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21.03.2011

17:41 Uhr

Deutsche Bank vor dem BGH

„Einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen“

VonHannes Vogel

Toilettenartikelhersteller gegen Deutsche Bank: Heute entscheidet der Bundesgerichtshof erstmals über hochriskante Zinswetten – und könnte eine neue Ära in der Finanzbranche einläuten. Hat die Bank ihre Kunden betrogen?

Deutsche-Bank-Tower in Frankfurt: Die Bank muss zukünftig auf ihre Interessenkonflikte hinweisen. Quelle: Reuters

Deutsche-Bank-Tower in Frankfurt: Die Bank muss zukünftig auf ihre Interessenkonflikte hinweisen.

Schaut man sich die Kräfteverhältnisse an, scheint die Sache klar: Auf der einen Seite steht die Deutsche Bank, das größte deutsche Geldhaus mit vier Milliarden Euro Jahresgewinn. Auf der anderen Seite die Ille GmbH – ein hessischer Mittelständler, dessen Handtuch- und Klopapierhalter den meisten Deutschen bekannt sein dürften.

Doch so einfach ist die Rechnung nicht. Die Ille GmbH hat von der Deutschen Bank 2005 einen sogenannten Spread-Ladder-Swap gekauft, eine hochkomplexe Wette auf die Differenz zwischen langfristigen und kurzfristigen Zinsen. Die Wette ging schief, der Mittelständler verlor eine halbe Million Euro.

Die versucht sich Ille nun vor Gericht zurückzuholen. Die Bank habe nicht ausreichend über die Risiken und Strukturen aufgeklärt, so der Vorwurf. Sogar von „arglistiger Täuschung“ ist die Rede. Bis zum BGH hat sich das Unternehmen durchgeklagt.

Heute wird das oberste deutsche Zivilgericht in dem Streit entscheiden – und der Bank dabei mit großer Wahrscheinlichkeit eine Schlappe zufügen. Selbst wenn die Richter die Bank nicht zu Schadensersatz verurteilen und das Verfahren nur an das Oberlandesgericht Frankfurt zurückverweisen, droht der Bank ein empfindlicher Imageverlust – und der Finanzberatung in Deutschland eine Revolution.

Denn in dem Verfahren geht es um die sensible Frage: Hat die Bank ihren Kunden mit den hochkomplexen Zinswetten absichtlich hinters Licht geführt? Und waren die für den Kunden überhaupt geeignet?

Die Antworten, die BGH-Richter Ulrich Wiechers heute auf diese Fragen gibt, könnten möglicherweise nicht nur die Deutsche Bank, sondern die gesamte deutsche Finanzbranche betreffen.

Denn die Zinswette hatte bei Abschluss einen negativen Marktwert. Die Ille GmbH musste erst einen Rückstand von 80.000 Euro aufholen, um mit dem Produkt Gewinn einzufahren – Kosten, Risiko und Gewinn der Bank waren schon von Anfang an zulasten des Mittelständlers eingepreist. In der mündlichen Verhandlung am 8. Februar sagte Wiechers, das Institut habe nicht genug getan, diesen Interessengegensatz mit dem Kunden aufzulösen.

Kommentare (7)

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AndreAdrian

21.03.2011, 20:18 Uhr

eine zweite Finanzkrise

Der DB Anwalt kennt wohl nicht die Ursache der erste Finanzkrise: Die Ursache war Unehrlichkeit. Schlechte Risiken aus USA wurden solange hin und her verrechnet bis sie handelbar wurden. Die toxic papers wurden dann weltweit verteilt und haben uns einen ordentlichen Schaden gebracht.
Der Richter will mehr Transparenz in die Zocker-Deals der Banken bringen - wie soll dadurch eine zweite Finanzkrise ausgelöst werden? Vielleicht erreicht Hr. Ackermann nicht seine 25% Rendite, aber auch davon wird keine Finanzkrise ausgelöst.
Ein Anwalt einer Bank, welcher einem Richter Geschichten über Wirtschaftskatastrophen erzählt, kann im Plädoyer hoffentlich eine gute Argumentationskette aufbauen warum Transparenz zur Finanzkrise führt.

Kronecker

21.03.2011, 21:53 Uhr

Was soll an einer Differenz hoch-komplex sein? Ich finde nichts. An einem negativen Marktwert auch nichts. Das ist Grundschulrechnen.

tuktuk

22.03.2011, 07:19 Uhr

Wer ein Produkt nicht versteht sollte es auch nicht kaufen. Oder - wer wettet - muss auch damit rechnen dass er verliert. Lachhaft ein Gericht zu bemuehen. Typisch DeutschT

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