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03.04.2015

16:59 Uhr

Dividenden aus dem Ausland

So holen Sie sich die Quellensteuer zurück

VonKatharina Schneider

Dividendenzahlungen sind eine Freude für Aktionäre. Dumm nur, wenn ein ausländischer Fiskus mitverdient. Wie Anleger die Steuern zurückbekommen und welche steuerlichen Folgen Fusionen haben können.

Wer Dividenden aus dem Ausland bekommt, muss auch mit dem ausländischen Fiskus rechnen. Getty Images

Weltweit investieren

Wer Dividenden aus dem Ausland bekommt, muss auch mit dem ausländischen Fiskus rechnen.

DüsseldorfDividendenstarke Aktien sind beliebt und die Ausschüttungen der Unternehmen werden gerne als „die neuen Zinsen“ bezeichnet. Doch zu den verlässlichen Dividendenzahlern gehören nicht nur heimische Unternehmen wie die Allianz und Fresenius, sondern beispielsweise auch Coca-Cola in den USA und Nestlé in der Schweiz. Aktien im Ausland zu kaufen, ist eigentlich kein Problem. Kompliziert wird es aber bei der Besteuerung der Erträge. Wenn Dividenden und Zinsen von einem Land ins andere fließen, halten gleich zwei Staaten die Hand auf. Grundsätzlich gilt zwar: Wer in Deutschland steuerpflichtig ist, muss seine Einnahmen auch in Deutschland versteuern. Doch bei Ausschüttungen von Kapitalgesellschaften wird eine Quellensteuer in dem Land erhoben, wo der Kapitalertrag anfällt.

Ein Beispiel: Ein Anleger besitzt Nestlé-Aktien und hat Anspruch auf umgerechnet 1000 Euro Dividende. Davon behält der Schweizer Fiskus 35 Prozent ein. Dem Anleger bleiben also noch 650 Euro. Zusätzlich würde nun eigentlich auch das deutsche Finanzamt 25 Prozent Abgeltungsteuer auf die ursprüngliche Dividende erheben – dann blieben dem Anleger nur noch 400 Euro übrig. Dank eines Doppelbesteuerungsabkommens wird dieser zweifache Abzug jedoch verhindert. Das Abkommen mit der Schweiz besagt, dass 15 Prozent Quellensteuer auf die deutsche Steuerschuld anrechenbar sind. Die übrigen 20 Prozent kann der Anleger beim Schweizer Fiskus zurückfordern.

Software für den Steuerdschungel

Steuer-Software

Computerprogramme sind eine gute Alternative zu ellenlangen Steuerformularen. Sie übernehmen das Ausfüllen und geben Tipps zum Steuersparen. Die Kosten für die Software sind sogar von der Steuer absetzbar. In komplizierten Fällen ist ein Lohnsteuerhilfeverein oder ein Steuerberater aber meist die bessere Wahl.

Günstige Programme

Es gibt zwei Klassen von Steuersoftware. Preiswerte und schlichte Lösungen kosten ab zehn Euro und sind teils auch im Supermarkt zu haben. Sie helfen bei einfachen Steuerfällen. Auch das kostenlose Programm Elster-Formular der Finanzämter ist für einfache Fälle geeignet - hier gibt es allerdings keine Steuerspartipps.

Teure Programme

Wer hohe Werbungskosten etwa für Fahrten oder doppelte Haushaltsführung hat, ist mit den umfangreichen und teureren Programmen besser bedient; genauso Kapitalanleger, Immobilienbesitzer und ungeübte Anwender. Wer sich einmal für ein Programm entschieden hat, sollte dabei bleiben. Das spart Zeit fürs Einarbeiten und erleichtert die Übernahme von Daten aus dem Vorjahr.

Installation

Die Installation läuft bei den meisten Programmen problemlos. Das Nachsehen haben manchmal Nutzer von Apple-Computern oder Rechnern mit Linux: Die meisten Programme gibt es nur für Windows. Eine Alternative sind reine Internetprogramme - diese haben manchmal aber nur wenige Detailfragen. Aufpassen sollten Anwender, dass ihnen bei der Installation keine kostenpflichtigen Update-Abonnements angeboten werden.

Aktualisierung

Bei allen Programmen ist direkt nach der Installation eine Aktualisierung Pflicht, weil bei der Programmierung die neuesten Steueränderungen noch nicht berücksichtigt wurden. Die Hersteller verbessern die Programme zudem laufend und merzen dabei Fehler aus. Diese Updates sollte die Software auf jeden Fall kostenlos anbieten.

Erste Schritte

Am Anfang steht bei allen Programmen die Eingabe der persönlichen Daten wie Name, Adresse, Anzahl der Kinder, Steuernummer und zuständiges Finanzamt. Danach wählt das Programm die benötigten Formulare aus.

Menüführung

Die meisten Programme bieten verschiedene Wege zur Eingabe der Daten. Versierte Benutzer können die einfache Formulareingabe wählen, für Einsteiger bietet sich der Interview-Modus an - hier fragt das Programm Schritt für Schritt die nötigen Daten ab. Bei den meisten Programmen tauchen jeweils Steuerspartipps und Erklärungen auf dem Bildschirm auf, auch gibt es teils Verknüpfungen zu Nachschlagewerken oder erklärende Videos. Die Qualität der Tipps unterscheidet meist die preiswerten von den teureren Programmen.

Ab zum Finanzamt

Viele Programme überprüfen die Eingaben der Nutzer direkt bei der Eingabe oder vor dem Abschluss auf Plausibilität. Elster macht das etwas grober, die Kaufsoftware genauer. So lassen sich vor allem Tippfehler und Zahlendreher vermeiden. Zudem informieren die Programme über den Stand der Steuererstattung oder -nachzahlung. Die meisten Programme schicken die Steuererklärung direkt über das Internet an das Finanzamt.


„Statt der vollen Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent führt die Depotbank nur zehn Prozent an den deutschen Fiskus ab“, erklärt Ellen Ashauer-Moll, Steuerexpertin bei der Kanzlei Rödl & Partner. Im Rechenbeispiel wären das 100 Euro. Da auch noch 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag fällig werden, kämen im Depot also 544,50 Euro an – bei Kirchenmitgliedern wären es 538,73 Euro.

Um die restliche Quellensteuer – im Beispiel 200 Euro – zurückzubekommen, muss der Anleger allerdings ein bisschen Zeit investieren und beim Schweizer Fiskus einen Antrag auf Rückerstattung der zu viel gezahlten Steuer stellen. „Das Schweizer Formular ist relativ übersichtlich, auch Laien können es einfach ausfüllen“, sagt Ashauer-Moll.

Das Erstattungsformular findet sich auf der Website der Schweizer Steuerbehörde und muss gleich drei Mal ausgefüllt werden. „Zur Bestätigung, dass der Antragsteller in Deutschland steuerpflichtig ist, braucht es einen Stempel des deutschen Finanzamts“, erklärt Ashauer-Moll. Mitsamt der Dividendenbescheinigung von seiner Bank sowie einem sogenannten Tax-Voucher schickt der Anleger den Erstattungsantrag dann an den Schweizer Fiskus. „Die Rücküberweisung erfolgt in Schweizer Franken“, so die Steuerexpertin.

Die Erstattungsformulare sind von Land zu Land verschieden, mal müssen drei, mal vier Exemplare ausgefüllt werden und jedes Land hat eigene Fristen, innerhalb derer die Steuer zurückgefordert werden kann. „In der Schweiz müssen Anleger den Erstattungsantrag beispielsweise innerhalb von drei Jahren nach dem Jahr der Entstehung der Quellensteuer stellen“, sagt Ashauer-Moll. Eine Übersicht aller Doppelbesteuerungsabkommen und Erstattungsformulare findet sich beim Bundeszentralamt für Steuern.

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