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02.06.2014

11:06 Uhr

Commerzbank-Studie

Sepa? Kein Interesse!

VonKatharina Schneider

Das Zahlungssystem Sepa scheint bei deutschen Mittelständlern extrem unbeliebt zu sein. An einer Bank-Umfrage zu dem Thema haben sich von 5000 Firmen nicht einmal zehn Prozent beteiligt. Handeln ist aber wichtig.

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Erklärvideo: Was ist SEPA eigentlich?

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DüsseldorfDas Thema Sepa (Single Euro Payments Area) ist im deutschen Mittelstand noch immer ein rotes Tuch. So lässt sich das Hauptergebnis einer Studie beschreiben, die die Commerzbank am Montag veröffentlicht hat. 5000 Unternehmen wollte die Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) zum Stand ihrer Sepa-Vorbereitungen befragen, gerade mal 275 Firmen beteiligten sich an der Umfrage.

Immerhin, von jenen Unternehmen, die das Ausfüllen des Fragebogens auf sich genommen haben, hatten 91,6 Prozent ihre Sepa-Vorbereitungen bereits abgeschlossen. Acht Prozent gehen davon aus, dass die Arbeitsprozesse bis zum neuen Fristablauf – dem 1. August 2014 – beendet sein werden.

Ob die Zahlen repräsentativ sind, ist aufgrund der geringen Anzahl der Teilnehmer allerdings fraglich. Laut Bundeswirtschaftsministerium zählen zum Mittelstand aktuell rund 3,7 Millionen Unternehmen. Bei der Commerzbank heißt es, ein solcher Rücklauf sei normal. Aus Sicht der FHM stelle das kein Problem dar und schmälere nicht das Ergebnis.

Die Sepa-Lastschrift

Was ist die Gläubigerreferenz?

Für Deutschland übernimmt die Deutsche Bundesbank die Ausgabe der Gläubiger-Identifikationsnummer in Abstimmung mit der Deutschen Kreditwirtschaft (DK).

Welche Lastschrift-Typen gibt es?

Die Sepa-Lastschrift steht seit dem 2. November 2009 bei den meisten Zahlungsdienstleistern in Europa zur Verfügung. Angeboten wird eine „Basisvariante“ sowie ein Verfahren für den ausschließlichen Verkehr mit Geschäftskunden („Sepa-Firmenlastschrift“).

Wie lange kann man die Lastschrift zurückgeben?

Sepa-Basislastschriften, bei denen ein gültiges Mandat vorliegt, können bis zu acht Wochen nach dem Belastungstag ohne Angabe von Gründen zurückgegeben werden. Fehlt das unterschriebene Mandat, verlängert sich die Frist auf 13 Monate.

Was ist ein Lastschriftmandat?

Das Mandat ist das Pendant zur bislang bekannten Einzugsermächtigung. Allerdings muss es künftig immer schriftlich vorliegen. Der Zahlungsempfänger verteilt dafür Mandatsnummern. Außerdem wird jedem Zahlungsempfänger eine Gläubiger-Identifikationsnummer zugeordnet. Dadurch lassen sich die Einverständniserklärungen zum Lastschriftverfahren zuordnen.

Was ist die Mandatsreferenz?

Die Mandatsreferenz ist ein vom Zahlungsempfänger individuell vergebenes Kennzeichen eines Mandats (zum Beispiel Rechnungsnummer oder Kundennummer) und ermöglicht in Verbindung mit der Gläubiger-Identifikationsnummer dessen eindeutige Identifizierung.

Sind immer neue Lastschriftmandate nötig?

Nein. Bereits erteile schriftliche Einzugsermächtigungen können als Sepa-Lastschriftmandate genutzt werden. Dies ist aufgrund der im Juli 2012 erfolgten Anpassung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Kreditinstitute in Deutschland möglich.

Quelle


Als weiteres Resultat der Studie wird genannt: 21 Prozent der Unternehmen setzten bisher nur „Mindestanforderungen“ um. Hier seien noch Restarbeiten offen geblieben. Zudem sähen 69 Prozent der Unternehmen durch Sepa bisher keine Vorteile für ihr Unternehmen. „Es ist bedenklich, dass einem Teil der Mittelständler noch immer nicht bewusst ist, was die neuen Sepa-Verfahren überhaupt leisten können“, sagt Volker Wittberg, verantwortlicher Leiter der Umfrage.

Auch wenn die Commerzbank-Studie aufgrund der wenigen Teilnehmer kaum Aussagekraft besitzt, wahr ist, dass Unternehmen die Sepa-Umstellung schnell angehen sollten. Die Frist für die Umstellung des Zahlungsverkehrs auf Sepa war am Jahresanfang vom 1. Februar auf den 1. August verschoben worden. Erst im August verlieren also die alten Systeme ihre Gültigkeit.

Ausreizen sollten Unternehmen diese Frist aber nicht. Um die neue Lastschriften nutzen zu können, müssen die Firmen nicht nur eine sogenannte Gläubiger-ID bei der Bundesbank beantragen, sondern auch ihre IT-Programme an die veränderten Anforderungen anpassen. Zudem müssen die Firmen das System gemeinsam mit ihrem Kreditinstitut testen. Die Bundesbank empfiehlt, die Umstellung noch vor der Haupturlaubszeit im Sommer zu beenden.

Hintergründe zu Sepa

Welches Ziel hat Sepa?

Die nationalen Zahlungsverfahren werden nach und nach abgeschafft. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen zwischen den Ländern sollen schneller und günstiger werden. Sepa ist die dritte Stufe der Umstellung auf den Euro.

Seit wann gibt es Sepa?

Das Verfahren wurde bereits Anfang 2008 für Überweisungen eingeführt. Seit 2009 können Bankkunden auch das grenzüberschreitende Lastschriftverfahren nutzen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission keinen Umstellungstermin vorgegeben, sondern auf eine Lösung im Markt gehofft. Dies misslang jedoch, die Beteiligung an dem System war zu gering – besonders in Deutschland. Denn die Deutschen hängen an ihrem eigenen System, schließlich funktioniert es gut.

In welchen Ländern gilt Sepa?

EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Zypern; außerdem: EWR-Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen; sowie: Schweiz, Monaco, Mayotte, Saint-Pierre und Miquelon.

In welcher Währung sind Sepa-Zahlungen möglich?

Zahlungen per Sepa sind nur in Euro möglich. Für Transaktionen in anderen Währungen müssen Bankkunden eine Auslandsüberweisung tätigen.

Was verbirgt sich hinter der IBAN?

An die Stelle der herkömmlichen Kontonummer und Bankleitzahl tritt die IBAN - International Bank Account Number. Sie hat insgesamt 22 Stellen und beginnt mit einem Länderkürzel - DE für Deutschland. Daran schließt sich eine zweistellige Prüfziffer an, die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer. Dank der Prüfziffer bekommt der Bankkunde sofort eine Fehlermeldung, wenn er sich bei der Zahlenabfolge vertippt hat. Das ist ein großer Vorteil, insbesondere seitdem Banken den Namen des Kontoinhabers und die Kontonummer nicht mehr abgleichen.

Wozu dient der BIC?

Der BIC - Bank Identifier Code - hat elf Stellen und soll die Bankleitzahl ersetzen. Kritiker monieren jedoch, dass die Kennung der Bank in Form der alten Bankleitzahl bereits in der IBAN enthalten ist. Ein weiterer Code mache die Überweisung nur unnötig kompliziert. Ab Februar 2014 soll der BIC bei Überweisungen im eigenen Land deshalb wegfallen. Für Geldtransfers innerhalb Europas von 2016 an.

Wann muss ich auf Sepa umsteigen?

Eine Verpflichtung zur Umstellung auf die Sepa-Überweisung und -Lastschrift besteht ab dem 1. Februar 2014. Bis dahin gelten Sepa und die nationalen Zahlsysteme parallel.

Welche Sonderrechte haben Verbraucher?

Bis zum Februar 2016 können Verbraucher die alte kurze Kontonummer im nationalen Zahlungsverkehr noch nutzen, sofern ihr Zahlungsdienstleister die Konvertierung in die IBAN anbietet.

Wo müssen Kunden ein Konto führen?

Wer beispielsweise in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet oder studiert, braucht nur noch in seinem Heimatland ein Bankkonto. Bisher waren mehrere Bankkonten nötig.

Was ändert sich bei der Bankkarte?

Künftig gilt die Bankkarte (debit card) für Euro-Zahlungen in allen Ländern des Sepa-Gebiets. Dadurch müssen Reisende weniger Bargeld bei sich tragen.

Quelle


Unternehmen, die nicht rechtzeitig umstellen und viele Buchungen über die Lastschrift abwickeln, riskieren eine Zahlungsunfähigkeit. Zudem kann die Finanzaufsicht Bafin Strafen verhängen, wenn die Umstellung nach Ablauf der neuen Frist immer noch nicht erfolgt ist.
Für Verbraucher ändert sich durch die neue Frist nichts, denn für sie gilt ohnehin eine längere Übergangsfrist. Noch zwei Jahre lang dürfen Banken von ihnen die Kontonummern und Bankleitzahlen in der alten Form annehmen.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

02.06.2014, 11:39 Uhr

SEPA ,

der grösste M I S T den europa uns gebracht hat
es öffnet tür und tor zu lug und betrug
dieses wirrwar an 20stelligen IDs und kennungen durchblickt keine mensch
zumindest der nicht der nicht buchhalter ist

ein kontoauszug ist heute doppelt so lang ohne dass darin auch nur einfachste informationen zu entnehmen sind
ohne einen übersetzer für diese zahlenkolonnen aktivieren zu müssen

eine einladung für schlitzohren und banditen

aber wahrscheinlich hat nicht einmal der AFD ein rezept dagegen

Account gelöscht!

02.06.2014, 11:47 Uhr

Die SEPA ist logisch aufgebaut und erfordert wenig mehr als eine Umstellung: teuer genug für Unternehmen.

Sollte die SEPA allerdings zur intellektuellen Herausforderung werden steht davon Betroffenen ggf ohnehin noch eine Menge Arbeit ins Haus.

Account gelöscht!

02.06.2014, 11:47 Uhr

Die SEPA ist logisch aufgebaut und erfordert wenig mehr als eine Umstellung: teuer genug für Unternehmen.

Sollte die SEPA allerdings zur intellektuellen Herausforderung werden steht davon Betroffenen ggf ohnehin noch eine Menge Arbeit ins Haus.

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