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04.06.2014

17:02 Uhr

EZB-Zinsentscheid

Sparern drohen Milliardenverluste

Senkt die Europäische Zentralbank ihren Einlagenzins am Donnerstag unter null Prozent? Das ist sehr wahrscheinlich. Banken und Verbraucherschützer sehen Rücklagen für die Altersversorgung in Gefahr.

Niedrigzinsen

Was sich für Sparer jetzt noch lohnt

Niedrigzinsen: Was sich für Sparer jetzt noch lohnt

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BerlinKurz vor dem mit Spannung erwarteten Zinsentscheid der EZB wächst in der deutschen Industrie und Bankenbranche die Sorge vor negativen Folgen der lockeren Geldpolitik. Eine weitere Zinssenkung wäre für die deutsche Volkswirtschaft bedenklich, sagte der Chef der staatlichen KfW-Förderbank, Ulrich Schröder, am Mittwoch. Die Niedrigzinspolitik sei schon jetzt hochriskant und begünstige Preisblasen: "Das ist eine Gefahr, die ich sehe."

Der oberste Bankenaufseher Raimund Röseler befürchtet, dass niedrige Zinsen manche Geldhäuser zum Zocken verleiten könnte. Der Präsident der besonders unter der Nullzinspolitik leidenden Sparkassen, Georg Fahrenschon, sieht auch die Sparer als Verlierer: Sie würden praktisch enteignet. Vertreter von Einzelhandel und Industrie erwarten, dass eine Zinssenkung konjunkturell weitgehend verpuffen wird.

Niedrige Inflation: Wie reagiert die EZB?

Was spricht für ein Eingreifen der EZB?

Die Inflation im Euro-Raum lag im Mai bei 0,5 Prozent – und damit weit entfernt von der Zielmarke der EZB von nahe zwei Prozent. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen niedrig zu halten oder noch unter das Rekordtief von 0,25 Prozent zu senken. EZB-Präsident Mario Draghi hatte betont, die Notenbank werde sich notfalls entschieden gegen einen Preisverfall stemmen.

Warum sind sinkende Preise schlecht?

Für Verbraucher sind sinkende Preise zunächst erfreulich, schließlich bekommt man mehr für sein Geld. Die Gefahr ist, dass eine Abwärtsspirale in Gang kommt, wenn die Preise auf breiter Front fallen. Ökonomen nennen das Deflation. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen hinauszögern - in der Erwartung, dass es in den nächsten Monaten noch günstiger für sie wird. Das könnte die ohnehin noch fragile Erholung der Konjunktur in Europa abwürgen.

Wie real ist die Deflations-Gefahr?

„Eine handfeste Deflation ist in der Eurozone eine sehr weit entfernte Gefahr“, meint Berenberg-Volkswirt Christian Schulz. Das betont auch regelmäßig das EZB-Spitzenpersonal. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte Mitte März erklärt, er halte die Risiken von Preis- und Lohnrückgängen auf breiter Front im Euroraum für sehr begrenzt.

Was kann die EZB tun?

Bei den Zinsen hat die EZB den Boden fast erreicht. Mit einem Leitzins von 0,25 Prozent ist Zentralbankgeld für die Banken im Euroraum bereits extrem günstig. Ob eine weitere Zinssenkung die Geldinstitute dazu bewegen würde, mehr Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln, ist umstritten. Denkbar wäre, dass die EZB den Zins für Geld, das Geschäftsbanken bei der Notenbank parken, unter Null senkt. Theoretisch möglich wäre auch, dass die EZB in großem Stil Staatsanleihen aufkauft.

Bringen noch niedrigere Zinsen überhaupt etwas?

Theoretisch animiert das billige Geld Unternehmen zum Investieren und Verbraucher zum Konsumieren - beides kurbelt die Konjunktur an und erhöht so den Preisauftrieb. Doch gerade in den kriselnden Eurostaaten in Südeuropa blieb die Kreditvergabe zuletzt schwach. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) kann die EZB mit noch billigerem Geld dagegen so gut wie nichts ausrichten.

Der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE, Stefan Genth, geht nicht davon aus, dass niedrigere Zinsen die Kaufbereitschaft der Verbraucher erhöhen. Auch die Vizepräsidentin des Industrieverbandes BDI, Ingeborg Neumann, rechnet nicht mit Impulsen: "Eine weitere Senkung wird nicht dazu anreizen, dass mehr investiert wird." Vorbehalte äußerten auch Handels- und Handwerksverbände.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will etwas gegen den Höhenflug des Euro unternehmen und die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front abwenden. Die Notenbank entscheidet am Donnerstag über ihre weitere Geldpolitik. Die meisten Experten erwarten, dass der Leitzins von 0,25 auf ein Rekordtief von 0,1 Prozent gesenkt wird.

Zudem dürften die Währungshüter erstmals bei der EZB geparktes Geld mit einem Strafzins belegen, um so die Banken zur verstärkten Kreditvergabe anzuregen. Der Erfolg einer solchen Maßnahme ist jedoch nicht garantiert. In Dänemark beispielsweise hatten die Banken die Kosten eines solchen Strafzinses auf die Kunden abgewälzt.

Kommentare (31)

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Account gelöscht!

04.06.2014, 17:15 Uhr

01. Januar 2002

Einführung des E U R O in Deutschland.


Der Anfang vom Ende.

Account gelöscht!

04.06.2014, 17:36 Uhr

Leute holt das Geld doch einfach von den Konten ab und packt
es in den Tresor/Schliessfach, die Banken würden sich schnell bewegen.............

Rudolfo

Account gelöscht!

04.06.2014, 17:41 Uhr

Wenn es immer noch so viele Sparer gibt ist es ein Zeichen dafür, dass die Löhne doch noch zu hoch sind...

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