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29.01.2007

12:24 Uhr

Freiwillige Auskunft gegenüber Banken

Abgeltungsteuer: Christen zahlen 28 Prozent

VonDonata Riedel

Die Kirchen zeigen sich im Bezug auf die Pläne zur Abgeltungssteuer vertrauensvoll und verzichten auf Kontrollen. Pauschale Abzüge wird es nicht geben. Es wird darauf gesetzt, dass sich die Anleger der Wahrheit verpflichtet fühlen - soweit sie konfessionsgebunden sind.

Abgeltungsteuer: Die Banken wissen nicht, ob das Geld von einem konfessionsgebundenen Anleger stammt. dpa

Abgeltungsteuer: Die Banken wissen nicht, ob das Geld von einem konfessionsgebundenen Anleger stammt.

BERLIN. Die geplante Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge birgt für die Kirchen ein finanzielles Risiko: Sie wollen in den ersten beiden Jahren auf Kontrollen darüber verzichten, ob ihre Mitglieder auf Zinsen, Kursgewinne und Dividenden die fällige Kirchensteuer tatsächlich zahlen. Damit demonstrieren sie volles Vertrauen in die Ehrlichkeit ihrer Mitglieder. "Wir glauben, dass unsere Mitglieder die Kirche unterstützen wollen", hieß es in Kirchenkreisen.

Die große Koalition will ab 2009 eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Soli auf alle Kapitalerträge einführen. Hinzu kommt die Kirchensteuer: Christen werden dann insgesamt etwa 28 Prozent zahlen. Heute müssen sie auf Kapitalerträge Einkommensteuer zahlen - plus Soli und Kirchensteuer bis zu 44 Prozent. Die Abgeltungsteuer wird - für Kapitalerträge oberhalb des Sparerfreibetrags - von den Banken pauschal und anonym an die Finanzämter abgeführt. Allerdings wissen die Banken nicht, ob das Geld von einem konfessionsgebundenen Anleger stammt.

In den Gesetzentwurf, der bis 1. Februar als Referentenentwurf fertig werden soll, wollen die Steuerbeamten von Bund und Ländern daher eine Verabredung von Banken und Kirchen übernehmen: Danach sollen Katholiken und Evangelische ihre Kirchenzugehörigkeit bei der Bank erklären - die dann die Steuer an das zuständige Finanzamt weiterleitet.

Der ursprüngliche Plan, nach dem Kirchenangehörige sich ihre Steuerpflicht vom Finanzamt hätten bestätigen lassen müssen, ist vom Tisch, hieß es übereinstimmend beim Bundesverband deutscher Banken (BdB) und bei den Kirchen. "Wir möchten auf gar keinen Fall, dass Nichtmitglieder in irgendeiner Form belastet werden", hieß es aus Kirchenkreisen. Und für die Mitglieder sollte das Verfahren so einfach wie möglich sein. Für die Banken bedeute dies jedoch "einiges an Arbeit", sagte BdB-Steuerexperte Wolfgang Skorpel.

So gibt es zugunsten der Steuerzahler einen Sonderausgabenabzug, der die regional unterschiedlich hohe Kirchensteuer um etwa einen der acht bis zehn Prozentpunkte senkt. Die Banken hätten den Abzug gerne als Pauschale gehabt - die Kirchen bestehen jedoch auf ortsgenauer Abrechnung. "Das Verfahren ist nicht so kompliziert wie die Banken fürchten", hieß es aus Kirchenkreisen. Jeder Arbeitgeber erfülle es für Arbeitnehmer. Außerdem können Steuerzahler auch weiterhin mit der Steuererklärung die gezahlte Abgeltungsteuer beim Finanzamt angeben, um danach die Kirchensteuer zu zahlen. Die Veranlagung bleibt auch für alle erhalten, deren persönlicher Einkommensteuersatz niedriger ist als 25 Prozent.

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