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17.02.2016

10:37 Uhr

Ex-US-Finanzminister zur 500-Euro-Note

Aus für den „Bin Laden der Geldscheine“ gefordert

Larry Summers war US-Finanzminister und hält große Geldscheine für ein Werkzeug des internationalen Verbrechens. Er fordert eine Ende des 500-Euro-Scheins – und hat auch kleinere Scheine im Blick.

Der Ex-US-Finanzminister hält sich bei wirtschaftspolitischen Debatten selten zurück. Reuters

Larry Summers

Der Ex-US-Finanzminister hält sich bei wirtschaftspolitischen Debatten selten zurück.

New YorkDer Rat der Europäischen Zentralbank hat bereits das Ende des 500-Euro-Scheins eingeleitet, wie das „Handelsblatt“ berichtet hatte. Die Banknote werden vermehrt für illegale Geschäfte genutzt, dazu gebe es einen weltweiten Konsens, hatte EZB-Präsident Mario Draghi Anfang der Woche vor dem Europäischen Parlament gesagt.

Der frühere US-Finanzminister und Harvard-Ökonom Larry Summers stimmt jetzt in den Chor der Kritiker ein und plädiert für eine Abschaffung des 500-Euro-Scheins – und nicht nur . In seinem Blog schrieb Summers am Dienstag, dies wäre ein guter Schritt im Kampf gegen Korruption und organisierte Kriminalität.

Was für das Bargeld spricht

Die Anonymität des Bargelds...

...ermöglicht es den Bürgern, auch den gesetzestreuen, einen Rest Privatsphäre zu bewahren, der nicht der vollständigen Überwachung oder Überwachbarkeit unterliegt.

Die Zinslosigkeit des Bargelds...

...ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Wer die jetzigen Niedrigzinsen der Notenbanken schon als gefährlich oder als eine Form der kalten Enteignung ansieht, wird froh sein, dass das Vorhandensein von Bargeld eine Zinsuntergrenze setzt.

Die gesellschaftlichen Kosten von Bargeld...

....als Zahlungsmittel, also die Kosten bei allen Beteiligten zusammengerechnet, sind nach einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank in den meisten Ländern niedriger als die unbarer Bezahlformen.

Der Insolvenzschutz...

...den Bargeld genießt, weil die Notenbank, die es emittiert, nicht Pleite gehen kann, hebt es vom Buchgeld der Geschäftsbanken ab. Wenn eine Geschäftsbank  insolvent wird, können Buchgeld-Guthaben verloren gehen, oder sie werden, wie im Fall Zypern geschehen, im Zuge der Rettung der Banken zusammengestrichen.

„Ein Moratorium beim Druck neuer Banknoten mit hohem Nennwert würde die Welt zu einem besseren Ort machen.“ In gewissen Kreisen trage der Schein den Spitznamen „Bin Laden der Geldscheine“. Osama bin Laden war Drahtzieher der Terroranschläge auf die USA im September 2001.

Doch Summers geht noch einen Schritt weiter. In einem Gastbeitrag in der „Washington Post“ fordert der 61-Jährige auch eine Abschaffung des 100-Dollar-Scheins. Er regt ein globales Abkommen an, bei dem sich die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer dazu verpflichten, keine Geldnoten mit einem Nennwert von mehr als 50 oder 100 Dollar zu drucken. In Europa würde eine solche Übereinkunft zumindest auch für den 100- und 200-Euro-Schein das Aus bedeuten.

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