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15.11.2013

10:26 Uhr

Fremdanbieter

Schützen Sie Ihren Handyvertrag vor Abofallen

Quelle:Creditreform-Magazin

Wer mobil auf das Internet zugreift, läuft Gefahr in Abofallen zu tappen. Das fällt häufig erst dann auf, wenn die Rechnung kommt. Was die Mobilfunkanbieter sagen und wie sich Kunden dagegen wehren können.

Das Handy ist bei vielen Nutzern im Dauereinsatz - es können aber versteckte Kosten drohen. dpa

Das Handy ist bei vielen Nutzern im Dauereinsatz - es können aber versteckte Kosten drohen.

Düsseldorf„Nutzung Sonderdienste Fremdanbieter“ – unter einer Überschrift wie dieser erscheinen auf Rechnungen von Mobilfunkkunden Services, die der Kunde vermeintlich genutzt hat. Doch stutzig werden manche Nutzer, wenn sie sich fragen, was genau sie da angeblich beauftragt haben, und vor allem: warum sie dafür zahlen sollen. Eine Erklärung wie „4x Internet-Zugang“ hilft da nicht wirklich weiter. Aber eines deutet sich schon an: Es handelt sich offenbar um ein zahlungspflichtiges Abo.

Das Phänomen ist Verbraucherschützern bekannt. Sie sammeln derzeit Unterlagen von Fällen, in denen Fremdanbieter in Kooperation mit Mobilfunkanbietern Dienstleistungen in Rechnung stellen lassen, die Kunden gar nicht bewusst beauftragt, geschweige denn in Anspruch genommen haben. „Wir haben das im Blick und behalten uns weitere Schritte vor“, sagt Peter Lindackers, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Und René Henn, Sprecher der Bundesnetzagentur, bestätigt: „Uns liegen Beschwerden zu ähnlichen Fällen vor.“

Was Roaming für Verbraucher bedeutet

Was ist neu beim Surfen im Ausland?

Anbieter dürfen maximal 45 Cent vor Steuern (statt 70 Cent) pro Megabyte Datenvolumen verlangen. Inklusive Steuern macht das 53,5 Cent (bisher 83,3 Cent). Erst seit Sommer 2012 gibt es solche Grenzen, vorher zahlte ein Nutzer oft bis zu 4 Euro. Ein Megabyte entspricht 100 Mails ohne Anhang, weniger als einer Stunde Internet-Surfen oder einer Minute Musik-Download im MP3-Format.

Warum sind die Höchstbeträge so krumm?

Die ungeraden Beträge ergeben sich, weil die EU-Kommission die Grenzen als Nettowerte vorgibt und national unterschiedliche Steuern hinzukommen. Netto liegt die Grenze für abgehende Telefonate beispielsweise bei 24 Cent pro Minute. Mit Mehrwertsteuer sind es in Deutschland dann 28,6 Cent.

Wie viel Geld spart der Verbraucher konkret?

Ein Musterbeispiel: Wenn eine vierköpfige deutsche Familie eine Woche lang Urlaub am Mittelmeer (etwa Frankreich, Italien oder Griechenland) macht, spart sie bei den Handy-Gebühren rund 23 Euro. Gegenüber dem Jahr 2009 beläuft sich die Ersparnis sogar auf 463 Euro. Für diese Berechnung legt die EU-Kommission bestimmte Mengen an E-Mails, Surfen im Internet und Hochladen von Fotos zugrunde. EU-Kommissarin Neelie Kroes sagt: „Die neuen Preiskürzungen lassen den Verbrauchern mehr Geld in der Tasche für den Sommer.“

Wie sieht es beim Urlaub im neuen EU-Land Kroatien aus?

Vier Millionen Europäer machen nach EU-Angaben jedes Jahr Urlaub in Kroatien. Am 1. Juli wird das Land das 28. Mitglied in der EU. Damit werden Telefongebühren für Urlauber laut EU-Kommission bis zu 15 Mal billiger. Verreist die deutsche Familie aus dem Musterbeispiel nach Kroatien, spart sie 397 Euro gegenüber dem letzten Sommer.

Wie lange wird es die Roaming-Kosten noch geben?

Es ist das erklärte Ziel von Neelie Kroes, dass die Kosten irgendwann komplett wegfallen. Als Termin gilt das Jahr 2015. Einen Gesetzentwurf will die Kommissarin im September präsentieren. Im Kurzmitteilungsdienst Twitter schrieb Kroes: „Lassen Sie uns mobile Roaming-Kosten ein für alle mal loswerden.“

Was ist „Roaming“ überhaupt?

Das Wort „Roaming“ stammt aus dem Englischen und bedeutet in etwa „umherwandern“. In der Welt der Telekommunikation steht es für die Möglichkeit, auch in ausländischen Mobilfunknetzen zu telefonieren. Die Anbieter verlangen für die Weiterleitung von Gesprächen und Daten Roaming-Gebühren. Diese machen laut EU-Kommission rund vier Prozent des gesamten EU-Mobilfunkmarktes aus, etwa fünf Milliarden Euro Umsatz.

Wie bewerten Verbraucherschützer die Lage?

Wer sein Handy im Ausland nutzt, muss hohe Zusatzkosten zahlen, kritisiert die EU-Kommission und spricht von einer „Kostenfalle“. Der europäische Verbraucherschutzverband Beuc bemängelt, dass die Telekomfirmen jedes Mal knapp unter den Grenzen blieben - obwohl weitere Preissenkungen möglich wären: „Langsam, aber sicher nähern wir uns fairen Preisen“, sagt Beuc-Leiterin Monique Goyens.

Wie reagiert die Telekom-Branche auf die Ansage aus Brüssel?

Mit Kritik. Seit Jahren argumentieren die Anbieter, die Kosten entstünden durch den Aufwand, sich gegenseitig grenzübergreifend Rechnungen zu stellen. Die Deutsche Telekom bemängelt, der Branche würden Milliardensummen entzogen, die für Investitionen fehlten: „Eine Antwort auf die Frage, wie dieser Widerspruch aufgelöst werden kann, bleibt die Politik jedoch schuldig.“ Das Unternehmen hält die weitere Regulierung des Mobilfunkmarktes nicht für erforderlich.

Und wie sieht es aus beim Telefonieren außerhalb der EU?

Für Übersee oder Asien gelten die Regeln nicht. Die EU kann ihre Gesetzgebung nämlich nicht auf außereuropäische Länder anwenden.

Nicht ganz einfach ist es für Betroffene, wenn sie herausfinden wollen, um welche vorgebliche Dienstleistung es sich handelt und wer der eigentliche Vertragspartner sein soll. Die Mobilfunkanbieter weisen die Kosten zwar auf den Rechnungen aus, bei Nachfragen zu Details bitten sie den Nutzer aber, sich direkt mit dem auf der Rechnung genannten Unternehmen in Verbindung zu setzen. Die Argumentation: Es handele sich um externe Anbieter, von denen ihnen lediglich die Forderungen übermittelt würden.

Recherchen der „Creditreform“-Redaktion ergeben aber ein anderes Bild: Auf Nachfrage in der Pressestelle war ein Mobilfunkunternehmen sehr wohl in der Lage, Details zu einem konkreten Vorgang – vermutlich nach Rücksprache mit dem Fremdanbieter – mitzuteilen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

15.11.2013, 12:29 Uhr

Auf unserer SIM-Karte von Klarmobil war auch eine App eines Partnervermittlers vorinstalliert und diese hatte sich dann von selbst eingewählt. Habe dann Klarmobil sofort gekündigt und im Bekanntenkreis vor der Firma gewarnt. Das ist eine kriminelle Masche, die unseren Politikern bekannt ist, aber nichts dagegen unternehmen, da man fleissig mitverdient!

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