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04.06.2014

20:35 Uhr

Florian Homm

Mutmaßlicher Hedgefonds-Betrüger ist wieder frei

Der mutmaßliche Anlagebetrüger Florian Homm soll seine Kunden um 200 Millionen Dollar geprellt haben. Seit vergangenem Jahr saß er in Italien in U-Haft. Nun kam er frei, weil die Höchstdauer der Haft abgelaufen ist.

Zwar hatte die Regierung in Rom einer Auslieferung an die USA zugestimmt. Allerdings erhoben Homms Anwälte Einspruch unter dem Hinweis, dass ihn in Amerika eine lebenslange Haft drohen könne. dpa

Zwar hatte die Regierung in Rom einer Auslieferung an die USA zugestimmt. Allerdings erhoben Homms Anwälte Einspruch unter dem Hinweis, dass ihn in Amerika eine lebenslange Haft drohen könne.

FlorenzDer mutmaßliche Anlagebetrüger und Ex-Hedgefonds-Manager Florian Homm ist seinem Anwalt zufolge aus der Untersuchungshaft in Italien entlassen worden. Die Höchstdauer der U-Haft sei abgelaufen, sagte Homms Anwalt Gabriele Zanobini am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters in Florenz. "Er wurde gestern entlassen." Die Freilassung des Deutschen sei vom obersten Berufungsgericht des Landes angeordnet worden.

Der Gründer des Fonds Absolute Capital Management Holdings Ltd. mit Sitz auf den Cayman-Inseln war im vergangenen Jahr auf Gesuch der US-Justiz festgenommen worden. Er soll seine Kunden um 200 Millionen Dollar geprellt haben. Zwar hatte die Regierung in Rom einer Auslieferung zugestimmt. Allerdings erhoben Homms Anwälte Einspruch unter dem Hinweis, dass ihn in Amerika eine lebenslange Haft drohen könne.

Was Kunden, Banker und Regierung tun sollten

Handlungsempfehlung für Kunden

Was müssen Privatkunden beachten, damit sie sich für das richtige das richtige Finanzprodukt abschliessen? Elf Vorschläge von Julius Reiter, Professor für Banking & Finance an der FOM-Hochschule für Oekonomie und Management und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in der Kanzlei Baum Reiter & Collegen in Düsseldorf.

Verbesserung des Finanzproduktverständnisses

Kunden müssen alle Konsequenzen im Rahmen eines Finanzgeschäfts beurteilen können. Ist dies nicht gegeben, sollten sie auf den Vertragsabschluss verzichten.

Überprüfung der Vertragsdetails

Kunden profitieren bei der Auswahl des geeigneten Finanzprodukts von einer kritischen Prüfung des Vertragswerks. Kunden gewinnen langfristig, wenn sie neben den Chancen und Risiken auch die Gebührenstruktur eines Finanzprodukts kritisch beim Erwerb hinterfragen.

Umgang mit persönlichen Daten

Kunden sollten kritisch hinterfragen, welche Informationen sie dem Finanzberater preisgeben. Weiterhin sollten sie den Umgang mit ihren persönlichen Daten, insbesondere im Internet, restriktiv handhaben. Öffentlich zugängliche personenbezogene Daten können von der Finanzbranche strategisch und in der Beratung verkaufspsychologisch genutzt werden.

Handlungsempfehlung für Banken

Banken sollten für eine erfolgreiches wirtschaften folgende Ratschläge beachten.

Suchmaschinenoptimierung

Suchmaschinen sind im Kaufentscheidungsprozess für Bankkunden eine wichtige Informationsquelle. Eine Suchmaschinenoptimierung erscheint erforderlich, um Kunden entsprechende Informationen zur Verfügung stellen zu können.

Abstimmung des Filial- und Internetangebots

Banken profitieren von einem auf das Kundenbedürfnis ausgerichteten Angebot im Internet. Die Optimierung des Vertriebsweges Internet bei gleichzeitiger Abstimmung mit lokalen Angeboten erscheint sinnvoll.

Optimierung der Vergütungsstruktur

Die Gruppe der Selbstentscheider und der Online-Käufer wächst. 25% der Kunden lassen sich in Banken und bei Finanzdienstleistern beraten, kaufen aber die Finanzprodukte im Anschluss online. Dies steht im Zusammenhang mit gestörtem Vertrauen in die Unabhängigkeit und Kompetenz der Finanzberatung. Entlohnungssysteme im Rahmen der Beratung sollten überprüft und die Qualität der Beratung gegenüber den Kunden deutlicher herausgestellt werden.

Handlungsempfehlung für Gesetzgeber

Juristen sollten die sich nachfolgenden Tipps zu Herzen nehmen.

Reduzierung Vertragskomplexität bei Finanzprodukten

Die Transparenz bei Finanzprodukten ist nicht gegeben. Die Komplexität sollte reduziert und die Transparenz, insbesondere in Bezug auf Kosten und Provisionen, muss erhöht werden. Bei gesetzlicher Verpflichtung der Anbieter zur Offenlegung aller Kosten einer Kapitalanlage in Euro und Cent könnte der Anleger unter Berücksichtigung dieser Kosten von sich aus prüfen, welcher absolute Betrag seiner Anlagesumme überhaupt in die Substanz des Produktes fließt und wie viel „weiche Kosten“ keinem Gegenwert entsprechen.

Unabhängige Beratung fördern

Der Trend zum Selbstentscheider und Online-Kauf bei Finanzprodukten nimmt zu. Dies steht im Zusammenhang mit dem Vertrauensverlust in die Finanzberatung. Ein Fünftel der Befragten kann sich unter Honorarberatung, also unabhängiger Beratung ohne Provisionsvergütung, nichts vorstellen. Es sollte durch den Gesetzgeber ein Berufsbild des Honorarberaters mit qualifizierter Berater-Ausbildung und verbindlichen Qualifikationsanforderungen etabliert werden. Die Verpflichtung für Anbieter, Finanzprodukte als Alternativangebot mit provisionsfreien Nettotarifen anzubieten, könnte den Markt für unabhängige Beratung fördern.

Finanzbildung

Die Finanzbildung sollte als fester Bestandteil in die Schulausbildung integriert werden.

Im Jahr 2004 war der Großneffe des Versandhausgründers Josef Neckermann beim damals finanziell angeschlagenen Fußball-Bundesligisten BVB Borussia Dortmund mit mehr als 25 Prozent als Großaktionär eingestiegen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

05.06.2014, 08:46 Uhr

"Der mutmaßliche Anlagebetrüger Florian Homm soll seine Kunden um 200 Millionen Dollar geprellt haben."

Ein Waisenknabe von der Schadenshöhe betrachtet, wenn man sich ansieht was der Bundestag den Versicherungen "zu schustert".

Allen ist klar, dass viele Deutsche eine eigene Altersversorgung aufgebaut haben, richtigerweise: hatten.
Die Versicherer hatten deren Erspartes im Aktien-, Immobilien- und nicht zuletzt im Rentenmarkt für sie angelegt. Es handelte sich also nicht um deren eigenes Geld, sondern Treuhandgeld.

Den Versicherten die Erträge aus diesen Geldanlagen wegzunehmen hätte den Tatbestand der Untreue erfüllt. Um dies zu verhindern, hat der Bundestag ein Gesetz auf den Weg gebracht, der diesen verfolgbaren Tatbestand strafrechtlich eliminiert.

Dieses Gesetz schreibt vor, dass die Versicherten fortan keinen Anspruch mehr auf die Bewertungsreserven ihrer Geldanlagen haben dürfen. Gleichzeitig sollte man wissen, dass eben diese Bewertungsreserven die Bonizahlungen an deren Vorstände sichern.

Es ist bekannt, dass auch im Vorfeld die Bewertungen der Versicherer, soweit es die Geldanlagen der Versicherten betraf, nach dem Realisationsprinzip und nicht Mark to Market, also nach der Erfolgsmessung der Manager erfolgten.

Eine Ungleichbehandlung unter den Augen der BaFin und der Wirtschaftsprüfer! So etwas hat es nicht einmal zur Zeit des Dritten Reichs gegeben.

In diesen Fällen geht es um ein vielfaches als im Fall Homm. Seine Verfolgung muss nachträglich eher als Akt des Neids der eigentlichen Betrüger, als eine ernst gemeinte Verfolgung verstanden werden.

Wo er schon in Italien ist, könnte er jetzt dort auch noch seine Heiligsprechung beantragen. Aussichtslos erscheint es nach diesen Vorgängen nicht zu sein.

Wo er schon

Account gelöscht!

05.06.2014, 09:49 Uhr

@Mazi, toller Zusammenhang! Demnächst bringen sie wahrscheinlich auch die Taliban und Obama noch in Zusammenhang mit Florian Homm! Solch sinnfreie Kommentare sind reine Platzverschwendung.

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