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22.07.2016

13:14 Uhr

Erbschaftsteuer

Wie Sie Ihr Vermögen für Ihre Erben sichern

VonNiklas Hoyer
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Nachdem sich die Politik bislang nicht auf neue Regeln für die Erbschaftsteuer einigen konnte, macht das Verfassungsgericht jetzt Druck. Schon machen ganz neue Vorschläge die Runde.

Vererben will gelernt sein. dpa

Testament

Vererben will gelernt sein.

Schafft es die Politik nicht, bis Ende September einen endgültigen Kompromiss zu finden, könnten die Regeln insgesamt auf dem Prüfstand stehen.

Dabei dreht sich der Streit eigentlich nur um die Verschonungsregeln für Unternehmenserben. Vor allem der CSU gehen die nach jahrelangen Verhandlungen als Kompromiss gefundenen Verschonungsregeln nicht weit genug, Teile von SPD, Gründen und der Linken halten sie hingegen für übertrieben großzügig.

Schon machen ganz neue Vorschläge die Runde. Ifo-Präsident Clemens Fuest zum Beispiel hat eine Erbschaftsteuer von acht Prozent auf alles vorgeschlagen. Nur die persönlichen Freibeträge sollten dabei erhalten bleiben: „Das wäre die einfachste und gerechteste Lösung.“

Fünf goldene Regeln fürs Vererben

Nachlass sofort prüfen

Auch wenn es traurig ist, drängt die Zeit: Die Erben sollten den Nachlass rasch prüfen, denn nach Bekanntwerden des Erbfalls bleiben nur sechs Wochen Zeit. Innerhalb dieser Frist müssen Erben entscheiden, ob sie das Erbe antreten oder ausschlagen. Da gilt es, vorsichtig zu sein, denn im Erbrecht gilt der Grundsatz, dass nicht nur Vermögen, sondern auch Schulden vererbt werden. Möchte man zum Beispiel ein überschuldetes Erbe ablehnen, muss man dies dem Nachlassgericht erklären.

Quelle: Postbank

Bestattungskosten absetzen

Traueranzeige, Grabstätte und Sterbeurkunde gehen ins Geld. "Ist das Erbe geringer als die Kosten für die Beerdigung, können diese als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend gemacht werden", erklärt Anja Maultzsch von der Postbank. "Das Finanzamt erkennt Beerdigungskosten bis zu einer angemessenen Höhe von 7.500 Euro an."

Erbengemeinschaft: Tipps zur "Auseinandersetzung"

Zwei oder mehr Erben bilden die sogenannte Erbengemeinschaft. Unter ihren Mitgliedern muss der Nachlass gemäß der jeweiligen Erbquote aufgeteilt werden. Da die Gemeinschaft das Erbe gemeinsam verwaltet und nur gemeinsam über sämtliche Nachlassgegenstände bestimmen kann, birgt dies eine Menge Konfliktpotenzial. Es sollte deshalb möglichst zügig zur Aufteilung des Erbes kommen. Der Fachbegriff hierfür lautet "Auseinandersetzung". "Die Auseinandersetzung sollte schriftlich fixiert und von allen Miterben unterschrieben werden", empfiehlt die Postbank Expertin. "Hier kann zum Beispiel vereinbart werden, dass ein Erbe den gesamten Nachlass erhält und er dafür den anderen Erbberechtigten eine Abfindung zahlt. Handelt es sich bei dem Erbe um ein Grundstück oder GmbH-Anteile, muss der Vertrag notariell beglaubigt werden."

Ohne Erbschein geht nichts

Ein Erbschein wird beim Nachlassgericht beantragt. Er weist einen Erben offiziell als solchen aus und beurkundet sein Recht am Nachlass. Benötigt wird er unter anderem gegenüber Behörden, Grundbuchämtern und Banken. Nur wenn der Erblasser zu Lebzeiten eine Bankvollmacht ausgestellt hat, können die Erben nach seinem Tod ohne Erbschein auf Bankkonten und Sparbücher zugreifen. Dies kann Zeit und Geld sparen, denn der Erbschein ist gebührenpflichtig. Maßgeblich für die Höhe der Kosten ist der Wert des Erbes.

Achtung - sonst geht ein unverheirateter Lebenspartner leer aus

Liegt nach dem Tod des Partners kein Testament oder Erbvertrag vor, greift die gesetzliche Erbfolge. Es erbt, wer im verwandtschaftlichen Verhältnis am nächsten zum Erblasser steht. Unverheiratete stehen im schlimmsten Fall am Ende mit leeren Händen da. Um dies zu verhindern, ist ein Erbvertrag sinnvoll, in dem zum Beispiel der jeweils andere den Partner zum Alleinerben einsetzt. Ein gemeinsames Testament können Unverheiratete aber nicht aufsetzen. Achtung: Bei einer Trennung des Paares wird der Erbvertrag nicht automatisch unwirksam.

Es ist aber mehr als unwahrscheinlich, dass solche weitreichenden Reformideen wirklich umgesetzt werden. Anleger sollten sich darauf einstellen, dass die für private Vermögensüberträge geltenden Regeln vom Grundsatz her auch in Zukunft gelten werden.

Die gute Nachricht: Wer diese Regeln kennt, hat durchaus Spielraum das Vermögen so an die nächste Generation zu übertragen, dass möglichst viel davon übrig bleibt. Das hat nichts mit Steuerhinterziehung oder fragwürdigen Steuertricks zu tun. Auch absolut steuerehrliche Menschen sollten dem Fiskus nicht aus Unwissenheit Geld schenken.

Immobilien halten Erbschaftsteuer gering

Am häufigsten werden Immobilien genutzt, um die Erbschaftsteuer gering zu halten. Den größten Vorteil bietet das sogenannte Familienheim, das unabhängig vom Wert oft komplett steuerfrei übertragen werden kann. Damit eine vererbte Immobilie als Familienheim anerkannt wird, muss der Verstorbene jedoch dort selbst gewohnt haben. Erben müssen dort binnen sechs Monaten einziehen und dann wenigstens zehn Jahre lang in der Immobilie wohnen.

Nur wenige Auszugsgründe, etwa eine Pflegebedürftigkeit, akzeptiert das Finanzamt ohne an der Steuerfreiheit zu rütteln. Sollen Kinder ein Familienheim erben, greift noch eine Besonderheit: Maximal 200 Quadratmeter Wohnfläche sind hier steuerbefreit. Hat die vererbte Immobilie mehr Wohnfläche, wird ihr Wert nur anteilig von der Erbschaftsteuer freigestellt.

Diese Behörden schauen Ihnen ins Konto

Einleitung

2015 wurden in Deutschland 133.955 Kontoabrufverfahren in Deutschland durchgeführt. Dabei können diverse Behörden die Kontonummer, Name und Geburtsdatum des Kontoinhabers, Verfügungsberechtigungen sowie das Eröffnungs- und Schließungsdatum einsehen. Nachfolgend sind die Behörden aufsteigend aufgelistet, die im vergangenen Jahr die meisten Kontoabrufverfahren eingeleitet haben.

Bafin

2014: 370
2015: 1183

Zollbehörden

2014: 7.052
2015: 6.915

Finanzbehörden

2014: 14.020
2015: 13.003

Staatsanwaltschaften

2014: 26.495
2015: 25.851

Polizeibehörden

2014: 89.542
2015: 86.702

Doch auch wenn eine Immobilie nicht als Familienheim taugt, etwa weil die späteren Erben anderswo arbeiten und wohnen und daher nicht einziehen können, gibt es steuerlichen Spielraum. Ein häufig genutztes Modell ist Nießbrauch. Dabei übertragen Eltern eine Immobilie an Kinder, behalten aber das Nutzungsrecht. Sie dürfen in der Immobilie wohnen oder diese vermieten. Dieses Modell bietet zwei Vorteile:

1. Der Nießbrauch wirkt wertmindernd, sodass Beschenkte seltener Schenkungsteuer zahlen müssen. Zur Erinnerung: Bei Schenkung- und Erbschaftsteuer greifen die gleichen Regeln. 
2. Vergehen bis zum Tod des Schenkers über zehn Jahre, können Beschenkte später als Erben erneut die Freibeträge voll ausschöpfen, da ihnen diese alle zehn Jahre zustehen.

Doch nicht nur bei Immobilien bringt das Modell Steuervorteile. So können auch andere Geldanlagen mit Nießbrauch übertragen werden: Ein Elternteil schenkt Vermögen noch zu Lebzeiten einem Kind. Es sichert sich selbst dabei Nießbrauch an Zinsen und Dividenden.

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