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29.04.2013

16:43 Uhr

Der gierige Comdirect-Vertrieb

Immer einen starken Fuß in der Tür

VonBarbara Moormann

ExklusivEin Urteil stellt ehemalige Berater einer Tochter der Comdirect Bank ins Zwielicht. Freie Vermittler sollen den Kunden Schrott-Fonds angedreht haben. Was sie kassierten und wie sich Kunden dagegen wehren.

Fühlen Anleger sich von ihrem Berater falsch verraten, landet der Streit oft vor Gericht. dpa

Fühlen Anleger sich von ihrem Berater falsch verraten, landet der Streit oft vor Gericht.

MünchenIn Zeiten der Euro-Krise mit Milliarden-Rettungspaketen sind 20.000 Euro nicht viel Geld. Für einen Privatanleger ist es aber eine stattliche Summe. Vor allem, wenn er sich von seinem Bankberater falsch beraten fühlt. Sich das Geld vor Gericht zurück zu erstreiten, ist mühsam. Die Beweislast liegt beim Kunden. Viele versuchen es trotzdem.

Das Landgericht Stuttgart hat sich jetzt mit den Aufklärungspflichten von Finanzvermittlern befasst. In dem Urteil von 24. Januar 2013, das Handelsblatt Online exklusiv vorliegt, wurde hier die Comdirect Bank dazu verurteilt, einem Anleger die Summe von 20.000 Euro zurückzuzahlen.

Anwalt im Interview: „Provisionen bis zu 14 Prozent“

Anwalt im Interview

„Provisionen bis zu 14 Prozent“

Ehemalige Comdirect-Mitarbeiter sollen auf Kosten ihrer Kunden geheime Provisionen kassiert haben, erklärt der Münchner Rechtsanwalt Nikolaus Sochurek. Damit nicht genug: Andere Banken sollen ebenso verfahren haben.

Die Bank wurde wegen fehlerhafter Anlageberatung im Hinblick auf Provisionen (Az. 6 O 135/12) zur Rückzahlung verpflichtend. Zwar ist dieses Urteil nicht rechtskräftig. Trotzdem wirft es einen dunklen Schatten über die Anlageberatung der Comdirect Private Finance AG (cpf), einer ehemaligen Tochter der Direktbank. Da andere Institute ähnliche Vertriebssysteme betrieben, stehen auch sie im Zwielicht.

Bei dem aktuellen Urteil gegen die Comdirect ging es um einen Beteiligungserwerb im Februar 2006. Damals kaufte ein Anleger eine Beteiligung am LF Flottenfonds VIII für 20.000 Euro. Zusätzlich zahlte er drei Prozent Agio und eine Kapitalerhöhung von 800 Euro. Laut Urteil soll neben dem Agio zusätzlich eine Provision von mindestens acht Prozent geflossen sein.

Für diese Fonds müssen Sie so viel Provision zahlen

Containerfonds

Dritte Schröder Container Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG / Provision: 8,5 Prozent

Gemischter Fonds

MPC Beteiligungsgesellschaften Best Select 6 / Provision: 8 Prozent

Hypothekenfonds

HPC US Hypotheken Zwei Renditefonds GmbH & Co. KG / Provision: 8,5 Prozent

Schiffsfonds

Majorna Mobiliengesellschaft (SeaClass 8) mbH & Co. KG / Provision: 12 Prozent
Ownership Tonnage III GmbH & Co. KG /Provision: 14 Prozent
Ownership Tonnage II GmbH & Co. KG / Provision: 13 Prozent
Zweite Lloyds Fonds TradeOn Portfolio GmbH & Co. KG Best of Shipping II / Provision: 9 Prozent
Best Of Shipping I Erste Lloyd TradeOn Portfolio GmbH & Co. KG / Provision: 9 Prozent
MPC MS "Santa B-Schiffe" mbH & Co. KG / Provision: 14 Prozent
Lloyd Fonds Schiffsportfolio III / Provision: 11 Prozent
KGAL SeaClass 6 MUNDAN Mobiliengesellschaft mbH & Co. KG / Provision: 12 Prozent
LF Flottenfonds IV / Provision: 14 Prozent

Immobilienfonds

Hanseat. Immobilienfonds Holland XXVI GmbH & Co. KG / Provision: 8 Prozent
GENO Saturn Power/T-Center Immobilienbeteiligungsholding GmbH & Co. KG / Provision: 8,5 Prozent
KGAL European Real Estate GmbH & Co., Nr. 1 KG / Provision: 6 Prozent

Dachfonds

European Real Estate GmbH & Co., Nr. 1 / Provision: 6 Prozent

Infrastrukturfonds

KGAL European Infrastructure GmbH & Co., Nr. 1 KG / Provision: 9 Prozent

Zwar habe der Anleger nachgefragt, ob neben dem Agio noch weitere Kosten anfallen würden. Doch sei er hierauf vom Berater der Comdirect Private Finance falsch informiert worden. Er habe „objektiv unzutreffend“ geantwortet, dass es keine weiteren Kosten gebe würde. Die Richter stellen also eindeutig fest, dass der Berater nicht versehentlich, sondern ganz bewusst falsch informierte.

Involviert war wie gesagt nicht die Comdirect Bank, sondern die Tochter cpf. Diese agierte seit Oktober 2003 als 100-prozentige Tochter der Comdirect. Im Stuttgarter Urteil heißt es, dass die Bank über diese Tochter Finanz- und Vermögensberatung durch selbstständige, erfolgsabhängig vergütete Handelsvertreter angeboten habe. Inzwischen wurde die Tochter wieder mit der Bank verschmolzen.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

29.04.2013, 17:11 Uhr

Selbst schuld, wer sich mit solchen Drückern einlässt. Die Leute von der Sparkasse sind aber heute auch nicht mehr besser. Der Vertriebsdruck ist halt enorm.

Finanzberater? Nein danke, da mach ich's mir lieber selbst...

jargondefriaul

29.04.2013, 18:11 Uhr

"Nein danke, da mach ich's mir lieber selbst..." - UND GLEICH angepackt am späten Nachmittag, hä?

Querbanker

29.04.2013, 18:26 Uhr

Seine Sie mir nicht böse, aber das ist nur ein tendenziöser Bericht über böse und gierige Berater. Was hat denn die Höhe einer Abschlußprovision mit der Sicherheit und der erwarteten Ertragshöhe oder Verlust zu tun?
Nein, hier suchen findige Juristen Ausstiegsmöglichkeiten aus Anlagen die auf die Verlustschine geraten sind!

Es war immer so, dass den Anleger der Ausgabeaufschlag von Fonds nicht gejuckt hat, Hauptsache der Fonds hat sich jedes Jahr gut entwickelt.
Seit dem Jahr 2000 ab dem die Banken Weltweit nur Sch... gebaut haben, möchte mancher Anleger seine Verluste über eine Klage zurück. Pfui Deubel solche Charakter. Erst Zocken, dann den Unschuldigen markieren und am Ende klagen. Hilfe Mama der böse Mann hat mir einen falschen Provisionssatz genannt, ich will meinganzes schönes Geld wieder. Ich sage jedem Käufer, dass er schon ein Risiko eingeht wenn er 500 Euro in Bar im Geldbeutel mit sich führt und in die Straßenbahn einsteigt!
Im Übrigen ist mit einem Ausgabeaufschlag von 5% auch immer die Betreuung des Kunden in Zukunft abgegolten gewesen.
Der Kunde, der das nicht übersieht, soll den Anlagemärkten fern bleiben und das Festgeld suchen. Das Schaaf hat im Rudel der Wölfe nichts verloren!
Und lasst endlich die wenigen Einzelbeispiele unterden Tisch fallen. Jeder kennt die alte Oma die ihre letzten 20.000 Euro Ersparnis einem windigen Berater hinterher geworfen hat. Fragt man genau nach und bittet um den Namen der Oma, stellt sich alles als beim Friseur gehört heraus.

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