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20.07.2015

09:54 Uhr

„Finanztest“-Analyse

Wo Urlauber kein Bußgeld bezahlen müssen

Schon mal ein Knöllchen bekommen in Griechenland, Irland, Italien? Kein Problem. Eine Auswertung zeigt, dass Verkehrssünder die Sache in diesen Ländern häufig aussitzen können. Es kann aber lohnen, freiwillig zu zahlen.

Bußgeldbescheide aus dem Ausland können auch in Deutschland vollstreckt werden, wenn es dabei um mehr als 70 Euro geht. dpa

„Knöllchen ohne Grenzen“

Bußgeldbescheide aus dem Ausland können auch in Deutschland vollstreckt werden, wenn es dabei um mehr als 70 Euro geht.

BerlinViele EU-Länder vollstrecken Bußgelder von Touristen nicht – Griechenland, Irland und Italien etwa haben den entsprechenden Rahmenbeschluss der Europäischen Union einem Medienbericht zufolge gar nicht umgesetzt. Aber auch andere Länder treiben Bußgelder von Urlaubern oft nicht ein, wie die Zeitschrift „Finanztest“ am Montag aus ihrer aktuellen Ausgabe berichtete.

Manchmal könnten deutsche Autofahrer die Sache aussitzen – manchmal aber sei es besser, freiwillig zu zahlen. EU-Bußgelder können ab einer Grenze von 70 Euro in Deutschland eingetrieben werden, wie „Finanztest“ berichtete. Besonders die Niederlande machten davon Gebrauch.

Wie Sie mit Bußgeldern im Ausland umgehen

Aussitzen oder zahlen?

Verkehrsverstöße im Ausland können sehr teuer werden. Überschreitet das Bußgeld eine gewisse Höhe, kann es auch in Deutschland eingetrieben werden. In vielen Fällen geschieht dies aber nicht - und deutsche Autofahrer können die Sache einfach aussitzen.

Wie teuer sind Regelverstöße in der EU?

Je nach Verkehrsdelikt sind die Strafen unterschiedlich hoch. Auch vermeintlich kleinere Regelverstöße können in einigen EU-Staaten richtig teuer werden: Wer mit dem Handy am Steuer erwischt wird, muss in Deutschland 60 Euro zahlen. In Dänemark werden dagegen 200 Euro fällig, in den Niederlanden sogar 230 Euro. Wer sich in Großbritannien nicht anschnallt, kann bis zu 700 Euro zahlen; in Deutschland kostet der Verstoß 30 Euro.

Sind EU-Bußgelder in Deutschland vollstreckbar?

Ja. Seit fünf Jahren gilt in Deutschland ein Rahmenbeschluss der EU. Bußgelder aus dem EU-Ausland ab einer Höhe von 70 Euro können durch das Bundesamt für Justiz (BfJ) vollstreckt werden - nicht aber durch Inkassobüros. Diese Grenze ist auch erreicht, wenn das Bußgeld zum Beispiel 50 Euro beträgt und zusätzlich 20 Euro Verfahrenskosten kommen. Deutschland hat zudem ein Abkommen mit Österreich: Geldbußen aus dem Alpenland können laut "Finanztest" schon ab 25 Euro in Deutschland vollstreckt werden.

Welche Länder lassen vollstrecken?

Nein. Sie gilt nur für Geldsanktionen. Wird im Ausland ein Fahrverbot verhängt, hat es nur dort Gültigkeit. Auch auf das Flensburger Fahreignungsregister haben Verstöße im Ausland keinen Einfluss: Punkte gibt es nur für Regelverstöße in Deutschland.

Welche Sanktionen gibt es?

Nein. Sie gilt nur für Geldsanktionen. Wird im Ausland ein Fahrverbot verhängt, hat es nur dort Gültigkeit. Auch auf das Flensburger Fahreignungsregister haben Verstöße im Ausland keinen Einfluss: Punkte gibt es nur für Regelverstöße in Deutschland.

Was droht bei Wiedereinreise?

Dort bleiben die Bußgeldbescheide weiterhin vollstreckbar. Laut ADAC gibt es je nach Land unterschiedliche Verjährungsfristen - in Spanien zum Beispiel vier Jahre, in Italien fünf. Wer Pech hat und etwa in eine Verkehrskontrolle gerät, muss einen offenen Bescheid begleichen.

Was ist zu tun?

„Finanztest“ rät Verbrauchern, die zu Hause nichts mehr von ihrem Delikt hören und in der nächsten Zeit nicht in das Land reisen wollen, die Sache auszusitzen. Oft sei es damit getan. Wer aber in der nächsten Zeit wieder in das Land einreist, sollte besser zahlen, rät das Magazin.

Urlauber, die nach ihrer Rückkehr nichts mehr von ihrem Verkehrsdelikt hören, können die Angelegenheit aber in den meisten Fällen aussitzen; auch auf Briefe von Inkassobüros müssen sie nicht reagieren, wie „Finanztest“ schrieb. Inkassobüros haben demnach keine Möglichkeit, die Forderung zu vollstrecken, und setzten darauf, dass der Angeschriebene freiwillig zahlt.

Ein Autofahrer, der noch einmal in das Land reisen möchte, in dem er als Verkehrssünder erwischt wurde, muss bei einer offenen Geldbuße allerdings mit Konsequenzen rechnen, wie „Finanztest“ warnte: In manchen Ländern falle die fehlende Zahlung bei der Passkontrolle am Flughafen auf, in anderen bei einer Verkehrskontrolle. Es könne sich deshalb lohnen, freiwillig zu zahlen.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr wulff baer

20.07.2015, 17:55 Uhr

Dänen, Holländer und Briten werden uns also nicht als Touristen begrüßen können, wenn sie uns derart abzocken wollen.

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