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21.10.2013

12:16 Uhr

Finanzbehörden

Verloren im Steuer-Dschungel

VonDirk Wohleb

Wer in Deutschland Steuern bezahlt, erlebt so manche Überraschung. Je nach Kommune oder Bundesland weichen Steuern voneinander ab – auch bei Prüfungen sind die Unterschiede immens. Sogar Experten verlieren den Überblick.

Was Steuern anbelangt, geht es in der Bundesrepublik uneinheitlich zu. In diesem Steuer-Dschungel den Durchblick zu behalten, fällt schwer. Getty Images

Was Steuern anbelangt, geht es in der Bundesrepublik uneinheitlich zu. In diesem Steuer-Dschungel den Durchblick zu behalten, fällt schwer.

DüsseldorfWenn es um neue Steuern geht, zeigt sich Köln so einfallsreich wie sonst nur beim Rosenmontagszug. Im vergangenen Jahr plante die hoch verschuldete Stadt eine Warteschlangensteuer. Kein Karnevalsscherz: Gastronomen sollten blechen, wenn sich vor Restaurants oder Clubs Schlangen bilden. Zwar legte die Stadt nach einem öffentlichen Sturmlauf die Pläne wieder auf Eis, aber mit einer Bettensteuer für private Übernachtungen, einer Zweitwohnungssteuer oder einer Sexsteuer zählt Köln in Sachen Steuern zu den Vorreitern unter den Städten. Auch anderswo können Steuerzahler so manche Überraschung erleben: In einigen Gemeinden Hessens fällt etwa eine Pferdesteuer an. Dagegen verzichtet Eschborn auf die Hundesteuer.

Bürger und Unternehmen stoßen in Sachen Steuern auf jede Menge Ungereimtheiten. Doch nicht nur für sie ist der fiskalische Wirrwarr schwer zu enträtseln. Auch Experten verlieren den Überblick im Meer neuer Gesetze und Verordnungen.

In seinem Belastungsbarometer 2013 zeigt der Bund der Steuerzahler Deutschland neueste Trends und Entwicklungen auf. „Wir beobachten in Deutschland erhebliche regionale Unterschiede bei einer Vielzahl von Steuern“, sagt Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler. Viele Bundesländer und Kommunen haben an den Stellschrauben von Steuern gedreht, deren Höhe sie selbst festlegen können.

Welche Strafen Steuertricksern drohen

10.000 Euro hinterzogen

Hier wird in der Regel eine Geldstrafe verhängt, die in etwa einem Jahresnettoeinkommen des Steuerpflichtigen entspricht.

Tagessätze

Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln die Geldstrafe nach so genannten Tagessätzen. Der Geldbetrag für einen Tagessatz soll dem Tagesnettoeinkommen entsprechen.

Berechnung des Tagesatzes

Hat jemand ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto und Abzüge von 20.000 Euro für Steuern, Versicherungen und ähnlichem, so wäre der Tagessatz 82 Euro (gerechnet: 30.000:365).

Anzahl der Tagessätze

Bei einer Hinterziehung von 10.000 Euro werden in der Regel 365 Tagessätze verhängt. Das bedeutet im Beispielsfall 365x82 = 29.930 Euro. Die Geldstrafe läge also bei rund 30.000 Euro.

Verhältnis zur hinterzogenen Steuer

Bei hohen Einkommen kann laut Experten die Strafe durchaus höher als die hinterzogene Steuer sein. Schließlich soll sich Steuerhinterziehung ja nicht lohnen.

20.000 Euro hinterzogen

Bei 20.000 Euro kommt man zu rund 440 Tagessätzen. Die Strafe läge im Beispielsfall dann 36.080 Euro.

Regionale Unterschiede

Es ist bekannt, dass in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich streng bestraft wird. Eine interne Tabelle weist dies nach. Insofern gelten die hier genannten Strafrahmen nicht absolut, sondern sind lediglich Faustregeln.

Schwere Vergehen

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Az. 1 StR 525/11) ist die Chance, auch bei schweren Steuervergehen um eine Haftstrafe herumzukommen, deutlich gesunken. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Augsburg kassiert, das einen Unternehmer wegen 1,1 Millionen Euro hinterzogener Steuern nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte. Dieses Strafmaß sei zu gering, entschied der BGH. Das Urteil liegt im Trend, glaubt Martin Wulf von der auf Steuerstrafrecht spezialisierten Kanzlei Streck Mack Schwedhelm: „In der Tendenz ziehen die Sanktionen an“, sagt der Jurist.

Das gilt gerade für die Gewerbesteuer. Sie war 2012 mit 43 Milliarden Euro die wichtigste Einnahmequelle für die Gemeinden. Nach Abzug der Umlage an Bund und Länder spülte sie immerhin 36 Milliarden Euro in die Kassen der Stadtkämmerer. Die Gemeinden sind mit einem Hebesatzrecht ausgestattet, können den entscheidenden Multiplikator bei der Berechnung der Gewerbesteuer selbst festlegen. „Selbst wenn der Gewerbeertrag nicht steigt, mussten Unternehmen 2012 häufig mehr in die Gemeindekasse zahlen“, so Holznagel.

Viele Gemeinden haben nach Angaben des Bundes der Steuerzahler die Hebesätze 2012 angehoben. So melden die Bundesländer Baden-Württemberg, Niedersachsen, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen höhere Hebesätze für 2012. Ausnahme ist der Freistaat Bayern: Dort ging es im Landesschnitt um 1,3 Prozentpunkte nach unten.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

21.10.2013, 12:31 Uhr

Von grüner Woche habe ich in NRW noch nichts gespürt.

Im Gegenteil, es werden absurd kleine Beträge raus gestrichen - wogegen ich selbstverständlich aus Prinzip Einspruch erhebe. Man muss das perverse System mit den eigenen Waffen (sprich gegenbürokratie) bekämpfen!

Beispiel: Trotz Abgeltungssteuer können Maklerprovisionen bei Börsengeschäften weiterhin abgesetzt werden. Das wissen aber viele Finanzbeamte nicht und streichen die angesetzten Beträge. Das sollte man sich nicht gefallen lassen!!!

taxpart

21.10.2013, 12:49 Uhr

Keine Steuererhöhungen - allenfalls durch die Hintertür,wenn die Politiker es für nötig halten (ohne den Bürgern reell zu begründen, warum die vorhandenen Einnahmen nicht ausreichen).
Nachdem in den Bundesländern, insbesondere wo die SPD mitregiert, die Steuererhöhungsmöglichkeiten auf Landesebene und in den Kommunen ausgenutzt werden und die Steuerquellen sprudeln, kann im Bund zunächst einmal bei den Koalitionsverhandlungen das Thema "Steuererhöhungen" abgehakt werden. Die "Finanzpolitiker" von CDU und SPD werden listig vereinbaren, dass Steuererhöhungen nicht! vorgenommen werden - es sei denn, dass "unvorhergesehene Umstände" dies nötig machen.

Steuerzahler

21.10.2013, 12:49 Uhr

Da bald Weihnachten ist, empfehle ich dringend allen meinen Mitbürgern sich mit den umsatzsteuerlich relevanten Erlassen für Adventskränze auseinander zu setzen. Denn ob aus frischen oder getrockneten Zweigen macht den Unterschied: 19% oder 7%.

Da Steuersystem ist krank, krank, krank!

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