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02.09.2016

15:31 Uhr

Euro Grundinvest

Schreckgespenst einer Insolvenz

VonGertrud Hussla

Die Fonds der Euro Grundinvest befinden sich alle in finanzieller Schieflage, mussten Anleger erfahren. Der vorgeschlagenen Abwicklung stimmten sie jedoch nicht zu. Jetzt gilt es, die Pleite zu verhindern.

Nur wenige Projekte der Euro Grundinvest wurden fertiggestellt. PR

Gebäudekomplex Atrio in Karlsfeld

Nur wenige Projekte der Euro Grundinvest wurden fertiggestellt.

DüsseldorfEs war der Tag der Ernüchterung. Anleger der Euro Grundinvest hatten bis Ende Juli noch gehofft, dass sie eines der solideren Investments aus dem Imperium des schillernden Malte Hartwieg ausgewählt hatten. Doch dann mussten sie auf mehreren Gesellschafterversammlungen in Feising erfahren, dass sie wohl kaum mehr als zehn Prozent ihres Einsatzes wiedersehen. Und selbst dafür sollten sie nach den Vorstellungen des neuen Geschäftsführers Sven Donhuysen einer Abwicklung ihrer Fonds unter seiner Regie zustimmen und auf Klagen bis Ende 2018 verzichten. Davon aber rieten die meisten Anlegeranwälte ab.

Die Folge: Aus dem Abwicklungskonzept wurde erst mal nichts. Mehr als zwei Wochen nach den Treffen meldete die Euro Grundinvest: Anlegeranwälte hätten mit den von ihnen vertretenen Stimmen die Versammlungen dominiert und den „planmäßigen Vollzug der Sanierung“ verhindert. Nun dürfte hinter verschlossenen Türen ein zähes Ringen um das Überleben der Fonds und die bestmögliche Quote für die Gesellschafter beginnen. Kommt es zu Insolvenzen, droht sogar die Gefahr, dass jeder einzelne Anleger plötzlich für alles haftet.

Regeln für Anleger

Was wird hier verkauft?

Immobilien, Erdwärme, Windkraft, Gold in Canada. Die Geschäftsidee klingt oft super. Doch ob die Rechnung aufgeht, können Laien aus den Prospekten nur schwer erkennen. Als Sachwerte eignen sich eher Investments in Dinge, die der Anleger persönlich in Augenschein genommen hat, und von denen er etwas versteht.

Wer verkauft das?

Die Vertrauenswürdigkeit privater Vermittler ist oft schwer zu beurteilen. Sie sind aber allesamt begabte Verkäufer. Wie lange ist der Finanz„experte“ im Geschäft? Was hat er gelernt? Ist er Teil eines Strukturvertriebs? Dann wird er zuerst auf Verwandte angesetzt, weil die besonders leichtgläubig sind. Auch Veranstaltungen in eleganten Hotels oder Hochglanzbroschüren täuschen. Sicherer ist die Nachfrage bei einer Verbraucherzentrale, oder bei einem Honorarberater.

Wie hoch sind die Gebühren?

Die Nebenkosten eines Finanzprodukts können leicht zehn Prozent oder mehr betragen. Im Umfeld von Minizinsen ist damit die Rendite schnell negativ. Kosten sind nicht nur das Agio, der Aufschlag, sondern auch sonstige Vertriebskosten und die regelmäßigen Verwaltungskosten.

Vorsicht bei hohen Renditen

Renditeversprechen von sechs Prozent oder gar zehn Prozent sind unrealistisch. Warum sollte da nicht eine Bank einsteigen, oder ein privater Großinvestor? Hohe Renditen und eine sichere Anlage, so etwas gibt es nicht. Hohe Renditen bedeuten immer auch hohes Risiko.

Tragen Sie gutes Geld nicht schlechtem hinterher

Oft bitten geschlossene Fonds um Nachschüsse, damit das Schiff oder die Immobilie gerettet werden kann. Oder sie verlangen gezahlte Ausschüttungen zurück. Das dürfen sie nur, wenn es im Prospekt vorgesehen ist. Anleger eines Fonds zahlen Eigenkapital ein. Das ist im Ernstfall immer nachrangig. Die Bank wird zuerst bedient. Wenn Anleger nochmal Geld nachschicken, ist es häufig am Ende auch noch weg.

Tausende Anleger haben bei der Euro Grundinvest 70 Millionen Euro in Fonds und noch einmal 27 Millionen Euro in Genussrechte investiert. Die Euro Grundinvest ist eine Gründung des gelernten Maurers Malte Hartwieg. Der hatte ein riesiges Firmengeflecht aufgebaut und es über Anlegergeld finanziert. Zu dem Geflecht gehörten die Emissionshäuser Selfmade Capital, New Capital Invest und Panthera. Deren Fonds lockten mit Zinsen von zwölf Prozent und mehr. 60 Prozent von Hartwiegs Firmen sind inzwischen insolvent. Bei der Staatsanwaltschaft sind mehr als hundert Strafanzeigen eingegangen. Der Verdacht: Es könnte sich um ein illegales Schneeballsystem gehandelt haben, in dem alte Anleger mit dem Geld neuer Anleger ausbezahlt werden.

Bei der Euro Grundinvest hatte Hartwieg renditeträchtige Immobilien-Investments vorwiegend in München versprochen. Seit 2014 werden die Fonds der Euro Grundinvest vom Start-up-Investor Sven Donhuysen geführt. Was Donhuysen vorgefunden hat, stellte er den Anlegern auf den Gesellschafterversammlungen so dar: Es wurde sehr viel Geld zwischen den unterschiedlichen Fonds hin- und hergeschoben. Die Projekte kamen teils nicht über die Planung hinaus, bei den anderen entstanden hohe Verluste. Nun ist ein Heer von Anlegeranwälten mit den Fonds befasst.

Donhuysen hatte mit Hilfe der anerkannten Prüfergesellschaft Baker Tilly Roelfs und der Knoll Restructuring Group versucht, das Dickicht der Zahlungsvorgänge aufzuarbeiten und vorgeschlagen, die Fonds in absehbarer Zeit zu liquidieren. Er stellte dabei die Rückzahlung von mindestens zehn Prozent der Investments in Aussicht. Zur Sicherheit sollte auch ein neuer Gesellschaftsmantel für die Fonds geschaffen werden, für den Fall, dass die Klagen gegen die alten Gründungsgesellschaften diese in die Insolvenz treiben. Mit dem Vorschlag hätten Geschäftsführer Donhuysen und sein Team die Objekte der Euro Grundinvest  nahezu unbehelligt verwerten können. Die Klagen der Anwälte wären ins Leere gelaufen. Die Anleger hätten ihm mehr oder weniger blind vertrauen müssen.

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