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02.04.2013

15:24 Uhr

Dem Fiskus entkommen

So können Privatleute Steueroasen nutzen

VonKatharina Schneider

Von niedrigen Steuern träumen viele. Doch selbst, wer den Geldkoffer über die Grenze in eine vermeintliche Steueroase schafft, kann kaum noch profitieren. Was Vermögende wirklich tun müssen, um dem Fiskus zu entgehen.

Wer Steuern sparen will, muss nicht gleich auf eine ferne Insel auswandern. TripAdvisor

Wer Steuern sparen will, muss nicht gleich auf eine ferne Insel auswandern.

DüsseldorfSchon wieder gibt es eine Steueroase weniger – so zumindest ist es dieser Tage häufig im Zusammenhang mit dem Rettungspaket für Zypern zu hören. Doch für den betuchten deutschen Privatanleger war Zypern aus steuerlicher Sicht schon früher keine Oase mehr. Profitieren können von den niedrigen Steuern meist nur noch große Unternehmen.

Schon seit Ende 2011 gibt es ein Steuerabkommen zwischen Deutschland und Zypern, das nicht mehr nur die Doppelbesteuerung, sondern auch sogenannte Steuerverkürzungen verhindern soll. Steueroasen trocken legen, das ist schon seit Jahren das erklärte Ziel der OECD – der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – und vieler Finanzminister.

Welche Strafen Steuertricksern drohen

10.000 Euro hinterzogen

Hier wird in der Regel eine Geldstrafe verhängt, die in etwa einem Jahresnettoeinkommen des Steuerpflichtigen entspricht.

Tagessätze

Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln die Geldstrafe nach so genannten Tagessätzen. Der Geldbetrag für einen Tagessatz soll dem Tagesnettoeinkommen entsprechen.

Berechnung des Tagesatzes

Hat jemand ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto und Abzüge von 20.000 Euro für Steuern, Versicherungen und ähnlichem, so wäre der Tagessatz 82 Euro (gerechnet: 30.000:365).

Anzahl der Tagessätze

Bei einer Hinterziehung von 10.000 Euro werden in der Regel 365 Tagessätze verhängt. Das bedeutet im Beispielsfall 365x82 = 29.930 Euro. Die Geldstrafe läge also bei rund 30.000 Euro.

Verhältnis zur hinterzogenen Steuer

Bei hohen Einkommen kann laut Experten die Strafe durchaus höher als die hinterzogene Steuer sein. Schließlich soll sich Steuerhinterziehung ja nicht lohnen.

20.000 Euro hinterzogen

Bei 20.000 Euro kommt man zu rund 440 Tagessätzen. Die Strafe läge im Beispielsfall dann 36.080 Euro.

Regionale Unterschiede

Es ist bekannt, dass in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich streng bestraft wird. Eine interne Tabelle weist dies nach. Insofern gelten die hier genannten Strafrahmen nicht absolut, sondern sind lediglich Faustregeln.

Schwere Vergehen

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Az. 1 StR 525/11) ist die Chance, auch bei schweren Steuervergehen um eine Haftstrafe herumzukommen, deutlich gesunken. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Augsburg kassiert, das einen Unternehmer wegen 1,1 Millionen Euro hinterzogener Steuern nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte. Dieses Strafmaß sei zu gering, entschied der BGH. Das Urteil liegt im Trend, glaubt Martin Wulf von der auf Steuerstrafrecht spezialisierten Kanzlei Streck Mack Schwedhelm: „In der Tendenz ziehen die Sanktionen an“, sagt der Jurist.

Insbesondere die USA und Deutschland machten zuletzt ordentlich Druck: Sogar mit Singapur, das zwischenzeitlich als Fluchtort für Gelder aus der Schweiz gehandelt wurde, hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ein neues Steuerabkommen vereinbart. Das soll die international vereinbarten OECD-Standards für den Informationsaustausch enthalten. Künftig sollen also Daten über Kapitalerträge von Bundesbürgern nach Deutschland übermittelt werden.

„Fast im Monatstakt hat Deutschland im vergangenen Jahr Steuerinformationsabkommen mit anderen Ländern abgeschlossen“, sagt der Berliner Steuerberater Markus Deutsch. „Ein Land, in dem Schwarzgeld noch wirklich sicher ist, gibt es nicht mehr.“ Die Welt sei zu stark vernetzt, der Druck enorm gewachsen und täglich könnten neue Abkommen folgen. „Wir sehen eine Entwicklung vom absoluten Steuergeheimnis hin zum gläsernen Steuerzahler“, so Deutsch.

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

02.04.2013, 15:40 Uhr

Wie sagte Westerwelle so schön: Das Problem ist nicht die Steuer-Oase, sondern die Wüste drumherum.

Für mich ist die Entscheidung bereits vor einiger Zeit gefallen: Bevor ich mich in Deutschland steuerlich ausquetschen lasse, arbeite ich einfach weniger.

So habe ich auch Zeit hier auf dem HB zu posten :)

Und nachher gehe ich schön 2-3 Stunden mit den Hund raus. Sollen doch die anderen Deppen Leistungsträger spielen und den ganzen Moloch finanzieren.

Account gelöscht!

02.04.2013, 16:15 Uhr

Coole Einstellung!
Es ist eine Sache, sich dafür zu entscheiden, professioneller Leistungsbezieher zu werden.
Aber dann auch noch die anderen, die ja Ihre Lebensweise unbekannterweise mitfinanzieren, als "Deppen" zu bezeichnen, ist mehr als fragwürdig.

Hochachtungsvollen Gruß an Ihren Hund. Muss ja ein ganz besonderes Kerlchen sein, wenn er es mit Ihnen aushält.

Holger

02.04.2013, 16:16 Uhr

Richtig spannend würde das Thema ohnedies erst wenn man in die Feinheiten von Gebieten wie der City of London (die mit Großbritannien eigentlich gar nichts zu tun hat), dem Vatikan und dergl. in Verbindung mit den Feinheiten unserer "Geldmaschinen" wie vor allem der FED einsteigen würde.

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