Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.07.2014

14:32 Uhr

Firmenwagen

Beim Fahrtenbuch gilt ganz oder gar nicht

VonPaul Lauer

Das Hin und Her hat ein Ende: Arbeitnehmer, die einen Firmenwagen nutzen, müssen sich im Voraus für die Ein-Prozent-Regel oder das Fahrtenbuch entscheiden. Ein Wechsel der Methode im Jahresverlauf ist nicht erlaubt.

Innerhalb des Jahres die Einträge im Fahrtenbuch abzubrechen, ist nicht erlaubt. dpa

Innerhalb des Jahres die Einträge im Fahrtenbuch abzubrechen, ist nicht erlaubt.

DüsseldorfWenn Arbeitnehmer von ihrem Chef einen Dienstwagen erhalten, ist das nicht nur mit Annehmlichkeiten verbunden. Auch das Finanzamt hat seine Finger im Spiel. Es geht darum, dass der Mitarbeiter die Nutzung als geldwerten Vorteil ordnungsgemäß versteuert. Bei der Besteuerung stehen zwei Methoden zur Wahl: die 1-Prozent-Regel und das Fahrtenbuch.

Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. In einem aktuellen Fall stritt ein Arbeitnehmer mit dem Finanzamt und den Finanzgerichten darüber, ob ein Wechsel während des Steuerjahres möglich ist. Dabei ging es um folgenden Sachverhalt: Im Streitjahr 2008 hat der Arbeitgeber dem Kläger einen Dienstwagen bereitgestellt, den er auch privat nutzen durfte. Für die Besteuerung nutzte der Arbeitnehmer zunächst von Januar bis April die 1-Prozent-Regel, ehe er ab Mai zum Fahrtenbuch wechselte. Dabei blieb er auch, nachdem er im Oktober 2008 ein anderes Fahrzeug erhielt.


In seiner Steuererklärung rechnete der Arbeitnehmer den geldwerten Vorteile für die private Nutzung für Januar bis April folgerichtig nach der 1-Prozent- Methode ab und von Mai an nach der Fahrtenbuchmethode. Damit war das Finanzamt aber nicht einverstanden. Es berechnete auch für Mai bis Oktober die Nutzung nach der 1-Prozent-Methode, wodurch sich der zu versteuernde Arbeitslohn um rund 3.600 Euro erhöhte.

Was sich alles von der Steuer absetzen lässt - und was nicht

Hochwertige Oldtimer

Nein, die kann man nicht absetzen. So entschied das Finanzgericht Baden Württemberg, dass Autoliebhaber die Kosten eines teuren Oldtimers als Betriebsausgaben nicht geltend machen können (Az. 6 K 2473/09). Die Richter meinten, diese unangemessenen Repräsentationsaufwendungen seien als Betriebsausgaben nicht abzugsfähig.

Luxusauto

Geht nicht immer, aber manchmal schon. Unternehmer sollten eher davon absehen, sich einen teuren Firmenwagen zuzulegen. Die Richter des Finanzgerichts Nürnberg meinten, ein zweisitziger Mercedes 500 SL deute eher auf einen privaten Fahrspaß hin, als auf Geschäftsfahrten und erkannten die Betriebsausgaben nicht an (Az. I 111/2003). Anders die Richter des Niedersächsischen Finanzgerichts, sie ließen einen Mercedes Roadster 500 SL durchgehen. 75.000 Euro wurden hier anerkannt (Az. 6 K 547/95).

Augenlasern

Hier zahlt der Fiskus teilweise mit. Nach dem deutschen Steuerrecht sind nämlich ärztliche Behandlungen und auch notwendige Operationen außergewöhnliche Belastungen, sofern sie eine bestimmte Zumutbarkeitsgrenze überschreiten. Was wiederum von der Familiensituation abhängig ist. Nach der Rechtsprechung und den Anweisungen der Finanzdirektionen wird eine Augenlaserbehandlung als eine solche außergewöhnliche Belastung anerkannt. Man muss in seiner Steuerklärung einen Beweis für die entstandenen Kosten erbringen und kann diese somit von der Steuer absetzen.

Internate

Auch hier macht der Fiskus mit. Aber nur, soweit es um den Unterricht geht. Kost und Logis müssen schon die Eltern selbst zahlen. Abzugsfähig sind laut Bund der Steuerzahler grundsätzlich 30 Prozent, höchstens aber 5000 Euro.

Füllfederhalter

Eine Luxus-Füllfeder ist ebenfalls steuerlich absetzbar. In einem konkreten Fall ging es um die Anschaffung einer Mont­blanc-Füllfeder samt Etui in der Höhe von 460 Euro. Der Betroffene betonte, dass die Füllfeder ausschließlich aus beruflichen Gründen angeschafft worden sei. Eine private Nutzung sei mangels Veranlassung ausgeschlossen, vielmehr benötige er das Schreibgerät zum Setzen von Unterschriften, Planungen und Arbeitsvorbereitungen für Mitschriften bei Konferenzen und Seminaren. Dies sei insbesondere in Hinblick auf die durch einfache Schreibwaren hervorgerufene Unleserlichkeit der Handschrift geboten. Einen Haken hat die Sache allerdings, bisher gibt dazu nur ein Urteil in Österreich. Bei entsprechender Erklärung, könnte das aber auch in Deutschland klappen.

Samenspende

Funktioniert. Mag sein, dass der entsprechende Eintrag auf der Steuererklärung nicht ganz leicht fällt. Doch es lassen sich Steuern sparen. Wer krankheitsbedingt zeugungsunfähig ist, kann die Kosten für Spendersamen laut einem Urteil steuerlich geltend machen, und zwar als außergewöhnliche Belastung. Dann sind die Aufwendungen abzugsfähig, entschied der Bundesfinanzhof (Az. VI R 43/10)

Bordellbesuche

Es war zu vermuten. Nein, die sind nicht absetzbar. Aber es wurde bereits versucht, und der Bundesfinanzhof hatte darüber zu entscheiden (Az. III R 21/86 ). Argumentiert wurde wie folgt: Eine steuerlich absetzbare Bewirtung als Betriebsausgaben im Sinne des Einkommenssteuergesetzes liegt nur dann vor, wenn die Darreichung von Speisen oder Getränken eindeutig im Vordergrund steht. Beim betrieblichen Bordellbesuch geht es jedoch anders als bei einem Restaurantbesuch nicht um die Schaffung eines angenehmen Rahmens für geschäftliche Gespräche. Das persönliche Vergnügen tritt zu sehr in den Vordergrund. Entsprechende Aufwendungen sind somit nicht von der Steuer absetzbar.

Fitnessstudio

Geht. Sport kann von der Steuer abgesetzt werden. Bei medizinischer Notwendigkeit macht der Fiskus mit. Das Finanzgericht München entschied einen entsprechenden Fall (Az. 1 K 2183/07). So kann das Fitness-Studio von der Steuer abgesetzt werden, wenn der Patient Rückenbeschwerden hat, die durch gezielten Sport eine Verbesserung nach sich ziehen würden. Wichtig ist aber eine Bescheinigung vom Amtsarzt. Dieser muss klarstellen, dass hier eine medizinische Notwendigkeit für den Sport vorliegt.

Beitrag für den Golfclub

Nein, das geht nicht. Der Golfclubbeitrag ist nicht steuerlich absetzbar. Das Finanzgericht Köln hat entschieden, dass ein Händler von Sportartikeln auch nicht anteilig seinen Mitgliedsbeitrag für einen Golfclub steuerlich geltend machen kann (Az. 10 K 3761/08). Die Ausübung einer Trendsportart wie Golf betreffe in erheblichem Umfang die private Lebensführung. Deswegen lässt sich hier nichts absetzen.

Sowohl das Finanzgericht als auch der Bundesfinanzhof (BFH) hatten kein Einsehen mit dem Kläger. Schon das Finanzgericht wies in seinem Urteil darauf hin, dass eine Manipulationsgefahr bestehe, wenn das Fahrtenbuch nicht ganzjährig geführt werde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×