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17.02.2015

06:29 Uhr

Europäisches Erbrecht

Erben, wo andere Urlaub machen

VonKatharina Schneider

Eine EU-Verordnung soll grenzüberschreitende Erbschaften vereinfachen. Doch für die Erben kann es trotzdem kompliziert und teuer werden. Wer sich häufig im Ausland aufhält, sollte jetzt sein Testament anpassen.

Wer seinen Lebensabend im Ausland verbringt, sollte auch sein Testament anpassen. Getty Images

Ältere Damen am Strand

Wer seinen Lebensabend im Ausland verbringt, sollte auch sein Testament anpassen.

DüsseldorfDen Lebensabend unter Palmen verbringen, vielleicht am Strand von Mallorca oder an der Côte dʼAzur? Für viele Menschen dürfte diese Vorstellung verlockend sein. Doch wenn der sonnenverwöhnte Pensionär einmal stirbt, kann der längere Aufenthalt im Ausland ungeahnte Auswirkungen auf sein Testament haben: Es wird vom zuständigen Gericht womöglich nicht anerkannt. Grund dafür ist die EU-Erbrechtsverordnung (Nummer 650/2012). Diese regelt, welches nationale Erbrecht angewendet wird und gilt ab dem 17. August 2015.

Bislang gibt es in den EU-Staaten sehr unterschiedliche Regelungen beim Erbrecht. Kompliziert wird es für Erben insbesondere dann, wenn ihnen Immobilien oder Konten im Ausland hinterlassen werden oder der Erblasser im Ausland gewohnt hat. Und das ist mittlerweile keine Seltenheit mehr: Zehn Prozent aller Erbschaften in Europa sollen betroffen sein. Die Erben müssen sich dann womöglich mit widersprüchlichen Regelungen auseinandersetzen und in mehreren Ländern einen Rechtsbeistand bezahlen.

Welches Erbrecht angewendet wird, richtet sich in Deutschland bislang nach der Staatsangehörigkeit des Verstorbenen. Wenn ein Spanier in Deutschland stirbt, muss auch ein deutsches Gericht spanisches Erbrecht anwenden. Wie lange er sich in Deutschland aufgehalten hat, spielt dabei keine Rolle. Anders in Frankreich: Für Immobilien auf französischem Grund gilt dort immer das französische Erbrecht, egal, woher der Eigentümer stammt. Für bewegliche Vermögenswerte – also etwa Konten, Autos und Kunstgegenstände – ist der letzte Wohnsitz des Erblassers relevant.

Dank der EU-Verordnung soll künftig immer nur ein Gericht zuständig sein und immer nur das Recht eines Staates angewendet werden – in allen EU-Staaten außer Dänemark und Großbritannien. „Diese Regelung ist grundsätzlich positiv und eine Erleichterung für die Erben“, sagt Claus-Henrik Horn, Fachanwalt für Erbrecht aus Düsseldorf. Welches Erbrecht gilt, richtet sich künftig nach dem „gewöhnlichen Aufenthalt“ des Verstorbenen. „Das wiederum könnte in vielen Fällen für Streit sorgen, denn die Abgrenzung wird nicht immer ganz einfach sein“, so Horn. Erbrechtsverfahren könnten sich dadurch deutlich verzögern.

Gesetzliche Erbfolge: Wer was erben darf

Wer kann erben?

Als gesetzliche Erben kommen die Verwandten des Erblassers und dessen Ehegatte bzw. eingetragener Lebenspartner in Betracht. Nicht erbberechtigt sind hingegen nichteheliche Lebenspartner.

Wer erbt wie viel?

Um das zu regeln, teilt das Gesetz die Verwandtschaft in verschiedene „Ordnungen“ ein. Sind Verwandte der ersten Ordnung vorhanden, so erben nur diese – vorbehaltlich eines Erbrechts des Ehegatten oder Lebenspartners. Es gilt also der Grundsatz, dass Verwandten einer vorrangigen Ordnung die der nachfolgenden Ordnung vom Erbe ausschließen.

Wer gehört zur ersten Ordnung?

In dieser Gruppe befinden sich die Abkömmlinge des Verstorbenen, also dessen Kinder, Enkel, Ur-Enkel, etc. Leibliche und adoptierte Kinder sind ebenso gleichgestellt wie eheliche und nicht eheliche. Erbe ist aber immer nur der Nachfahre, der am nächsten mit dem Erblasser verwandt ist. Solange etwa also noch ein Kind des Erblassers lebt, kann nicht ein Enkel dessen Erbe werden. So lange der Enkel noch lebt, nicht der Urenkel und so weiter.

Wer gehört zur zweiten Ordnung?

In diese Gruppe fallen die Eltern des Verstorbenen und - falls diese nicht mehr leben - deren Abkömmlinge. Mit anderen Worten: die Geschwister des Erblassers sowie deren Abkömmlinge, wie etwa dessen Nichten und Neffen. Angehörige der zweiten Ordnung erben allerdings nur wenn keiner Erben der ersten Ordnung vorhanden sind (oder zum Zug kommen).

Wer gehört zur dritten Ordnung?

Hier sind die Großeltern des Erblassers und deren Nachfahren zu nennen – also seine Tanten und Onkel bzw. die Cousins und Cousinen.

Wer gehört zur vierten Ordnung?

Ur-Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge gehören zur vierten Ordnung. In der vierten Ordnungen erbt jeweils nur derjenige, der mit der Verstorbenen am nächsten verwandt ist. Der Nächstverwandte schließt also die ferner Verwandten aus. Bei mehreren gleich nahen Verwandten bekommt jeder den gleichen Teil.

Was erbt er Ehepartner?

Das hängt davon ab, in welchem Güterstand das Paar gelebt hat und wie viele sonstige Erben vorhanden sind.

Denn eine Definition dazu liefert die EU-Verordnung nicht, dort heißt es lediglich auf Bürokratendeutsch: „Bei der Bestimmung des gewöhnlichen Aufenthalts sollte die mit der Erbsache befasste Behörde eine Gesamtbeurteilung der Lebensumstände des Erblassers in den Jahren vor seinem Tod und im Zeitpunkt seines Todes vornehmen und dabei alle relevanten Tatsachen berücksichtigen, insbesondere die Dauer und die Regelmäßigkeit des Aufenthalts des Erblassers in dem betreffenden Staat sowie die damit zusammenhängenden Umstände und Gründe. Der so bestimmte gewöhnliche Aufenthalt sollte unter Berücksichtigung der spezifischen Ziele dieser Verordnung eine besonders enge und feste Bindung zu dem betreffenden Staat erkennen lassen.“

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