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30.06.2015

17:06 Uhr

Erfolg für Benzinpreisstelle

Kartellamt verhängt Bußgelder in Rekordhöhe

Vor knapp zwei Jahren ist die Benzinpreis-Meldestelle gestartet. Deutschlands Wettbewerbshüter bescheinigen ihr einen ersten Erfolg. 2013/2014 verhängte das Bundeskartellamt insgesamt Strafen in Rekordhöhe.

Im Internet, über Smartphone-Apps und Navigationsgeräte können Verbraucher so auch auf Reisen die billigste Zapfsäule finden. dpa

Benzinpreisstelle

Im Internet, über Smartphone-Apps und Navigationsgeräte können Verbraucher so auch auf Reisen die billigste Zapfsäule finden.

BonnZum Start der Urlaubs- und Sommerreise-Saison 2015 sehen Deutschlands Wettbewerbshüter einen Erfolg der vor knapp zwei Jahren gestarteten Benzinpreis-Meldestelle. Die verbesserte Möglichkeit zum Preisvergleich stärke den Wettbewerb. Das zeigten nicht zuletzt neue Angebote wie etwa „Bestpreisgarantien“, mit denen inzwischen einzelne Tankstellenketten um Kunden werben, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt am Dienstag in Bonn.

Auch was die Benzinpreise angeht, glaubt Mundt zumindest an eine „gewisse Wirkung“ der sogenannten Markttransparenzstelle – selbst wenn es wohl vermessen sei zu sagen, dass durch ihre Arbeit die Preise dramatisch nach unten gegangen seien. Dafür werde der Benzinpreis einfach von zu vielen Faktoren beeinflusst.

Die „Markttransparenzstelle für Kraftstoffe“ soll Deutschlands Autofahrern bei der Suche nach der jeweils günstigsten Tankstelle helfen. Rund 14.500 Tankstellen übermitteln dafür ihre Preise für die gängigsten Kraftstoffarten Super E5, E10 und Diesel an das Bundeskartellamt, das sie kostenlos an Verbraucherportale und Anbieter wie den ADAC weiterleitet.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Im Internet, über Smartphone-Apps und Navigationsgeräte können Verbraucher so auch auf Reisen die billigste Zapfsäule finden. Bis zu 20 Cent pro Liter Ersparnis sind nach früheren Angaben des Bundeskartellamtes dabei möglich.

In den vergangenen beiden Jahren verhängte das Bundeskartellamt laut der am Dienstag vorgelegten Bilanz Bußgelder in Rekordhöhe. Insgesamt seien 2013 und 2014 gegen 137 Unternehmen und 133 Privatpersonen Strafen von rund 1,36 Milliarden Euro ausgesprochen worden, berichtete Mundt. Im ersten Halbjahr 2015 summierten sich die verhängten Bußgelder bisher auf etwa 132 Millionen Euro.

Vor allem 2014 sei mit Strafen von über 1,1 Milliarden Euro ein außergewöhnliches Jahr gewesen. Ausschlaggebend dafür seien drei sehr große Kartellverfahren bei Bier, Wurst und Zucker gewesen.

Sorgen bereiteten Mundt Regelungslücken im Kartellrecht, die es Unternehmen derzeit noch ermöglichen, sich durch geschickte Umstrukturierungen nachträglich ihrer Haftung zu entziehen. Diese Schlupflöcher müssten dringend geschlossen werden, verlangte Mundt.

Bußgelder von mehr als 80 Millionen Euro seien bereits unwiderruflich verloren gegangen. Ohne eine gesetzliche Neuregelung fürchte die Behörde, Hunderte Millionen Euro an verhängten Strafen nicht vollstrecken zu können.

Von

dpa

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