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21.02.2013

16:48 Uhr

Datendschungel

Wir wissen alles über Sie!

VonKatharina Schneider

Der Verzicht hilft nicht: Auch wer kein Facebook nutzt, nicht online einkauft und sogar Google meidet, wird von Datenkraken verfolgt. In der Offline-Welt können sie schlimme Schäden anrichten. Wo Sie Spuren hinterlassen.

Auch jenseits des Internets sollten Bürger ihre Daten schützen. Getty Images

Auch jenseits des Internets sollten Bürger ihre Daten schützen.

DüsseldorfBeim Thema Datenschutz denken viele Verbraucher heute zuerst an Datenkraken wie Facebook und Google. Doch auch fernab von Internetseiten und sozialen Netzwerken sammeln Unternehmen fleißig persönliche Daten und können damit ordentlich Schaden anrichten – das funktioniert ganz ohne Smartphone und Internetanschluss, in der guten alten Offline-Welt.

Handelsblatt Online zeigt, warum Verbraucher trotz der Aufregung um digitale Datensammler auch die Gefahr im realen Leben nicht unterschätzen dürfen, wie sie das Speichern und die Verbreitung ihrer Daten vermeiden können und falsche Informationen korrigieren. Und: Warum Privatleute selbst von großen Datensammlungen profitieren können.

Daten-Regeln für Unternehmen

Was dürfen Unternehmen speichern?

Grundsätzlich dürfen Unternehmen alle Daten speichern, die sie für ihre Geschäftszwecke brauchen. Auch Angaben, die Kunden freiwillig machen, dürfen sie archivieren (§ 28, Abs.1 BDSG).

Was dürfen Unternehmen mit den Daten machen?

Neben der Nutzung der Daten für eigene Werbung ist auch der Adresshandel erlaubt. Dazu muss der Betroffene eigentlich eingewilligt haben. Diese Notwendigkeit entfällt jedoch bei „listenmäßig oder sonst zusammengefassten Daten über Angehörige einer Personengruppe“. Diese Daten dürfen „die Zugehörigkeit des Betroffenen zu dieser Personengruppe, seine Berufs-, Branchen- oder Geschäftsbezeichnung, seinen Namen, Titel, akademischen Grad, seine Anschrift und sein Geburtsjahr“ umfassen (§ 28, Abs. 3 BDSG).

Wann müssen Unternehmen Daten löschen?

Wenn die Vertragsbeziehung endet, dürfen Unternehmen die Daten ihrer Kunden nicht mehr verwenden. Wegen Aufbewahrungsfristen aus dem Steuer- und Bilanzrecht müssen Kundendaten teils länger aufbewahrt werden. Das Unternehmen darf sie aber nicht mehr für Werbung nutzen oder an Dritte weitergeben (§ 35 BDSG).

Wie können Bürger ihre Adresse schützen?

Bürger können gegenüber Adresshändlern der Nutzung ihrer Daten widersprechen. Wichtig ist die genaue Formulierung: Es ist besser, die Sperrung statt die Löschung der Daten zu beantragen. Der Datensatz wird dann beim Unternehmen gesondert gekennzeichnet und darf nicht mehr zu Werbezwecken verwendet oder weitergegeben werden.

Was bringt die Robinsonliste?

Wer keine unerwünschte Werbung per Post erhalten möchte, kann sich in die Robinsonliste des Deutschen Dialogmarketing Verbandes eintragen. Zumindest von den Verbandsmitgliedern kommt dann keine Post mehr. Der Eintrag ist kostenlos und gilt für jeweils fünf Jahre. Auch eine Auswahl von Themen, zu denen man keine Informationen haben möchte, ist möglich.

Selbst Schuld, wer im Internet persönliche Daten preisgibt, ist doch kein Wunder, wenn man dann unerwünschte Werbung bekommt oder sogar das Konto geplündert wird! Doch ganz so einfach ist es nicht. Es reicht längst nicht aus, nur in der Online-Welt geizig mit Daten umzugehen. In vielen Fällen muss der Kunde auch beim Einkauf im Laden nebenan der Speicherung von Daten zuzustimmen. Dann ist Kontrolle angesagt.

Banken, Sparkassen und Leasingfirmen, aber auch Versandhandels- und Telekommunikationsunternehmen – sie alle tun es. Bei bestimmten Arten von Verträgen holen sie bei Auskunfteien wie der Schufa Informationen zur Kreditwürdigkeit des Kunden ein und übermitteln ihrerseits neue Informationen. Immer wenn Kunden ein Bankkonto eröffnen, einen Kredit beantragen, einen Handyvertrag abschließen oder Ratenzahlung vereinbaren, fließen in der Regel Daten zwischen dem beteiligten Unternehmen und einer Auskunftei.

Rechte gegenüber Auskunfteien

Paragraph 34 BDSG

Dank des novellierten Paragraph 34 im Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), der zum 1. April 2010 in Kraft trat, haben Verbraucher mehr Auskunftsrechte gegenüber Auskunfteien.

Kostenlose Auskunft

Einmal je Kalenderjahr können Verbraucher eine unentgeltliche Auskunft verlangen. Sie dürfen erfahren, welche Daten über sie gespeichert wurden.

Herkunft der Daten

Verbraucher haben gegenüber Auskunfteien auch das Recht, die Herkunft ihrer Daten zu erfahren, wer also die Daten an die Auskunftei übermittelt hat. Dies ist wichtig, da dieses Unternehmen die Verantwortung für die Richtigkeit der Daten trägt und sich unter Umständen schadensersatzpflichtig gemacht hat.

Scorewerte

Verbraucher haben außerdem einen Anspruch zu erfahren, welche Scorewerte an wen innerhalb der vergangenen zwölf Monate übermittelt worden sind. Auch die Vertragspartner müssen offenlegen, welcher Scorewert ihrer Entscheidung über einen Vertrag zugrunde lag.

Erklärung des Scorewerts

Der Scorewert muss dem Verbraucher einzelfallbezogen und nachvollziehbar erklärt werden.

„Dabei passieren häufig Fehler, Daten werden falsch übermittelt oder sind nicht mehr aktuell“, sagt Florian Glatzner, Datenschutzexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Typische Fehler: Verträge sind schon längst ausgelaufen, werden aber noch als aktiv gelistet und Zahlungsausfälle werden registriert, obwohl die Forderung gar nicht berechtigt war.

„Dass etwas nicht stimmt, merkt der Verbraucher meist erst dann, wenn er plötzlich einen Kredit nicht zu den beworbenen Konditionen bekommt, nur per Vorkasse zahlen kann oder aufgrund des schlechten Schufa-Scores seine Traumwohnung nicht mieten darf“, so der Verbraucherschützer.

Um solche bösen Überraschungen zu vermeiden, können Verbraucher bei Auskunfteien, Adresshändlern und anderen Unternehmen anfragen, welche Daten über sie gespeichert wurden. Seit knapp drei Jahren bekommt man diese Auskunft einmal pro Jahr sogar kostenlos. Damals wurde das Bundesdatenschutzgesetz novelliert. Die Anfragen stiegen danach sprunghaft an. Diese Neugier hat sich bei vielen Verbrauchern aber wieder gelegt.

Kommentare (8)

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Gast

21.02.2013, 17:28 Uhr

Ich frage mich, ob, ausser Kaffeefahrten-Teilnehmer, darüber noch irgend jemand überrascht ist.

Account gelöscht!

21.02.2013, 18:07 Uhr

Interessant ist auch folgende Verknüpfung: CD/DVD mit Filmen /Musik sind heute oft personalisiert; d.h. jede Scheibe ist anders, hat ein unverwechselbares Wasserzeichen. Bezahlt der Kunde nun mit Karte, kann man diese Scheibe der Person zuordnen. Werden diese Stücke dann ins Netz gestellt, schnappt die Falle zu. Datenschutz spielt selbstredend keine Rolle - Überwachungsstaat der Unternehmen eben!

Michael

21.02.2013, 18:15 Uhr

Das erinnert mich daran, dass ich mich mal erkundigen wollte, was es mit dem...Chip, würde ich vermuten, auf sich hat, der manch DVD-Film bei liegt. Neben Werbung, Beiheft oder sonstigem, ein Stück Papier in der Grösse der DVD Hülle und in einer Ecke darauf eine Art Chip, oder zumindest etwas elektronisches.

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