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10.07.2013

16:31 Uhr

Europa-Vergleich

Hier lauern die Kartenbetrüger

VonKatharina Schneider

ExklusivDer Betrug mit Kredit- und Debitkarten boomt. Kaum ist eine Schwachstelle beseitigt, finden Kartenbetrüger schon die nächste. Welche Länder Hochburgen der Kriminellen sind – und welche Rechte Verbraucher haben.

Bargeldloses Bezahlen ist praktisch, lockt aber auch Betrüger. Getty Images

Bargeldloses Bezahlen ist praktisch, lockt aber auch Betrüger.

DüsseldorfKurz nicht aufgepasst und schon ist das Portemonnaie gestohlen, mitsamt der Giro- und der Kreditkarte. Ein solcher Diebstahl kann schon zu Hause für ordentlichen Ärger sorgen. Noch schlimmer ist es im Urlaub. Überall gilt jedoch: Wer den Verlust bemerkt, muss schnell handeln und die Karte sperren lassen. Denn sobald Geld damit abgehoben wurde, kann der Bankkunde auf dem Schaden sitzen bleiben.

Im vergangenen Jahr sind die Verluste durch Betrug mit Kredit- und Debitkarten in den meisten europäischen Ländern wieder gestiegen. Am größten waren sie in Frankreich, hier wurden mehr als 442 Millionen Euro erbeutet – etwa neun Prozent mehr als im Jahr 2011. Das zeigt eine Analyse des Spezialisten für Betrugsbekämpfung FICO. „Maßnahmen zur Betrugsbekämpfung wie Chip und PIN haben die Betrugsquote zwischenzeitlich gesenkt, doch die Betrüger finden immer neue Schwachstellen und passen ihre Strategie an“, sagt Martin Warwick, Experte für Kartenbetrug bei FICO in Europa.

In einer interaktiven Grafik hat FICO die Entwicklung der Betrugsverluste in 19 europäischen Ländern zusammengefasst. Im Ranking der höchsten Verluste liegt Großbritannien hinter Frankreich auf Platz zwei. Hier gingen mehr als 410 Millionen Euro verloren – das sind 4,5 Prozent mehr als im Jahr 2011. Den dritten Platz belegt Deutschland mit 144 Millionen Euro – etwa sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Mit 700.000 Euro war der Schaden in Rumänien am geringsten.

„Beim Vergleich der Länderzahlen muss immer auch der nationale Kartenmarkt betrachtet werden“, sagt Warwick. Sind wenige Karten in Umlauf gebe es auch weniger Betrugsfälle. Europaweit sind die Betrugsverluste 2012 im Vergleich zum Vorjahr um rund sechs Prozent gestiegen. „Zu 50 Prozent waren die Entwicklungen in Frankreich für diesen Anstieg verantwortlich, 30 Prozent entfielen auf Großbritannien und Russland“, sagt Warwick.

Wann die EC-und Kreditkarten im Ausland nicht funktionieren

EC-Karte

Mit Maestro-Karten, die das Girokonto sofort belasten, können Bankkunden normalerweise weltweit zahlen oder Geld abheben. Besonders viele Vertragspartner und Geldautomaten stehen in Europa. Trotzdem funktionieren die Karten häufig nicht. Das kann mehrere Gründe haben. Vor Reiseantritt notieren sich Urlauber für alle Fälle Karten- und Kontonummer.

Auffällige Konto-Bewegungen

Bei jeder von einer EC-Karte ausgelösten Buchung läuft im Rechenzentrum der Banken eine Sicherheitssoftware mit, die Betrug frühzeitig erkennen und durch Kartensperren verhindern soll. Dabei kann es auch zu ungewollten Sperren kommen. Für Kunden ist es schwierig, sich darauf einzustellen. So zog ein Institut in Barcelona die Karte eines Studenten wegen auffälliger Bewegungen ein. Er hatte in kurzer Zeit zweimal hintereinander am selben Automaten Geld abgehoben.

Dispo-Auslandssperre

Postbank, Deutsche Bank sowie einige Volks- und Raiffeisenbanken haben die Möglichkeit zur Überziehung bei den EC-Karten fürs außereuropäische Ausland gesperrt. De facto gilt hier ein Null-Limit. Kunden können es auf Anfrage vor einer Reise heraufsetzen lassen. Wer das nicht tut, steht womöglich mit leeren Händen da. Nötig ist dazu ein Anruf in der Filiale.

Minus auf dem Konto

Ist das Konto im Minus, bewegt sich aber innerhalb des Verfügungsrahmens können Kunden im Inland problemlos Geld mit ihrer Karte ziehen. Im Ausland steht dieser Verfügungsrahmen bei manchen Banken plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Vor allem Länder außerhalb der Eurozone sind von dieser Regelung oft betroffen.

Technische Pannen

Neben Defekten an Chips oder Magnetstreifen ist ein weiterer Grund für das Nichtfunktionieren der Karten die Umstellung der Institute auf ein neues Bezahlsystem. So wird bei EC-Karten in Deutschland seit einigen Jahren mit dem Maestro-System bezahlt. Das ist ein Abbuchungsdienst vom Kreditkarten-Unternehmen MasterCard, das mittels Magnetstreifen funktioniert. Da Chipkarten als sicherer gelten, führen manche Institute so genanntes V-Pay ein, das Konkurrenz-Produkt von Visa. Vor allem die Postbank rüstet hier um. Wermutstropfen: Einkaufen mit der neuen Karte Glückssache. Denn längst nicht alle Händler haben umgerüstet. Und in beliebten Urlaubsländern wie den USA oder Ägypten funktioniert die Technik generell nicht.

Kreditkarten

Mit ihnen kann man grundsätzlich weltweit zahlen, solange Vertragspartner und Bankautomaten die jeweiligen Karten annehmen. Zum Geldabheben sind Kreditkarten allerdings meist teurer als EC-Karten. Zudem wird selten beim Bezahlen im Inland der PIN verlangt. Viele Kreditkartenbesitzer sollten sich ihre Geheimnummer daher vor dem Urlaub gut einprägen und sich vor Reiseantritt die Kartennummer notieren. Zudem sollten sie sicherstellen, dass die letzte Abrechnung bezahlt ist.

Auffällige Kontobewegungen

Auch bei Kreditkarten sind auffällige Kontenbewegungen und die Auslieferung von defekten Karten ein Thema. Bei auffälligen Käufen oder Abhebungen können Sicherheitsbeamte ohne Nachfrage die Bezahlfunktion abstellen.

Geldreservierungen

Manche Reiseveranstalter, Airlines und Hotels lassen bei einer Reservierung die entsprechende Summe oft im Voraus blocken. Dann ist der Rahmen schneller ausgereizt als gedacht.

Alternative I: Reiseschecks

Sie können vor Antritt der Reise gegen Gebühr in der entsprechenden Landeswährung gekauft werden. Zahlreiche Geldinstitute nehmen sie weltweit an. Vorteil: Die Schecks sind versichert und werden bei Verlust vor Ort binnen 24 Stunden ersetzt, sofern sich der Kunde als Käufer ausweisen kann.

Alterbnative II: Bargeld

Auch wenn es verpönt ist, Cash gehört in jede Urlaubskasse. In einigen Ländern gelten allerdings Obergrenze für die Einführung von Devisen.

Alternative III: Blitzüberweisung

Wenn alle Stricke reißen, das Portemonnaie futsch ist und Urlauber ohne Geld dastehen, besteht die Möglichkeit einer Blitzüberweisung. Der Finanzdienstleister Western Union bietet sie in Zusammenarbeit mit der Postbank und der Reisebank an. Auch MoneyGram ist hier in Kooperation mit den Sparkassen tätig. Damit kann binnen weniger Minuten Geld von einer Postfiliale an eine Auszahlstelle im Urlaubsland überwiesen werden. Wer nicht selbst Online-Kunde bei der Postbank ist, braucht eine Vertrauensperson, die während des Urlaubs in Deutschland ist und sich in eine Postfiliale begeben kann. Nach dem Ausfüllen eines Formulars informiert sie den Urlauber über die Auftragsnummer und teilt mit, wo er sich sein Geld auszahlen lassen kann. Der Empfänger sucht die Agentur auf und erhält mit der Auftragsnummer und der persönlichen Identifikation das Geld.

Die hohen Verluste in Frankreich sind zunächst überraschend, denn die Franzosen waren einst Vorreiter beim Einsatz von Chip und PIN. Allerdings wurde hier nicht in eine Echtzeitüberprüfung der Karten investiert. „Es fehlt an einer Online-Autorisierung, deshalb kommt die Information, dass eine Karte gesperrt wurde, nicht im Ladengeschäft an“, so der FICO-Experte.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

10.07.2013, 16:56 Uhr

Nur Bares ist Wahres.

Das sollte man eigentlich - völlig unabhängig vom Betrug - so langsam kapiert haben. Wieviel totalitäre Regierungen und Spitzelorganisation müssen noch auffliegen? Wieviel staatskriminelle Enteignungsphantasien müssen noch in die Welt hinausposaunt werden.

Die Betrüger sind vergleichsweise harmlos. Die Regierungen sind die Gefahr - für die Freiheit.

Frieda

10.07.2013, 17:58 Uhr

Es gibt praktikable Sicherheitssysteme für Kreditkarten-Betreiber. Diese wurden auch den bekanntesten K-Betreibern angeboten.
Dass diese Maßnahmen nicht umgesetzt werden kann nur damit erklärt werden, dass Missbrauchsfälle als Argument hoher Gebühren recht hilfreich sind.

Ich zahle fast ausnahmslos mit Bargeld und EC-Karte. Kreditkarten verteuern unnötig den Warenverkehr.

anti-angella

10.07.2013, 18:30 Uhr

Ein kleiner TAN Generator sollte hierbei für Abhilfe sorgen. Ich meine damit dieses Tamagotshi (???), was auf Knopfdruck /Zahlen TANs generiert.

Geht auch im Kartenformat

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