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03.12.2016

13:24 Uhr

Gebühren und Zinsen

Was Bankkunden bei Kontoüberziehung erwartet

VonMartin Gerth
Quelle:WirtschaftsWoche

Banken dürfen Kunden bei Kontoüberziehungen nicht zu stark in die Tasche greifen. Dabei sind oft nicht die Zinsen, sondern die Gebühren das Problem. Deshalb hat der BGH sie kürzlich für unzulässig erklärt.

Ein BGH-Urteil deckelt die Zinsen bei Kontoüberziehungen. Dabei sind die oft gar nicht das Problem. dpa

Zinsen gedeckelt

Ein BGH-Urteil deckelt die Zinsen bei Kontoüberziehungen. Dabei sind die oft gar nicht das Problem.

DüsseldorfDass Girokonten zeitweise ins Minus rutschen, ist nicht ungewöhnlich. Dafür gewähren Banken in der Regel einen Dispositionskredit. Wie hoch dieser Kredit maximal sein darf, hängt von der Bonität des Bankkunden ab und wie viel Geld regelmäßig auf seinem Konto eingeht. Jeden Monat werden deutschlandweit Dispokredite in Höhe von insgesamt 35 Milliarden Euro gewährt.

Kritisch wird es, wenn das Dispokontingent ausgereizt ist und das Konto noch tiefer in die roten Zahlen rutscht oder gar kein Dispo vereinbart worden ist und das Konto sich im Minus befindet. Juristen sprechen dann von einer geduldeten Überziehung. Die Zinsen für solche Überziehungen sind derzeit meist zweistellig. Beispiel: Bei der Commerzbank sind es aktuell je nach Variante des Girokontos zwischen 14 und 16 Prozent jährlich.

So viele Deutsche haben sich wegen Überschuldung beraten lassen

Erläuterung

Quelle: Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamts

Die Behörde hat die Zahl von Beratungsgesprächen wegen Überschuldung hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung. Die Angaben beziehen sich auf das Jahr 2014.

unter 20 Jahre

1690 Betroffene

durchschnittliche Schulden: keine Angabe

20 bis 24 Jahre

30.283 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 8.205 Euro

25 bis 34 Jahre

127.519 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 18.639 Euro

35 bis 44 Jahre

107.478 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 35.712 Euro

45 bis 54 Jahre

106.661 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 48.183 Euro

55 bis 64 Jahre

59.787 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 47.542 Euro

65 bis 69 Jahre

13.375 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 50.562 Euro

70 Jahre und älter

13.831 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 55.163 Euro

Sittenwidrig sind laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs lediglich Zinsen, die mehr als doppelt so hoch sind wie diejenigen vergleichbarer Überziehungskredite. Bei Dispozinsen weist die Bundesbank für den September einen Wert von 8,7 Prozent pro Jahr aus. Die durchschnittlichen Konditionen für geduldete Überziehungen des Dispos liegen rund fünf bis sechs Prozentpunkte darüber. Für die Banken bleibt also noch viel Luft nach oben.

Allerdings ist das Limit von maximal 100 Prozent Zuschlag auf marktübliche Konditionen kein Freibrief. „Ob der Zins für einen Überziehungskredit sittenwidrig ist, hängt nicht allein davon ab, wie weit der Zins über dem marktüblichen Niveau liegt“, sagt Tanja Suchowerskyj, Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht bei Baker Tilly Roelfs in Stuttgart. Gerichte würden die gesamten Umstände des Kredits beurteilen, beispielsweise auch, ob die Bank eine Notlage des Kunden ausgenutzt habe.

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