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15.01.2016

11:45 Uhr

Franken-Schock-Jubiläum

Die Währungsspekulanten zocken weiter

VonMichael Brächer

Vor einem Jahr hob die Schweiz die Kursgrenze zum Euro auf. Das Beben an den Finanzmärkten bescherte auch Hobby-Händlern empfindliche Verluste. Doch das Geschäft mit den riskanten Finanzwetten boomt noch immer.

Schweizer Franken: Als die Notenbank die Kursgrenze zum Euro aufhob, bescherte das Hobbytradern empfindliche Verluste. IMAGO

Euro und Schweizer Franken

Schweizer Franken: Als die Notenbank die Kursgrenze zum Euro aufhob, bescherte das Hobbytradern empfindliche Verluste.

FrankfurtDie Worte wirkten wie Sprengstoff. „Die Schweizerische Nationalbank hebt den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro auf“ teilte die Notenbank am 15. Januar lapidar mit. Die Nachrichten aus Zürich löste an den Finanzmärkten ein Beben aus: Der Franken-Kurs, der sich jahrelang kaum vom Fleck bewegt hatte, legte auf einmal um bis zu 40 Prozent zu. Die Kurse am Schweizer Aktienmarkt gaben drastisch nach.

Nicht nur Anlagestrategen wurden auf dem falschen Fuß erwischt, sondern auch zahlreiche Privatanleger. Die Hobby-Spekulanten hatten mit so genannten Differenzkontrakten (CFD) auf den Franken spekuliert. Ein Jahr nach dem Franken-Schock konnten sich viele Anleger mit den Anbietern der Finanzprodukte einigen; sie mussten nur einen Teil ihrer Schulden zurückzahlen. Doch manche Hobbytrader geben sich damit nicht zufrieden. Sie wollen überhaupt nicht zahlen.

Arten von Kauf- und Verkauforders

Bestens

Bei dieser unlimitierten Order werden die Aktien ohne weitere Bedingungen zum nächstmöglichen Preis verkauft.

Billigst

Gibt der Anleger die Order billigst, werden die Aktien ohne weitere Bedingungen zum nächstmöglichen Preis gekauft.

Limit

Der Anleger nennt für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren einen Höchst- oder Mindestkurs. Ober- oder unterhalb dieser Grenze werden dann keine Aktien geordert.

Stop-Buy-Order

Der Anleger kann eine Grenze angeben, oberhalb der Aktien gekauft werden sollen. Ohne weiteren Zusatz erfolgt die Order zum nächstmöglichen Preis.

Stop-Buy-Limit

Zusätzlich zur Grenze, ab der Aktien gekauft werden sollen, kann der Anleger auch ein Limit für den maximalen Preis angeben.

Trailing-Stop-Buy

Ein Trailing Stop-Buy basiert auf einer Stop-Buy-Order. Es wird also ein Kurs festgesetzt, bei dem gekauft werden soll. Allerdings passt sich der Stop-Buy automatisch an, wenn der Kurs fällt.
Ein Beispiel: Bei einem aktuellen Kurs von 100 Euro wurde der Trailing-Stop-Buy auf 110 Euro festgesetzt. Fällt dann der Kurs auf 95 Euro, fällt auch der Stop-Buy auf 105 Euro. Der Abstand zwischen Kurs und Stop-Buy wird also beibehalten. Er kann in Euro oder Prozent angegeben werden.

Stop-Loss-Order

Sobald ein bestimmter Kurs unterschritten wird, werden die Aktien verkaufen. Ohne weiteren Zusatz erfolgt die Order zum nächstmöglichen Preis.

Stop-Loss-Limit

Will der Anleger unterhalb einer bestimmten Grenze Aktien verkaufen, jedoch nicht jeden Preis zahlen, kann er die Stop-Loss-Order auch mit Limit einrichten.

Trailing-Stop-Loss

Analog zur Stop-Loss-Order wird auch beim Trailing Stop-Loss ein Kurs festgesetzt, bei dem Aktien verkauft werden sollen. Dieser Stop-Loss wird bei steigenden Kursen jedoch automatisch angepasst.
Ein Beispiel: Bei einem aktuellen Kurs von 100 Euro wurde der Trailing-Stop-Loss auf 90 Euro festgesetzt. Steigt dann der Kurs auf 105 Euro, steigt auch der Stop-Loss auf 95, der Abstand zwischen Kurs und Stop-Loss wird also beibehalten. Er kann in Euro oder Prozent angegeben werden.

One-Cancels-Other-Order

Bei einer Order nach dem Prinzip One-Cancels-Other werden quasi zwei Orders abgegeben. Damit ist der Anleger gleichzeitig für steigende und fallende Kurse gerüstet. Das Stop-Limit sichert den Anleger bei einem Kurssturz ab und mit dem oberen Verkaufslimit kann er sich auf einen Kurs festlegen, bei dem er Gewinne mitnehmen möchte.

Differenzkontrakte sind gehebelte Finanzprodukte, die mit kleinem Einsatz große Summen bewegen. Mit ihnen hatten Anleger auf kleinste Veränderungen des Frankenkurses spekuliert. So stand ein Ingenieur, über dessen Fall auch das Handelsblatt berichtete, schlagartig mit fast 300.000 Euro bei seinem Broker IG in der Kreide. Er hat noch immer nicht gezahlt.

Der junge Mann hatte zwar eine Kursgrenze, genannt Stop-Loss-Order, eingezogen. Doch die Sicherung griff nicht, denn der Verkauf zum Stoppkurs wird nicht garantiert. Bei IG hieß es, die Liquidität im Markt sei bei Aufgabe der Franken-Schwelle „weitestgehend ausgetrocknet“, es habe also niemand Franken verkaufen wollen.

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Man habe den nächsten verfügbaren Kurs von 0,9250 Euro zum Franken gehandelt und an die Kunden weitergegeben. Der Kunde sieht das anders: Er glaubt, dass sehr wohl Kurse am Devisenmarkt gestellt worden seien.

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