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20.03.2014

13:25 Uhr

Detektiv im Interview

„Blaumachen ist Volkssport“

VonJens Hagen

Die Zahl der Krankmeldungen steigt. Arbeitgeber beauftragen Detektive, um Blaumacher zu entlarven. Einer davon verrät, wie er observiert, wann Mitarbeiter den Job riskieren und warum Chefs Fälle konstruieren möchten.

Blaumacher im Visier: Eine Detektivin bei der Arbeit. PR

Blaumacher im Visier: Eine Detektivin bei der Arbeit.

Herr Lentz, jeder Arbeitnehmer meldet sich im Schnitt knapp drei Wochen pro Jahr krank. Der Winter war mild, eine Epidemie ist nicht in Sicht. Warum steigen die Krankenstände?
Tja, da liegt natürlich die Vermutung nahe, dass viele Mitarbeiter krankfeiern. Laut der Auswertung einer Krankenkasse stiegen die Fehlzeiten 2013 um knapp 25 Prozent, ohne das es dafür einen triftigen Grund gibt.

Marcus Lentz ist Geschäftsführer der gleichnamigen Detektei. PR

Marcus Lentz ist Geschäftsführer der gleichnamigen Detektei.

Viele Vorgesetzte ärgern sich über Mitarbeiter mit hohen Fehlzeiten. Wie häufig machen Mitarbeiter blau?
In Deutschland gibt es dazu leider keine verlässliche Statistik. In unserer Detektei gehen wir jedes Jahr rund 400 Fällen nach, bei denen ein Anfangsverdacht der unrechtmäßigen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall vorliegt. In acht von zehn Fällen können wir nachweisen, dass die Mitarbeiter sich nicht um ihre Genesung bemühen, sondern ihren Hobbys oder sogar Zweitjobs nachgehen. Natürlich melden sich bei uns nur Unternehmer, die bereits eine Vorauswahl getroffen haben.

Wer meldet sich bei Ihnen, um seine Mitarbeiter überwachen zu lassen?
Verschiedene Branchen. Häufig sind etwa Handwerker, Kfz-Gewerbe, Gartenbau, Bauindustrie, aber auch Dienstleister. In einigen Branchen erleben wir Sonderkonjunkturen. Beim Gartenbau werden beispielsweise häufig Mitarbeiter in den Sommermonaten krank. Dann erhalten sie das Geld vom Chef und können gleichzeitig schwarz bei anderen Auftraggebern anheuern. Blaumachen ist ein Volkssport.

Wie Unternehmen Führungskräfte weichkochen

Zielvorgaben

Aufgaben und Aufträge werden unbestimmt gehalten und laufend verändert.

Zeugnis

Schlechte Beurteilungen werden bewusst erstellt um spätere Ablehnungen in internen Bewerbungsprozessen zu rechtfertigen.

Überforderung oder Degradierung

Projektaufgaben werden ohne die erforderlichen Sach- und Personalressourcen übertragen.

Sterbezimmer

Führungskräfte werden in besondere Abteilungen ausgegliedert.

Listenplatz

Führungskräfte werden auf besondere „schwarze“ Listen gesetzt. Quelle: Abeln Rechtsanwälte.

Feiern auch Vorgesetzte krank?
Ja. Wir hatten sogar Geschäftsführer, die trotz Attest an der Gründung eines anderen Unternehmens arbeiteten.

Wie ermitteln Sie?
Vor der Observation klären wir alle Eventualitäten. Fährt die Person gerne Rad oder Motorroller? Hat sie bestimmte Hobbys? Dann folgen wir dem Mitarbeiter, wenn er das Haus verlässt und dokumentieren die Aktivitäten per Bild und Video. Wir setzen dazu etwa Videokameras in Brillen ein und haben sogar Armbanduhren, mit denen wir fotografieren können.

Kommentare (4)

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20.03.2014, 15:51 Uhr

Also ich finde diese Schnüffler/Schergen absolut unter aller Sau und klar auf der untersten Ebene. So was würde ich nicht machen.
Blaumachen ist zwar auch nicht akzeptabel und schadet dem Unternehmen. Aber da gibt es meist immer eine ganze Story dazu.
Aber solche bezahlten Denunzianten ... Pfui ! Widerlich !

Account gelöscht!

20.03.2014, 18:31 Uhr

Ich bin verwundert über dieses "Interview".

Wieso ist es gestaltet wie die kostenlose Werbung eines Dienstleisters im Handelsblatt u.a. mit Preisangaben?

Wo bleiben die kritischen Anmerkungen des Journalisten zu rechtlich (insbesondere datenschutzrechtlich und strafrechtlich) fragwürdigen Aussagen?
In concreto: "...Wir können alles fotografieren, so lange wir keine Hilfsmittel anwenden oder uns ungebetenen Zugang verschaffen...
Und? Haben Sie den Mann auf frischer Tat erwischt?
Nein. Er bat uns herein und wir sahen sofort sein Krankenlager, auf das er sich schwer hustend zurückzog. Wir machten ein Foto von der Couch mit einer versteckten Kamera. In diesem Fall durften wir das, weil wir den Observanten so vor falscher Verdächtigung schützen konnten."

--) Ist das so? Durfte die Detektei das tatsächlich?
Ich empfehle in der gebotenen Kürze an dieser Stelle grundsätzlich die Lektüre von Art. 13 I GG, das Lesen des § 201a StGB (Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen) sowie der §§ 43, 44 BDSG. Des Weiteren hilft die Kenntnisnahme der entsprechenden Kommentierungen und der höchstrichterlichen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes zu Fragen der prozessualen Beweisverwertung u.a. in Kündigungsschutzprozessen, um diese Aussage mit Bedenken sacken zu lassen.

Um es klar zu sagen: Wohnungen von außen oder innen ohne Einverständnis des Betroffenen zu fotografieren, kann zumindest einen Datenschutzverstoß darstellen. Wird zudem der Arbeitnehmer in der Wohnung abgelichtet, sind wir zusätzlich schnell beim Straftatbestand des § 201a StGB.

Schade, dass Herr Hagen als verantwortlicher Redakteur an keiner Stelle kritisch hinterfragt hat, sondern undifferenziert alles als "Gott gegeben" hingenommen hat.

Detektivarbeit ist wesentlich komplexer und juristisch anspruchsvoller als hier vermittelt. Spätestens ein Richter wird das im konkreten Fall zum Ausdruck bringen.

Rechtsassessor Paul H. Malberg, Wirtschaftsdetektei PROOF-MANAGEMENT GMB

Account gelöscht!

20.03.2014, 18:41 Uhr

Tatsächlich ist die Abwesenheitsquote wegen Krankheit bei den Beamten am höchsten. Grund: Das volle Gehalt läuft weiter, keine Möglichkeit der Kündigung. Ich sehe diese trotz Krankheit oft auf dem Golf- bzw. Tennisplatz.
Dann machen diese auf burn-out und erzwingen ihre Pensionierung. Gerade die öffentlichen Arbeitgeber sollten öfter mal eine Detektei einschalten. Tun sie aber nicht, der Steuerzahler zahlts ja.

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