Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.10.2013

11:51 Uhr

Fondshaus

Erste Pleite im Skandal um Wölbern Invest

VonGertrud Hussla, Michael Brächer

ExklusivDer Skandal um das Hamburger Fondshaus zieht immer weitere Kreise. Nun hat eine Tochtergesellschaft Insolvenz angemeldet. Insgesamt verwaltet Wölbern ein Fondsvolumen von rund zwei Milliarden Euro.

Wölbern-Geschäftsführer Heinrich Maria Schulte: Seit September in Untersuchungshaft. Wölbern Group KG

Wölbern-Geschäftsführer Heinrich Maria Schulte: Seit September in Untersuchungshaft.

FrankfurtEs ist die erste Insolvenz im Finanzskandal um das Hamburger Fondshaus Wölbern Invest: Die Wölbern Fondsmanagement, eine Tochtergesellschaft des Emissionshauses, hat die Insolvenz in Eigenverantwortung beantragt. Das bestätigte das Hamburger Insolvenzgericht dem Handelsblatt. Der Jurist Bernd Depping wurde als Sanierungsgeschäftsführer bestellt.

Das Hamburger Emissionshaus Wölbern verwaltet rund 30 geschlossene Fonds. Sein Geschäftsführer, der Mediziner Heinrich Maria Schulte, sitzt seit September in Untersuchungshaft. Zuvor hatten Ermittler die Wölbern-Büros und Schultes Privatwohnungen durchsucht. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Untreue in mehr als 300 Fällen. Schulte soll insgesamt rund 137 Millionen Euro an Anlegergeldern unrechtmäßig aus den geschlossenen Fonds abgezweigt haben. Bislang wollten sich weder Heinrich Maria Schulte noch Wölbern Invest zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern.

So checken Sie Ihre geschlossenen Fonds

Ratings

Einige Agenturen bewerten geschlossene Fonds. Doch gute Noten zum Emissionszeitpunkt sagen wenig aus, befinden Experten von Finanztest (Ausgabe 11/2012). Für ein Urteil müsse bezahlt werden. Daher würden schlechte Noten kaum publiziert. Zudem hätten fast alle Agenturen bei Fonds gejubelt, die später in die Pleite schlitterten. Tatsächlich sollte eine Note allein niemals ausschlaggebend für den Kauf sein.

Aber Ratingberichte können dennoch für Anleger eine gute Quellen sein. Hier lohnt ein Klick auf die Seite der Ratingagentur Scope unter www.scope-ratings.com. Sie können den Namen Ihrer Fondsgesellschaft ins Suchfeld eingeben und erhalten dann eine Reihe von Analysen zu aktuell aufgelegten Portfolios. Wenn Sie danach die Detailanalyse anklicken, erhalten Sie einen mehrseitigen Ratingbericht des Hauses zu den jeweiligen Fonds. Die Analysen gehen dabei bis August 2010 zurück. Auch bei der G.U.B. (Gesellschaft für Unternehmensanalyse und Beteiligungsmanagement mbH) können Sie unter www.gub-analyse.de Ratingberichte lesen.

Emittent

Welche Erfahrungen hat der Emittent Ihres Fonds mit ähnlichen Portfolios und wo gab es Krisen. Unter www.fondsmedia.com finden Sie ausführliche Ratingberichte ausgewählter Fonds, aber auch Research zu den Emittenten. www.fondstelegramm.de bietet ebenfalls Analysen und News zu Beteiligungsmodellen und einzelnen Fondsanbietern.

Marktentwicklung

Egal ob Containerschiffe oder Auslandsimmobilie – wenn Sie auf Jahrzehnte investieren, müssen Sie den jeweiligen Markt im Blick haben. Hochklassige Marktstudien im Bereich Immobilien finden Sie beispielsweise unter http://frr.feri.de/de/produkte-dienstleistungen/immobilien/.  

Geschäftsmodell

Entscheidend für den Erfolg des Fonds ist, ob die Geschäftsidee, die in einer Art Business Plan präsentiert wird, wirklich aufgeht. Dazu müssen Sie als Anleger wie ein Unternehmer denken und ins Detail gehen. So sollten Sie Fragen nach den Aussichten des spezifischen Anlagesegments Ihres Fonds stellen: Investiert ein Immobilienfonds also beispielsweise in Büroimmobilien oder in Wohnobjekte? Wie ist es um die Lage der Objekte bestellt? Wie sicher sind die Mietverträge?

Prognose

Um Renditeversprechungen der Initiatoren zu beurteilen, sollten Sie auch die Ergebnisse von Fonds, die bereits geschlossen haben, ins Kalkül ziehen. So hat der Verband der geschlossenen Fondsemittenten (VGF) Ende 2012 alle Fonds der VGF-Mitglieder analysiert, die bis zum Berichtsjahr 2010 aufgelöst wurden. Insgesamt wurden 799 Portfolios ausgewertet, darunter 322 Immobilienfonds, 280 Schiffsfonds und 128 Flugzeugfonds. Die durchschnittliche Laufzeit lag bei 9,7 Jahren. Der durchschnittliche Vermögenszuwachs betrug 48 Prozent. Bei einer durchschnittlichen Laufzeit von  9,7 Jahren ergibt sich daraus eine Rendite von knapp vier Prozent per anno.

Von den 799 analysierten Fonds waren 147 Fonds nicht erfolgreich und haben ihren Anlegern Verluste beschert. Die Studie umfasst nur Titel von Mitgliedsunternehmen, die etwa 70 Prozent des Marktes abdecken. Fonds von Gesellschaften, die Pleite machten, wurden in dieser Analyse nicht berücksichtigt.

Kredite

Bei vielen geschlossenen Fonds werden Investments nicht nur mit den Einlagen der Anleger, sondern zusätzlich mit einem Kredit finanziert. Solange der effektive Zinssatz für die Kredite unterhalb der Rendite liegt, die mit der Anlage erzielt werden kann, steigert der Anbieter so die Rentabilität seiner Anlage. Steigt hingegen der Zins und übertrifft die erwartete Rendite der Anlage, verliert er überproportional. Ähnliches passiert, wenn die zu erwartende Rendite der Anlage negativ wird. Die Kreditquote sollte daher moderat ausfallen. So dürfen auf Grund einer neuen EU-Richtlinie geschlossene Fonds ab 2015 nur noch mit einem Kreditanteil von 60 Prozent arbeiten. Achten Sie darauf, dass Ihr Portfolio diese Grenze nicht überschreitet!

Steuervorteil

In der Vergangenheit wurden geschlossene Fonds oft als Steuerstundungsmodelle konstruiert: Sie wurden so aufgelegt, dass die Verluste in der Anfangsphase möglichst hoch ausfallen sollten, um dem Investor steuerliche Verlustzuweisungen zu verschaffen. Diese Möglichkeiten wurden vom Gesetzgeber 2005 deutlich eingeschränkt. Mit der Einführung des §15a und §15b EStG kann ein Anleger steuerrechtlich nur Verluste bis zur Höhe seiner Einlage verrechnen. Der Vorteil ist dadurch erheblich geringer. Die Besteuerung bleibt aber kompliziert. Wer investiert, konsultiert daher einen Steuerberater.

Wölbern verwaltet insgesamt ein Fondsvolumen von rund zwei Milliarden Euro. Laut Sanierungsvorstand Depping seien die Fonds von der Insolvenz nicht betroffen. Nun gehe es mit der Insolvenz in Eigenverantwortung darum, „das Vermögen in den einzelnen Fonds zu sichern“, sagte Depping. „Wir werden uns nun der Aufgabe stellen, so gründlich wie nötig und so zügig wie möglich die wirtschaftliche Gegenwart der Wölbern Fondsmanagement zu verstehen“, erklärte Depping.

Der Jurist ist in der Fondsbranche kein Unbekannter. Er war auch zum Sanierungsvorstand der WGF bestellt worden. Der Düsseldorfer Immobilienkonzern hatte im vergangenen Dezember die Insolvenz in Eigenverantwortung beantragt und setzt derzeit einen Insolvenzplan um, an dessen Erstellung Depping als Sanierungsvorstand mitgewirkt hatte.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

caesar4441

23.10.2013, 19:42 Uhr

Das war nicht die letzte Pleite bei Wölbern !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×