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24.10.2013

16:08 Uhr

Ex-Börsenguru

Frick schweigt zu Betrugsvorwürfen

Markus Frick hat seinen Ruhm als Börsenexperte zu Geld gemacht. Er soll Aktienkurse manipuliert und Anleger betrogen haben. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft – die geprellten Anleger könnten dennoch leer ausgehen.

Der Autor, Fernsehmoderator und Herausgeber von Börseninformationsdiensten, Markus Frick:  Er soll in einem Börsenbrief von April bis Mai 2012 drei Aktientitel empfohlen haben, um ihren Kurs gezielt in die Höhe zu treiben. dpa

Der Autor, Fernsehmoderator und Herausgeber von Börseninformationsdiensten, Markus Frick: Er soll in einem Börsenbrief von April bis Mai 2012 drei Aktientitel empfohlen haben, um ihren Kurs gezielt in die Höhe zu treiben.

FrankfurtDer Mann, der angeblich Millionäre macht, ist an diesem Donnerstag im Frankfurter Landgericht ziemlich blass. Schmal sitzt Ex-Börsenguru Markus Frick zwischen seinen beiden Anwälten und hört sich über eine Stunde lang die Anklage des Staatsanwalts Torsten Krach an. Die ist zwar in der äußeren Form mit einer Auflistung von insgesamt 90 vollendeten Betrugsfällen ziemlich spröde, hat es aber in sich. Nach einem ersten, nur teilweise erfolgreichen Prozess im Jahr 2011 versuchen deutsche Ermittler erneut, dem schillernden Aktienexperten Betrug zu beweisen.

Am Ende könnte für den 41 Jahre alten Frick eine Haftstrafe von zehn Jahren stehen, sollte er tatsächlich wegen bandenmäßigen Betrugs verurteilt werden. Doch so weit ist die 28. Strafkammer unter Vorsitz des erfahrenen Richters Michael Wiens noch lange nicht. Vorerst zieht es der Hauptangeklagte vor zu schweigen, mindestens bis zum nächsten Termin am 5. November.

Seit mehr als zehn Jahren ist der smarte Bäcker mit großspurigen Versprechungen ein heißer Tipp unter risikofreudigen Anlegern. „Ich mache sie reich“, versprach schon der Titel seines ersten Buches, es folgten etliche Börsenbriefe, Hotlines und TV-Börsenshows beim privaten Sender N24, die Fricks Gemeinde kontinuierlich vergrößerten und den Meister selbst bald auch zum Gast in ARD-Talkshows machte.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

Mit der Frick-Show „Make Money“ war 2007 Schluss, als erste Vorwürfe der Kursmanipulation öffentlich wurden. Im April 2011 verurteilte das Landgericht Berlin Frick zu 21 Monaten Haft und ließ ihn über eine ihm zugerechnete Stiftung 42 Millionen Euro an die Staatskasse zahlen. Betrug ließ sich allerdings nicht nachweisen.

Folgt man der Frankfurter Anklage, hat Frick noch in der auf drei Jahre ausgesetzten Bewährungszeit das illegale Geschäftsmodell mit zwei ebenfalls angeklagten Komplizen wiederbelebt. Fricks Name taucht in den Publikationen des „Deutschen Aktiendienstes“ zwar nicht auf, die in mehreren Stufen an rund 3000 Interessenten verschickt werden. Frick gilt den Ermittlern aber eindeutig als Initiator und Verfasser des E-Mail-Dienstes.

Die hochtrabenden Versprechungen für bislang kaum gehandelte Aktien wie Letsbuyit, Autev und Venatus wecken die Gier der Anleger. Die Aktie stehe vor einem „lupenreinen Turnaround“, heißt es zum Beispiel über ein schwächelndes Papier, das zuvor bereits als „Kursrakete“ gefeiert worden war. Über die Venatus-Aktie war zu lesen: „Eine Kurssteigerung um 100 Prozent würde nicht überraschen.“ Stets versprach der „Deutsche Aktiendienst“, die Titel selbst in sein angeblich einflussreiches Musterdepot aufzunehmen.

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