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12.07.2011

09:45 Uhr

EC-Karten

Wenn in den Ferien das Bargeld ausgeht

VonJessica Schwarzer, Kristin Schmidt

Millionen Deutsche stehen demnächst in New York, Rio oder Tokio ohne Bargeld da. Viele EC-Karten funktionieren an Geldautomaten außerhalb Europas nicht mehr. Welche Kunden betroffen sind.

Eine Geldbörse: Die neuen EC-Karten geben die Banken in Zusammenarbeit mit Visa aus. Quelle: dapd

Eine Geldbörse: Die neuen EC-Karten geben die Banken in Zusammenarbeit mit Visa aus.

Frankfurt / DüsseldorfEine Inselrundfahrt, Souvenirs für die Daheimgebliebenen und eine üppige Fischplatte im Hafenviertel – im Urlaub wird das Bargeld schnell knapp. Kein Problem, der nächste Geldautomat ist oft nicht weit, die Bargeldversorgung gesichert. Das glauben zumindest die meisten Urlauber. Doch sie irren, denn viele Banken haben die Einsatzfähigkeit der EC-Karte eingeschränkt.

„Die meisten erwischt es eiskalt“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Die EC-Karte funktioniert nicht mehr. Sie ist entweder komplett gesperrt für Abhebungen außerhalb Europas oder der Verfügungsrahmen wurde drastisch reduziert.“ Die Beschwerden bei den Verbraucherzentralen häufen sich, vor allem in der Ferienzeit.

Betrüger manipulieren Tausende Geldautomaten

Grund des Übels sind Sicherheitsstandards, welche die Bankkunden vor dem Geldautomatenbetrug schützen sollen. 2010 hatten Betrüger in Deutschland über 3000 Geldautomaten manipuliert, um Magnetstreifen von EC-Karten zu kopieren und so eine Dublette herzustellen. Dann hoben sie meist im Ausland damit Geld ab. Der geschätzte Schaden belief sich laut Bundeskriminalamt auf 60 Millionen Euro.

Die neuen EC-Karten

Sicherheit

Bei den neuen EC-Karten, die die Banken in Zusammenarbeit mit Visa ausgeben, werden die Kundendaten nur noch auf dem goldglänzenden Chip gespeichert. Der als unsicher geltende Magnetstreifen ist auf diesen Karten nicht mehr vorhanden. Viele Banken stellen auf dieses System um, um Kartenmissbrauch vorzubeugen.  

Einsetzbarkeit

Mit den neuen EC-Karten, auch V-Pay-Karten  genannt, kann der Kunde nur noch in Europa und einigen Anrainerstaaten abheben. Zu diesen Staaten zählen Türkei, Schweiz, Kroatien, Norwegen, Andorra, Bosnien-Herzegowina, Island, Israel, Liechtenstein, Monaco, Montenegro, San Marino, Faröer Inseln und Vatikan. Für den Rest der Welt sind sie gesperrt. Herkömmliche EC-Karten mit Magnetstreifen sind weltweit einsetzbar.

Banken

Folgende Banken setzen bereits auf die neuen EC-Karten mit V-Pay: BW-Bank, Deutsche Postbank, Landesbank Baden-Württemberg, Landesbank Berlin, Sparkasse Jens-Saale-Holzland, Sparkasse Niederbayern-Mitte, Sparkasse Traunstein-Trostberg und Wartburg-Sparkasse. Die Genossenschaftliche Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken nutzt das Verfahren ebenfalls, macht aber keine Angaben, welche einzelnen Institute der Gruppe betroffen sind.

Um EC-Karten sicherer zu machen, führten deutsche Banken den sogenannten EMV-Chip ein. Dieser Sicherheitsstandard wurde von den drei Kreditkartengesellschaften Europay, Mastercard und Visa entwickelt und nach ihnen benannt. EMV-Chips können nach deren Angaben nicht kopiert werden. Mittlerweile sind alle EC-Karten darauf umgerüstet.

Die Mehrheit der Geldinstitute behält jedoch bis heute den Magnetstreifen zusätzlich bei, da sich die Chiptechnologie im außereuropäischen Ausland bislang nicht durchgesetzt hat. Somit sind diese Karten innerhalb Europas zwar noch kopierbar, Geld kann mit den Dubletten aber nur außerhalb Europas abgehoben werden.

Um die Sicherheit der Kunden zu erhöhen, ziehen viele Banken die Bremse. Sie haben den Verfügungsrahmen für Bargeldauszahlungen außerhalb Europas heruntergesetzt. Besonders rigoros wenden die Deutsche Bank und ihre Töchter Norisbank und Berliner Bank diese Methode an. Sie haben die Verfügungsgrenze auf null gesetzt. Allerdings können die Kunden diese Blockade jederzeit aufheben – auch aus dem Ausland. Darüber sind die Kontoinhaber laut Pressesprecherin Anke Veil von der Deutschen Bank informiert. „Wer trotzdem erst vor dem Geldautomaten daran denkt, kann die Hotline anrufen und sich schnell und unkompliziert sein Limit einrichten lassen.“ Frank-Christian Pauli, Bankenexperte des Verbraucherzentralen-Bundesverbands, ist skeptisch. Für diese Kunden „kann man nur hoffen, dass sie ihre Legitimationsnummer für die Bankenhotline dabeihaben“.

Wann die EC-und Kreditkarten im Ausland nicht funktionieren

EC-Karte

Mit Maestro-Karten, die das Girokonto sofort belasten, können Bankkunden normalerweise weltweit zahlen oder Geld abheben. Besonders viele Vertragspartner und Geldautomaten stehen in Europa. Trotzdem funktionieren die Karten häufig nicht. Das kann mehrere Gründe haben. Vor Reiseantritt notieren sich Urlauber für alle Fälle Karten- und Kontonummer.

Auffällige Konto-Bewegungen

Bei jeder von einer EC-Karte ausgelösten Buchung läuft im Rechenzentrum der Banken eine Sicherheitssoftware mit, die Betrug frühzeitig erkennen und durch Kartensperren verhindern soll. Dabei kann es auch zu ungewollten Sperren kommen. Für Kunden ist es schwierig, sich darauf einzustellen. So zog ein Institut in Barcelona die Karte eines Studenten wegen auffälliger Bewegungen ein. Er hatte in kurzer Zeit zweimal hintereinander am selben Automaten Geld abgehoben.

Dispo-Auslandssperre

Postbank, Deutsche Bank sowie einige Volks- und Raiffeisenbanken haben die Möglichkeit zur Überziehung bei den EC-Karten fürs außereuropäische Ausland gesperrt. De facto gilt hier ein Null-Limit. Kunden können es auf Anfrage vor einer Reise heraufsetzen lassen. Wer das nicht tut, steht womöglich mit leeren Händen da. Nötig ist dazu ein Anruf in der Filiale.

Minus auf dem Konto

Ist das Konto im Minus, bewegt sich aber innerhalb des Verfügungsrahmens können Kunden im Inland problemlos Geld mit ihrer Karte ziehen. Im Ausland steht dieser Verfügungsrahmen bei manchen Banken plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Vor allem Länder außerhalb der Eurozone sind von dieser Regelung oft betroffen.

Technische Pannen

Neben Defekten an Chips oder Magnetstreifen ist ein weiterer Grund für das Nichtfunktionieren der Karten die Umstellung der Institute auf ein neues Bezahlsystem. So wird bei EC-Karten in Deutschland seit einigen Jahren mit dem Maestro-System bezahlt. Das ist ein Abbuchungsdienst vom Kreditkarten-Unternehmen MasterCard, das mittels Magnetstreifen funktioniert. Da Chipkarten als sicherer gelten, führen manche Institute so genanntes V-Pay ein, das Konkurrenz-Produkt von Visa. Vor allem die Postbank rüstet hier um. Wermutstropfen: Einkaufen mit der neuen Karte Glückssache. Denn längst nicht alle Händler haben umgerüstet. Und in beliebten Urlaubsländern wie den USA oder Ägypten funktioniert die Technik generell nicht.

Kreditkarten

Mit ihnen kann man grundsätzlich weltweit zahlen, solange Vertragspartner und Bankautomaten die jeweiligen Karten annehmen. Zum Geldabheben sind Kreditkarten allerdings meist teurer als EC-Karten. Zudem wird selten beim Bezahlen im Inland der PIN verlangt. Viele Kreditkartenbesitzer sollten sich ihre Geheimnummer daher vor dem Urlaub gut einprägen und sich vor Reiseantritt die Kartennummer notieren. Zudem sollten sie sicherstellen, dass die letzte Abrechnung bezahlt ist.

Auffällige Kontobewegungen

Auch bei Kreditkarten sind auffällige Kontenbewegungen und die Auslieferung von defekten Karten ein Thema. Bei auffälligen Käufen oder Abhebungen können Sicherheitsbeamte ohne Nachfrage die Bezahlfunktion abstellen.

Geldreservierungen

Manche Reiseveranstalter, Airlines und Hotels lassen bei einer Reservierung die entsprechende Summe oft im Voraus blocken. Dann ist der Rahmen schneller ausgereizt als gedacht.

Alternative I: Reiseschecks

Sie können vor Antritt der Reise gegen Gebühr in der entsprechenden Landeswährung gekauft werden. Zahlreiche Geldinstitute nehmen sie weltweit an. Vorteil: Die Schecks sind versichert und werden bei Verlust vor Ort binnen 24 Stunden ersetzt, sofern sich der Kunde als Käufer ausweisen kann.

Alterbnative II: Bargeld

Auch wenn es verpönt ist, Cash gehört in jede Urlaubskasse. In einigen Ländern gelten allerdings Obergrenze für die Einführung von Devisen.

Alternative III: Blitzüberweisung

Wenn alle Stricke reißen, das Portemonnaie futsch ist und Urlauber ohne Geld dastehen, besteht die Möglichkeit einer Blitzüberweisung. Der Finanzdienstleister Western Union bietet sie in Zusammenarbeit mit der Postbank und der Reisebank an. Auch MoneyGram ist hier in Kooperation mit den Sparkassen tätig. Damit kann binnen weniger Minuten Geld von einer Postfiliale an eine Auszahlstelle im Urlaubsland überwiesen werden. Wer nicht selbst Online-Kunde bei der Postbank ist, braucht eine Vertrauensperson, die während des Urlaubs in Deutschland ist und sich in eine Postfiliale begeben kann. Nach dem Ausfüllen eines Formulars informiert sie den Urlauber über die Auftragsnummer und teilt mit, wo er sich sein Geld auszahlen lassen kann. Der Empfänger sucht die Agentur auf und erhält mit der Auftragsnummer und der persönlichen Identifikation das Geld.

Kommentare (4)

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Besserwisser

12.07.2011, 10:29 Uhr

Allein die DKB hat inzwischen 2 Mio Kunden die mit Ihrer Kreditkarte weltweit kostenlos Geld abheben können. Dazu kommen noch die Kunden von Cortal Consors, Targobank, MLP, DAB, Postbank, Barclaycard und einigen anderen. Unter Berücksichtigung dieser Fakten das Thema Kreditkarten mit dem Satz "Zum Geldabheben sind Kreditkarten allerdings meist teurer als EC-Karten." abzutun, zeugt schon von einer gewissen Ignoranz. Unwissenheit kann es ja wohl nicht sein, schließlich gab es zu dem Thema schon diverse Artikel.

obiwan2000

12.07.2011, 12:58 Uhr

Sehe ich auch so! Im gegenteil ist in der Regel im Ausland die Kreditkarte günstiger als die girocards. Einseitige Berichterstattung ohne die nötigen Hintergründe. Was ich mich frage: Wer fährt allen Ernstes ohne Kreditkarte in die USA oder nach Asien? Die Artikelschreiber etwa?

Account gelöscht!

12.07.2011, 13:55 Uhr

Apropos Kreditkarte - immer mehr Zapfsäulen in den USA akzeptieren Kreditkarten nur mit US-ZIP-Code-Eingabe. Diese Möglichkeiten fehlen bei den Europäischen MasterCard und AMEX-Kreditkarten (den Unterneghmen ist das bekannt). Die Lösung, die Karten an der Kasse der Tankstelle zu hinterlegen, wird auch immer häufiger zurückgewiesen. Da hilft dann nur noch Bargeld. Eine Lösung seitens der Kartenanbieter ist mir nicht bekannt, obwohl nach Florida nunmehr auch Kalifornien die ZIP-Code-Eingabe flächendeckend eingeführt hat. Darüber habe ich allerdings weder in Zeitungen noch in Informationen der Kreditkartenanbieter etwas gelesen.

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