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10.06.2013

18:15 Uhr

Erfolgreiche Klage

Bankangestellter nickt ein – keine Kündigung für Kontrolleurin

222.222.222,22 Euro: Auf diese außergewöhnliche Zahl wurde eine Bankangestellte nicht aufmerksam. Ihr Kollege war auf der Taste „2“ eingenickt, sie sollte den Zahlungsbeleg überprüfen. Doch das ist kein Kündigungsgrund.

Trotz ihrer Unachtsamkeit darf die Dame ihren Job behalten. dpa

Trotz ihrer Unachtsamkeit darf die Dame ihren Job behalten.

FrankfurtEine Bankangestellte hat sich vor Gericht erfolgreich gegen ihre Kündigung gewehrt, nachdem sie einen im Sekundenschlaf begangenen Fehler ihres Kollegen übersehen hatte. Der eingenickte Arbeitskollege war bei der Prüfung eines Zahlungsbelegs auf die Taste „2“ der PC-Tastatur geraten und hatte die Summe in dem Beleg unabsichtlich von 64,20 Euro auf 222.222.222,22 Euro geändert, wie das Hessische Landesarbeitsgericht am Montag mitteilte. Obwohl der Sachbearbeiterin der Fehler nicht aufgefallen war, hielt das Gericht ihre Kündigung nicht für rechtens. (Az. 9 Sa 1315/12)

Die 48-jährige Bankangestellte arbeitet nach Gerichtsangaben bereits seit 1986 bei dem Geldinstitut. Als Sachbearbeiterin im Zahlungsverkehr oblag ihr die Überprüfung von Überweisungsbelegen und gegebenenfalls deren Korrektur. Die Bank begründete die Kündigung damit, dass die Frau an dem fraglichen Arbeitstag die Belege nicht geprüft, sondern ohne Überprüfung freigegeben habe.

Dagegen befanden die Frankfurter Richter, eine vorsätzliche Schädigung des Arbeitgebers liege nicht vor. Die Frau habe zwar einen „schweren Fehler“ begangen, der Bank sei im vorliegenden Fall aber eine Abmahnung statt einer Kündigung „noch zumutbar“ gewesen. Der Fehler des eingenickten Bankangestellten war trotz des Versäumnisses der Frau bemerkt und berichtigt worden.

Von

afp

Kommentare (2)

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kraehendienst

11.06.2013, 00:29 Uhr

Könnte man das absolute, soziale Verdummung der Menschen nennen? Dass man das nicht "unter sich" regeln kann?? Totale geistige, soziale, moralische Verblödung hat schon lange im Arbeitsleben Platz gegriffen. Vorallem in Deutschland, derartige Urteile kommen verstärkt aus Norddeutschland, ab Frankfurt/M nordwärts. Im Süden weniger.

Account gelöscht!

11.06.2013, 09:35 Uhr

Ich würde eher darauf tippen, dass dort ein Kreditinstitut die Chance gewittert hatte, eine langjährige teure Mitarbeiterin günstig "entsorgen" zu können.

Schließlich verdienen Mitarbeiter mit einer derart langen Betriebszugehörigkeit deutlich mehr, als in den Zahlungsverkehrseinheiten (fast überall aus der Bank ausgegliedert um dem Bankentarif zu entkommen) heute üblich ist. Kündigen wäre nur mit teurer Abfindung möglich, deshalb hat man es hier wohl mal mit einem "Pflichtversäumnis" versucht.

Aber dies ist nur eine Spekulation meinerseits.

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