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07.07.2011

09:12 Uhr

Der Streitfall des Tages

Wenn Anwälte Jagd auf Internetnutzer machen

VonBettina Blaß

Ohne es zu wissen verstoßen viele Internetnutzer wenn sie Musiktitel und Filme übers Internet mit anderen teilen gegen geltendes Recht. Anwälte mahnen in solchen Fällen hohe Summen an. Was Betroffene tun können.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall


Es war kurz nach seinem Umzug, als Stefan T. aus Bonn plötzlich Mails bekam, die nicht für ihn bestimmt waren. Er wunderte sich darüber, aber da das Problem nach kurzer Zeit von selbst aufhörte, hatte er es schnell wieder vergessen. Bis er plötzlich Post von einem Rechtsanwalt bekam.

Rund 6.500 Euro sollte er bezahlen für Musik, die er angeblich aus dem Internet heruntergeladen hatte: Lieder von den Höhnern, Herbert Grönemeyer, Modern Talking oder Marius Müller-Westernhagen. Da er sich keiner Schuld bewusst war, sprach er seine beiden Söhne, 16 und 18, auf das Problem an, und inspizierte deren Computer.

Dort war keine Filesharing-Software zu finden. Diese Software muss man herunterladen, wenn man Musik und Filme aus dem Internet ziehen möchte. Filesharing heißt zu deutsch „Dateien teilen“. Stefan T. bestreitet, dies getan zu haben. Er sollte trotzdem eine Unterlassungserklärung unterschreiben und wurde immer wieder aufgefordert, einen Vergleich zu schließen.

Da Stefan T. dafür keinen Grund sah, ließ er sich darauf nicht ein. Und beauftragte den Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke, das Problem zu lösen. Der vertritt mit seinen Kollegen derzeit 13.000 Bürger, die des illegalen Filesharings bezichtigt werden. „Es gibt Tage, an denen rufen etwa 70 bei uns an. Etwa 200 bis 300 liegen in der gleichen Schadenshöhe wie Stefan T., die anderen sollen etwas weniger bezahlen“, sagt er.

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Die Gegenseite


Rasch Rechtsanwälte in Hamburg ist eine von vielen Kanzleien, die wegen illegalen Filesharings abmahnen. Sie arbeitet für die Großen in der Branche und vertritt beispielsweise Universal Music, Sony Music Entertainment Germany, Warner Music Group Germany und EMI Music Germany.

Clemens Rasch: “Es geht beim Filesharing nicht nur darum, ein Album oder einzelne Titel herunterzuladen. Schwerer ins Gewicht fällt, dass gleichzeitig Musikstücke oder Filme von anderen kostenlos übers Internet angeboten werden. Dadurch kann beispielsweise ein Lied viele Tausend Mal von anderen heruntergeladen werden.“

Gerichte schätzten den Schaden für den Künstler pro Stück auf 150 bis 300 Euro. Bei einem Album, das beispielsweise über Apples iTunes, einen Online-Shop für Musiktitel, 9,99 Euro kostet, können so etwa 1.000 Euro Schadenersatz verlangt werden. Hinzu kommen die Anwalts- und Gerichtskosten.

Kommentare (7)

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Konrad

07.07.2011, 09:42 Uhr

Wieso Vorratsdatenspeicherung?
Soweit ich über Gulli u.a. mich informiert habe, ist die Sache komplizierter. Über Spyware Agenturen werden in den P2P Portalen die IPs geloggt.
Von der Klägerin erfolgt eine Anzeige gegen unbekannt mit IP wegen des Straftatbestands der Urheberrechtsverletzung. Das Verfahren wird später eingestellt, es erfolgt Akteneinsicht. Der Inhaber der IP ist aber nun aktenkundig und es erfolgt die Abmahnung. Das ist das Geschäftsmodell. Da die IPs nach 3-7 Tagen zur Zeit gelöscht werden sollten die Geschäfte sehr erschwert sein.
Mittels der Vorratsdatenspeicherung käme es wieder ins Rollen. Ein Tip: Streams sind angeblich sehr schleckt zu loggen. Also besser streamen als downloaden!!

Nachdenker

07.07.2011, 11:24 Uhr

Sehe ich das richtig, daß evtl. Handlanger der Musikriesen hinter Tauschportalen stecken können, die auf diese Weise durch juristische Tricks, sprich Erpressung, deren Gewinn aufbessern?
Denkbar wäre es doch, oder?

flyingfridge

07.07.2011, 12:10 Uhr

Nicht nur denkbar, alles schon da gewesen: Die Lobbyorganisation "Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU)" hat schon selber Donwload-Server betrieben, um Leute damit in die Falle zu treiben. Siehe z.B.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/GVU-Fahnder-als-Raubkopierer-Komplizen-Update-172212.html

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