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10.09.2015

14:30 Uhr

Europäischer Gerichtshof

Die Fahrt zum Kunden ist Arbeitszeit

VonThomas Ludwig

Eine gute Nachricht für Handwerker und viele andere Berufstätige im Außendienst: Wer zu einem Kunden fährt, kann die Wegstrecke als Arbeitszeit geltend machen.

Ein Elektriker begeht einen Solarpark in Berlin: Der Weg zum Dienstort ist für Mitarbeiter im Außendienst Arbeitszeit. dpa

Arbeitsort

Ein Elektriker begeht einen Solarpark in Berlin: Der Weg zum Dienstort ist für Mitarbeiter im Außendienst Arbeitszeit.

BrüsselEuropas oberstes Gericht stärkt die Rechte von Arbeitnehmern. Die Fahrten, die Angestellte ohne festen oder gewöhnlichen Arbeitsort zwischen ihrem Wohnort und dem Standort des ersten und des letzten Kunden des Tages zurücklegen, sind einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) als Arbeitszeit zu betrachten. „Es würde dem unionsrechtlichen Ziel des Schutzes der Sicherheit und der Gesundheit der Arbeitnehmer zuwiderlaufen, wenn diese Fahrten keine Arbeitszeit wären“, stellten die Richter fest.

In einer Richtlinie der EU ist die Arbeitszeit als jede Zeitspanne definiert, während deren ein Arbeitnehmer gemäß den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften arbeitet, dem Arbeitgeber zur Verfügung steht und seine Tätigkeit ausübt oder Aufgaben wahrnimmt. Jede Zeitspanne, die keine Arbeitszeit ist, gilt demnach als Ruhezeit.

Hintergrund ist ein Fall in Spanien: Nachdem das mit der Installation und Wartung von Sicherheitssystemen befasste Unternehmen Tyco Integrated Security und Tyco Integrated Fire & Security Corporation Servicios im Jahr 2011 alle seine Regionalbüros geschlossen und die Angestellten dem Zentralbüro in Madrid zugeschlagen hatte, wurde nur noch die Zeit zwischen der Ankunft ihrer Angestellten am Standort des ersten Kunden und ihrer Abreise vom Standort des letzten Kunden als Arbeitszeit abgerechnet.

Die Entfernung zwischen dem Wohnort der Arbeitnehmer und ihren Einsatzorten variierte dabei beträchtlich und betrug bisweilen mehr als 100 Kilometer beziehungsweise bis zu drei Stunden Fahrzeit. Dagegen gingen bei Tyco beschäftigte Techniker juristisch vor. Das mit der Rechtssache befasste nationale Gericht „Audiencia Nacional“ fragte beim EuGH nach, ob das Vorgehen des Unternehmens im Sinne der EU-Richtlinie anzusehen ist. Das verneinten Europas oberste Richter.

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