaatliches Abkommen geschlossen, um Fatca anwenden zu können.

Die Konten der US-Steuerbürger werden vom Staat zunehmend ins Visier genommen. Auch andere karibische Rechtsgebiete mit einer bedeutenden Finanzbranche, darunter Bermuda und die Bahamas, zählen zu dutzenden von Ländern, mit denen Gespräche über gleichartige Abkommen geführt werden. „Sie fallen wie die Dominosteine“, sagt Brager. In den zwischenstaatlichen Abkommen wird vereinbart, dass die Banken ihre Informationen mit ihren Heimatbehörden teilen und diese die Daten an die IRS weiterleiten.

„Schritt für Schritt wird erkennbar, wie dies zu einem globalen Standard wird“, sagt Manal Corwin, Leiterin Internationale Unternehmenssteuern bei KPMG.

Kommentare (4)

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Charly

20.08.2013, 19:45 Uhr

Wenn man mit einem Raumschiff hoch aufsteigen würde, so dass Details die nicht wirklich von Bedeutung sind verschwimmen, dann würde man erkennen, dass die Lage heute ähnlich wie vor WK2 ist.
Auch die Fascho-Staaten von heute versuchen mit allen Mitteln ihre Bürger zu durchleuchten und auszurauben.
Bald wird der grosse Knall kommen und am Ende wird auch das Blut der Diktatoren fliessen.

Thomas-Melber-Stuttgart

20.08.2013, 20:08 Uhr

Fehlen da nicht noch: Luxemburg, Delaware, die Isle of Man, die Kanalinseln, Gibraltar, British Virgin Islands, Malta ...

Account gelöscht!

21.08.2013, 00:40 Uhr

und Bottrop ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=ua08o3ML9j0

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