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16.05.2011

13:36 Uhr

Der Streitfall des Tages

Wenn Versicherer 90 Prozent der Schadenfälle nicht abdecken

VonDörte Jochims

Versicherte müssen fürs Alter vorsorgen. Doch manche Tarife der Pflegezusatzversicherung entpuppen sich als wertloser Nepp. Wann Versicherte leer ausgehen und wie sie an gute Produkte gelangen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.


Der Fall


Mit 9,90 Euro im Monat wirbt derzeit die Ergo Direktversicherung für ihren Tarif Pflege-Schutz. Diese Pflegezusatzversicherung ergänzt die gesetzliche Pflegeversicherung, die im Ernstfall nur die Grundkosten deckt.

So fallen bei stationärer Pflege der Stufe Drei rund 3.000 Euro pro Monat an. Die Hälfte davon müssen Betroffene selber stemmen. Reichen die eigenen Mittel nicht, werden enge Angehörige zur Kasse gebeten, danach zahlt der Staat. Eine Police, die das verhindert, kostet für eine 35 jährige Frau bei Ergo Direkt besagte 9,90 Euro.

Der Haken: Der Versicherer springt nur bei der höchsten Pflegestufe ein. Doch nur 8,3 Prozent der Pflegebedürftigen rangieren in dieser Liga. Statistisch gesehen schließt der Anbieter also 91,7 Prozent aller möglichen Schadensfälle aus. Kunden können zwar beim Pflege-Schutz-Tarif die Pflegestufe 2 hinzu wählen. Doch dann verteuert sich der Beitrag empfindlich. Laut Thorsten Rudnik, Vorstand beim Bund der Versicherten enthalten zehn bis zwanzig Prozent der Policen eine solche Ausschlussklausel.

Die Gegenseite

Auf Anfrage von Handelsblatt Online verweist die Ergo Direktversicherung auf eine Darstellung, die in der Februarausgabe von Finanztest erschien. Laut Stiftung Warentest bestehe beim Pflegefall die höchste finanzielle Lücke in der Pflegestufe III. Daher könnte beispielsweise ein Verbraucher die - nicht ganz so finanziell belastenden - Pflegestufen I und II selbst finanzieren, die teuerste Pflegestufe III dagegen mit zusätzlichen Leistungen aus einer Pflegezusatzversicherung absichern.

Und für diesen Fall sei der Tarif PTS in erster Linie gedacht. „Im Übrigen ist dieser Tarif ein Produkt, dass in seiner Fokussierung auf die schwerste Pflegestufe III zwar als Versicherungsprodukt in der Branche einzigartig ist, als Pflegetarif aber durchaus den Gepflogenheiten des Marktes entspricht,“ sagt Frank Roth, Leiter der Unternehmenskommunikation bei ERGO Direkt.

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Kommentare (1)

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16.05.2011, 16:02 Uhr

Soso, die Ergo mal wieder.
Wahrscheinlich haben sie diese Gepflogenheiten locker von der Victoria übernommen - die war nämlich schon immer im Kleingedruckten sehr kreativ, mit Vertretern, die echt auch "Bangemachen" spezielaisiert waren.

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