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02.02.2016

15:41 Uhr

Crowdfunding-Skandal

Schwarmfinanzierung für Schnaps und Stripper?

VonMichael Brächer

Anleger wollten per Crowdfunding das Videospiel „Ant Simulator“ unterstützen. Doch die Entwickler der kuriosen Ameisen-Simulation sollen das Geld für private Zwecke ausgegeben haben. Die aber bestreiten die Vorwürfe.

Krabbelnde Ameise: Der "Ant Simulator" sorgt für einen Skandal beim Crowdfunding. CC BY 2.0/Erin Mills

Ameise

Krabbelnde Ameise: Der "Ant Simulator" sorgt für einen Skandal beim Crowdfunding.

Manche Geschichten sind zu verrückt, um sie zu erfinden – zum Beispiel die des „Ant Simulator“. Die Simulation verspricht Spielern nicht weniger, als die Steuerung von Insekten oder das Management ganzer Ameisenkolonien zu übernehmen. Selbst für die Welt der Simulationsspiele, in der sich vom Traktor bis zur Schafherde alles steuern lässt, ist das ein eher exzentrisches Unterfangen. Jetzt sorgt das Projekt für Schlagzeilen, aber anders als gedacht.

Private Geldgeber hatten das Spieleprojekt über die Schwarmfinanzierungs-Plattform Kickstarter unterstützt. Doch ihr Geld soll verloren sein. Das Kapital aus dem Crowdfunding sei nicht für die Produktion von Erklärungsvideos, sondern  für Alkohol und Stripper verwendet worden, behauptet der Entwickler Eric Tereshinski. „Ich habe kürzlich herausgefunden, dass meine ehemaligen Geschäftspartner heimlich Firmengelder gestohlen haben“, erklärte Tereshinski in einem Video. Sie hätten den Großteil des Kapitals für „Schnaps, Restaurants, Bars und sogar für Stripper“ ausgegeben.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück: Sie seien „komplett falsch“. Alle Ausgaben seien gerechtfertigt gewesen. Nun ziehe man juristische Schritte gegen Tereshinski in Betracht. Ob die Anleger ihr Kapital zurückerhalten, ist noch offen.

Es wäre nicht das erste Crowdfunding-Projekt, bei dem Anlegergeld zweckentfremdet wird. Im vergangenen Jahr hatte ein Gericht im US-Bundesstaat Washington erstmals die Macher eines Projekts dazu verurteilt, Anleger eines Projekts zu entschädigen.

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Sie hatten in ein Kartenspiel investiert, das nie erschien. Staatsanwalt Bob Ferguson fand deutliche Worte: „Washington State wird keinen Crowdfunding-Diebstahl tolerieren“, sagte Ferguson. „Wenn Sie Geld von Kunden annehmen, und ihre Verpflichtungen nicht erfüllen, wird mein Büro sie zur Verantwortung ziehen.“

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