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26.08.2011

13:50 Uhr

ETCs auf dem Prüfstand

Wenn die Goldanlage ungeahnte Risiken birgt

VonDörte Jochims

Derzeit erleben ETCs auf den Goldpreis einen Höhenflug. Sie spiegeln die Preisentwicklung nahezu eins zu eins. Doch ein Blick in die Verkaufsprospekte zeigt: Anleger gehen bei einem Investment hohe Risiken ein.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.



Der Fall


Martina B.* ist verunsichert. Bei ihrer Hausbank wollte die Kölnerin Gold im Wert von zwei Unzen kaufen. Doch die Bankberaterin hatte weder Barren noch Münzen auf Lager. Zudem hatte die Kundin Kaufgebühren und Tresorkosten nicht einkalkuliert.

Sie geht erst mal mit einer Broschüre zu Exchange Traded Commodities (ETCs) nachhause. Diese Papiere versprechen, den Goldpreis eins zu eins abzubilden. Zudem seien sie mit physischen Gold besichert.

Doch ist Papiergold wirklich eine Alternative für Anleger, die durch die Finanzkrise verunsichert ihr Vermögen absichern wollen?


Die Relevanz

Mit Gold besicherte ETCs erleben derzeit Rekordzuflüsse. So bescherte die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA den Produkten vom Marktführer ETF Securities allein in der vergangenen Woche den zweithöchsten wöchentlichen Zufluss aller Zeiten, berichtet ETF Securities. Demnach investierten Anleger in den Gold Bullion Securities, den ETFS Physical Gold, den ETFS Physical Swiss Gold und den ETFS Physical Asian Gold weltweit insgesamt 265 Millionen Euro.

Produktanalyse: Die Gold-ETCs im Vergleich

Produktanalyse

Die Gold-ETCs im Vergleich

ETCs werden von Bankberatern aktuell massenhaft verkauft, aber viele Kunden kennen die möglichen Risiken nicht. Die wichtigsten Produkte für deutsche Anleger im Risikoprofil..

Auch bei den übrigen Anbietern brummt das Geschäft. Weltweit lagerten bereits Ende des zweiten Quartals mehr als 2.200 Tonnen Gold in den Tresoren der Anbieter von ETCs und physisch besicherten ETFs.

Für deutsche Anleger sind allein über das Handelssystem Xetra physisch besicherte ETCs mit einem Gesamtvolumen von 15 Milliarden Euro handelbar. Schweizer oder US-Produkte sind im Prinzip zwar hierzulande ebenfalls erhältlich. Doch hier ist Vorsicht geboten: Diese Produkte sind nicht zum Vertrieb in Deutschland zugelassen. Wer sich dafür interessiert, sollte einen Steuerberater einschalten, um Nachteile zu vermeiden.

Kommentare (7)

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Kalle

26.08.2011, 14:11 Uhr

Goldanlage nur in physischem Gold! Alles Papier ist mit Riskien behaftet. Aufbewahrung z.B. im Gemüsegarten, tief genug, mind. 1 Meter oder in einem unbenutzten Wasserleitungsrohr. Wenn Tresor dann Rohrtresor im Boden in Beton eingegossen mit unauffälliger kleinen Öffnung im Gulli.
Das Metall beim Händler kaufen, bei gold.de usw. leicht zu finden. Nicht verunsichern lassen, alles Papier wird irgendwann nur noch Brennstoff sein!

Bernd

26.08.2011, 16:14 Uhr

Finger weg von "mit Gold besicherte ETCs"!!! Es ist nur ein Versprechen auf Papier, nicht mehr und nicht weniger. Ich gebe "Kalle" in allen seinen Punkten recht. Wenn die Banken kollabieren sollten ist eine Berechtigung zu seinem eigenem Schließfach zu einer Bank, die Konkurs ist "auch nur ein Versprechen"! Physisches Gold wird von Banken nicht gern verkauft weil Sie nicht viel dar warum sie seit 10 Jahren von einer Goldblase reden!

Peter

26.08.2011, 18:51 Uhr

John Kenneth Gailbraith, Eine kurze Geschichte der Spekulation, Eichborn, 2010, S. 76 f.

"Die staatlichen Vorschriften schrieben den Banken vor, für einen Teil ihrer umlaufenden Banknoten Reserven in Form von Edelmetall zu halten... Die Bankenaufsicht überwachte diese Regelung zwar, doch die Durchsetzung gestaltete sich so wirksam wie die jüngsten Bestimmungen für die amerikanischen Bausparkassen. In einem besonders extremen Fall machte eine Bankengruppe aus Michigan gemeinsame Sache und hielt ein und dieselben Reserven für alle Beteiligten. Sie wurden jeweils von einer Bank zur anderen gebracht, bevor der Prüfer erschien. Und bei dieser und anderen Gelegenheiten hatte man noch eine weitere "Spar"-Maßnahme auf Lager: Die oberste Lage Goldmünzen wurde dadurch eindrucksvoll angehoben, dass man unten einige Lagen Nägel einfüllte."

(über die amerikanische Tradition zwischen 1837 und 1857)

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